Börse Dax trotzt schwachen Konjunkturerwartungen

Trotz schwacher Konjunktursignale und geopolitischer Risiken gewinnt der Dax am Dienstag weiter hinzu. Rüstungswerte und Delivery Hero bleiben gefragt. An der Wall Street verbuchte der Dow Jones zum Handelsschluss in Europa ein komfortables Plus.
Börse Frankfurt: Der Leitindex Dax schließt am Dienstag mit Gewinnen

Börse Frankfurt: Der Leitindex Dax schließt am Dienstag mit Gewinnen

Foto: Boris Roessler / dpa

Der Dax  hat seine Klettertour am Dienstag fortgesetzt. Ungeachtet aller konjunkturellen und geopolitischen Risiken schloss der deutsche Leitindex am Dienstag 0,68 Prozent fester bei 13.910 Punkten. Er erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Für den MDax  der mittelgroßen Unternehmen ging es letztlich um 0,72 Prozent auf 28.108 Punkte hoch. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  rückte um 0,41 Prozent vor.

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Am Vormittag hatten dem Dax sogar nur gut 50 Punkte zur runden Marke von 14.000 Punkten gefehlt. Negative europäische Konjunktursignale und durchwachsene Daten aus der US-Wirtschaft ließen die Kursgewinne zwischenzeitlich etwas schmelzen. Doch dann sorgte der freundliche US-Leitindex Dow Jones auf der Zielgeraden wieder für etwas mehr Schwung - dieser stand zum europäischen Handelsende über ein halbes Prozent im Plus und baute die Zugewinne bis 18 Uhr (MEZ auf 0,73 Prozent oder 43.160 Punkte aus. Der marktbreite S&P 500  stieg bis zu diesem Zeitpunkt um 0,24 Prozent. Der technologielastige Nasdaq 100 pendelte um seinen Schlusskurs des Vortages bei 13.655 Punkten.

Konjunkturerwartungen der Börsianer trüben sich ein

Der Dax trotzte damit auch schwachen Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten: Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW fiel im August auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2008. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft seien düster, kommentierte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel, die Daten. "Die Gefahr einer ernsten Energiekrise ist nicht gebannt und die hohen Teuerungsraten entziehen den Verbrauchern Kaufkraft." Der in den USA etwas nachlassende Inflationsdruck nährte aber jüngst die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed bei ihrem Zinserhöhungskurs nach den jüngst großen Schritten mehr Vorsicht walten lassen könnte. Dieses Schema prägte die Erholungsrally an den Weltbörsen.

Hellofresh dreht ins Minus, Rheinmetall und Hensoldt gefragt

Im Dax zollten die anfangs freundlichen Titel des Kochboxen-Anbieters Hellofresh der jüngsten Erholung Tribut und büßten letztlich knapp anderthalb Prozent ein. Ähnliches galt für den Aromen- und Duftstoffhersteller Symrise mit einem Kursminus von 1,1 Prozent.

Genau umgekehrt war es hingegen bei den zuletzt schwachen Titeln der Rüstungsunternehmen Rheinmetall und Hensoldt : Sie legten um 3,7 beziehungsweise 4,3 Prozent zu und belegten damit vordere Plätze im MDax beziehungsweise dem Nebenwerte-Index SDax .

MDax-Spitzenreiter war der Lieferdienst Delivery Hero, der die Anleger mit Aussagen zur Profitabilität begeisterte und damit der gesamten Branche etwas Rückenwind gab. Die Anteilscheine zogen um fast 5,5 Prozent an und erreichten zeitweise den höchsten Stand seit ihrem rund 30-prozentigen Kursrutsch am 10. Februar, als Delivery Hero den Markt mit einem schwachen Ausblick geschockt hatte.

Starke Geschäftszahlen vom australischen Minenkonzern BHP Group entfalteten eine positive Wirkung auf Rohstoffwerte allgemein und hierzulande auf Stahltitel wie Klöckner & Co , Salzgitter und Thyssenkrupp sowie auf die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis . Allesamt gewannen bis zu 5,7 Prozent.

Ölpreise weiten Verluste aus

Die Ölpreise sind nach dem Kursrutsch zu Wochenbeginn erneut unter Druck geraten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im Oktober kostete am Dienstag zuletzt 93,14 US-Dollar. Das waren 1,92 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) zur September-Lieferung fiel um 1,94 Dollar auf 87,47 Dollar.

Die Aussicht auf eine Rückkehr iranischen Öls an den Markt ist nach Einschätzung der Commerzbank-Experten ein Belastungsfaktor geworden, nachdem die Verhandlungen zwischen dem Iran, der EU und den USA über ein neues Atomabkommen weitere Fortschritte gemacht haben. Der Iran hat mittlerweile seine Antwort auf einen Kompromissvorschlag an die Europäische Union übermittelt. Man werde diese nun prüfen und mit den anderen Partnern des Abkommens sowie mit den USA Rücksprache halten, teilte die EU mit.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat ein Vertreter der Kommission die Antwort des Iran als konstruktiv bezeichnet. Die Bemühungen zur Wiederbelebung des Abkommens von 2015 haben das Ziel, das iranische Atomprogramm einzuschränken. Im Gegenzug könnten auch die Erdölsanktionen fallen und das Angebot steigen.

Aber auch die schwächelnde Nachfrage belastet die Ölpreise. Vor allem die schwache Wirtschaftsentwicklung in China drückt auf die Nachfrage. "Probleme im Immobiliensektor sowie die Null-Covid-Strategie der Regierung dürften die Wirtschaft kurz- bis mittelfristig weiterhin belasten, sodass anhaltender Gegenwind für die Ölpreise von dieser Seite zu erwarten ist", schreibt die Commerzbank.

Bitcoin pendelt um 24.000 Dollar-Marke

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist weiterhin unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Kryptowährung am Abend (MEZ) knapp unter der Marke von 24.000 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

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Mit Nachrichtenagenturen
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