Kursrutsch an den Börsen Dax stürzt unter 13.000 Punkte, Bitcoin droht Sturz unter 20.000 US-Dollar

Der Kurssturz geht weiter: In den USA verzeichnen die Indizes nach der Zinserhöhung durch die Fed deutliche Verluste und ziehen auch den Dax weiter in die Tiefe. Der deutsche Leitindex verliert am Abend zeitweise 4 Prozent an Wert. Auch Bitcoin taumelt.
Händlerin an der Börse: Der Dax rutscht nach dem Zinssprung in den USA wieder ab

Händlerin an der Börse: Der Dax rutscht nach dem Zinssprung in den USA wieder ab

Foto: REUTERS/Ralph Orlowski

Ausverkauf an den Börsen: Die Notenbanken setzen mit ihrem Kampf gegen die Inflation die Aktienmärkte immer stärker unter Druck. Am Donnerstag belastete eine überraschende Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Börsen zusätzlich, nachdem die US-Notenbank Fed bereits am Vorabend die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte erhöht hatte. In Frankfurt baute der deutsche Leitindex Dax , der zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) noch knapp über der Marke von 13.000 Zählern geschlossen hatte, am Abend seine Verluste aus und verlor zeitweise 4 Prozent. Der Dax bewegt sich damit auf dem tiefsten Niveau seit Anfang März. Der deutsche Leitindex, der vor neun Tagen noch bei 14.600 Punkten notierte, hat seitdem mehr als 10 Prozent (1500 Punkte) an Wert verloren.

Der MDax fiel um 2,64 Prozent auf 27.051 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 2,1 Prozent abwärts. Der Schweizer SMI sackte in Zürich auf den tiefsten Stand seit Ende 2020 ab und verlor 2,5 Prozent. Auch in den USA sackten die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 deutlich ab und gaben ihre Gewinne vom Mittwoch wieder ab

Angesichts des zügigen Tempos bei der Straffung der Geldpolitik sehen Anleger die Gefahr einer Rezession steigen. Die SNB erhöhte den Leitzins überraschend um 0,5 Prozentpunkte und erklärte dies als Maßnahme gegen inflationären Druck. Die Bank of England hob ihren Leitzins um 0,25 Punkte an, was von Volkswirten erwartet worden war. Allerdings stellte sie weitere Zinsschritte in Aussicht.

BASF und Uniper brechen ein – Gazprom liefert weniger

Die Aktien von BASF  und Uniper  gehören am Donnerstag mit hohen Kursverlusten zu den schwächsten Werten am deutschen Aktienmarkt. Hauptgrund dürfte die weitere Reduzierung der Gaslieferungen nach Deutschland durch den russischen Energiekonzern Gazprom sein. So sackten BASF im Dax mit minus 5,7 Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende Oktober 2020, Uniper rutschten im MDax mit minus 9 Prozent auf ein Tief seit Anfang März. Uniper ist Deutschlands größter Importeur von russischem Erdgas, zudem muss der Konzern Milliarden auf das Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 abschreiben. Bei der BASF bedroht ein möglicher Stopp russischer Gaslieferungen die Produktion am Chemiestandort Ludwigshafen.

Zalando stürzt auf Zweijahrestief

Zu den größten Verlierern im Dax gehörte die Aktie von Zalando  mit Verlusten von mehr als 10 Prozent. Die Aktie stürzte auf 25,25 Euro und damit auf das tiefste Niveau seit mehr als 2 Jahren. Die gesenkte Prognose des Konkurrenten Asos und ein enttäuschender Zwischenbericht von Boohoo setzte die Branche erheblich unter Druck. Auch Delivery Hero und Hellofresh verloren jeweils mehr als 5 Prozent. Sämtliche Aktien im Dax 40 notierten am Donnerstagvormittag im Minus.

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Dow Jones und Nasdaq bauen Verluste aus

Die Kursgewinne vom Vortag nach der Zinserhöhung in den USA sind nur einen Tag später auch dort schon wieder Makulatur. Die straffere Geldpolitik der Notenbanken von Hongkong, England und der Schweiz haben den Investoren am Donnerstag die Risiken der weltweiten Inflation und die damit verbundene Gefahr einer Rezession erneut deutlich vor Augen geführt. In diesem für Aktien schlechten Umfeld büßte der Dow Jones Industrial im frühen Handel 2,20 Prozent auf 29.993 Punkte ein und fiel unter die 30.000er Marke auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2021. Der marktbreite S&P 500 verlor 2,64 Prozent auf 3690 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 sackte um 2,93 Prozent auf 11 254 Punkte ab.

Tesla unter Druck

An den US-Börsen steht Tesla mit einem Kursrückgang um fast 4 Prozent im Fokus. Offenbar nahmen die Anleger dem Elektroautobauer die Anhebung seiner Fahrzeugpreise auf dem heimischen US-Markt übel.

Anteilsscheine von Abbott Laboratories verloren über 2 Prozent, nachdem der Konzern einen unwetterbedingten Produktionsstopp für Babynahrung an einem US-Standort berichtet hatte.

Für McDonald's geht es um rund 1 Prozent bergab, womit sich die Aktie im schwach erwarteten Markt noch vergleichsweise gut hielt. Die Fastfood-Kette zahlt in Frankreich die Summe von 1,25 Milliarden Euro, um Ermittlungen wegen Steuerbetrugs zu entgehen.

Derweil ging es für Twitter-Papiere um knapp 2 Prozent hoch. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" dürfte Tesla-Chef Elon Musk bei einem anstehenden Gespräch mit Mitarbeitern sein Interesse an einer Übernahme des Kurznachrichtendienstes bekräftigen.

Bitcoin dreht erneut ins Minus – hält die Marke von 20.000 US-Dollar?

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin schwankt ebenfalls stark. Am Vortag war die Kryptowährung zeitweise um 9 Prozent eingebrochen und bis auf 20.500 US-Dollar gefallen, hatte sich am Abend dann aber wieder erholt. Am Donnerstag nahm der Verkaufsdruck auf Bitcoin und andere Cyberwährungen dann wieder zu – zuletzt drehte der Bitcoin erneut ins Minus und fiel wieder unter die Marke von 21.000 US-Dollar. Angesichts der extremen Schwankungen fragen sich Anleger, ob die runde Marke von 20.000 US-Dollar dem Verkaufsdruck standhalten wird. Zuletzt lag der Bitcoin bei 20.800 US-Dollar.

Bitcoin

Binnen einer Woche hat die weltweit wichtigste Kryptowährung fast 30 Prozent an Wert verloren. Der Bitcoin hatte im November vergangenen Jahres noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar markiert.

Die Kryptowährung Ethereum verbilligt sich unterdessen um mehr als 7 Prozent auf 1091 Dollar. "Die Sorgen rund um Celsius Network schweben weiterhin wie ein Damoklesschwert über Bitcoin und Co.", sagte ein Händler. Das Krypto-Kreditunternehmen hatte jüngst in Folge der jüngsten Kurs-Turbulenzen am Markt Überweisungen und Transfers ausgesetzt. Es wachse die Furcht, dass weitere Unternehmen betroffen sein könnten.

SMA Solar verdrängt Nordex im TecDax

Index-Änderungen bewegten die Aktien der davon betroffenen Unternehmen. Die Aktien des Windanlagenherstellers Nordex werden aus dem SDax und dem TecDax herausgenommen, damit bekommt Nordex die Quittung für die verzögerte Vorlage von Quartalszahlen. SMA Solar Technology legten gegen den Trend um 4 Prozent zu. Im Index der Technologiewerte ersetzen die Titel des Solartechnik-Herstellers jene von Nordex. Ein Hacker-Angriff kostet den Hamburger Windturbinenhersteller Nordex damit – zumindest vorübergehend – seinen Platz in SDax und TecDax. Das Unternehmen hatte die Veröffentlichung seiner Ergebnisse für das erste Quartal mit Verweis auf den Hackerangriff im Mai verschoben. Die Zahlen sollen nun am kommenden Dienstag vorgelegt werden – zu spät für die Deutsche Börse, die eine Mitteilung binnen 75 Tagen nach Quartalsende fordert. Wenn die Quartalszahlen vorliegen, hat Nordex aber die Chance, bei der regulären Überprüfung der Indizes im September wieder zurückzukehren.

Nikkei etwas fester

Auch die Börse in Tokio zeigte sich am Donnerstag stärker. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag 1,4 Prozent höher bei 26.694 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1,3 Prozent und lag bei 1879 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,2 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,3 Prozent.

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag angesichts der trüben Stimmung an den Finanzmärkten gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 117,68 US-Dollar. Das waren 83 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 66 Cent auf 114,69 Dollar. Im frühen Handel hatten die Ölpreise noch zugelegt.

Die deutlichen Kursverluste an den Aktienmärkten belasten auch die Ölpreise. Die Stimmung hat sich stark eingetrübt, nachdem die überraschende Zinserhöhung der Schweizer Nationalbank (SNB) die Märkte verunsichert hat. Eine restriktivere Geldpolitik belastet die Konjunktur und damit auch die Nachfrage nach Rohöl. Die Märkte warten jetzt auf die Entscheidung der britischen Notenbank. Hier wird eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte erwartet.

Mit Nachrichtenagenturen