Kursrallye nach Inflationsdaten Kursexplosion an der Börse, Nasdaq springt um 7 Prozent

Die US-Inflationszahlen haben an den Börsen ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Erstmals seit fünf Monaten steigt der Dax wieder über die Marke von 14.000 Punkten. Die US-Techbörse Nasdaq vollzieht den größten Kurssprung seit mehr als 2 Jahren.
Techwerte auf Höhenflug: Der Nasdaq 100 springt um mehr als 7 Prozent

Techwerte auf Höhenflug: Der Nasdaq 100 springt um mehr als 7 Prozent

Foto: KATHY WILLENS / AP

Kurssprung an den Börsen: Nach einem überraschend moderaten Anstieg der US-Verbraucherpreise im Oktober ist der Dax am Donnerstag mit 14.146 Punkten auf das höchste Niveau seit Anfang Juni geklettert. Der deutsche Leitindex gewann bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) 3,5 Prozent. Auch der MDax stieg deutlich um 4,1 Prozent auf 25.271 Zähler, während der EuroStoxx 50 um 3,2 Prozent auf 3847 Punkte anzog. Der europäische Branchenindex der Technologie-Werte sprang sogar um 7,6 Prozent in die Höhe.

Die Anleger dürfen sich nun Hoffnungen machen, dass die US-Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat und das Tempo der Zinswende der US-Notenbank abnimmt. Helaba-Experte Ulrich Wortberg hält es nach der positiven Überraschung für wahrscheinlich, dass es im Dezember einen kleineren Zinsschritt geben wird. Die Zinserwartungen dürften nachgeben.

In den USA legten Dow Jones und Nasdaq ebenfalls deutlich zu, der Nasdaq 100 gewann bis kurz vor Handelsschluss in den USA mehr als 7 Prozent an Wert und vollzog damit den größten Kurssprung seit zweieinhalb Jahren.

Kursrallye treibt Dax-Werte

Hierzulande setzten sich die Aktien des Online-Händlers Zalando mit einem Plus von 13,8 Prozent an die Dax-Spitze. Sie hatten seit Jahresbeginn besonders deutlich unter der Aussicht auf stark steigende Zinsen gelitten.

Auch ansonsten lief die Berichtssaison der Unternehmen auf Hochtouren. So setzt der hohe Druck aus Energiekrise, Lieferschwierigkeiten und wieder steigender Zinsbelastung dem Autozulieferer und Reifenhersteller Continental zwar weiter zu. Im laufenden Geschäft aber konnte das Unternehmen das dritte Quartal recht solide abschließen, neue Großbestellungen sollen zudem frisches Geld in die Kasse bringen. Die Anteilscheine zogen um 7,6 Prozent an.Geringere Schäden durch Naturkatastrophen und höhere Anlagegewinne hatten dem Versicherer Allianz im Sommer Rückenwind verschafft. Dies bescherte den Aktien ein Plus von fast 6 Prozent.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Kurssprung an der Nasdaq: Apple und Amazon im Rallye-Modus

Spekulationen auf ein gemäßigteres Tempo der US-Notenbank Fed bei ihren Zinserhöhungen hat die Kurse an der Wall Street am Donnerstag nach oben katapultiert. Zuvor hatten Verbraucherpreisdaten aus den USA gezeigt, dass der Preisdruck im Oktober nachgelassen hat. Der Standardwerteindex Dow Jones stieg um 2,5 Prozent auf 33.322 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 4 Prozent auf 3901 Zähler. Besonders deutlich fiel das Plus bei den Technologiewerten aus: Der Nasdaq Composite gewann sogar 7,5 Prozent auf 11.605 Punkte. Es ist der größte prozentuale Kursanstieg seit April 2020 an der Nasdaq.

"Das sind gute Nachrichten für die künftige Fed-Politik und zeigt, dass das, was die Fed gemacht hat, angemessen ist", sagte Mike Zigmont von Harvest Volatility Management. Damit sei das Risiko vom Tisch, dass die Fed die Zinsschraube zu stark anziehe und die Wirtschaft damit abwürge. Die US-Indizes waren in diesem Jahr wegen der aggressiven Zinserhöhungspolitik bereits deutlich unter Druck geraten. So hat der S&P seit Beginn des Jahres mehr als 18 Prozent eingebüßt.

Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Nvidia: Techwerte gewinnen stark

Ein Plus von knapp 17 Prozent verzeichneten die Aktien des Elektro-Autobauers Rivian. Der bereinigte Verlust je Aktie war im dritten Quartal geringer als Analysten erwartet hatten. Zudem nannten Broker die robuste Nachfrage und den Ausblick als Grund für den Kursanstieg.

Technologiewerte zählten zu den Favoriten der Anleger, da sie besonders abhängig von Konjunkturentwicklung und Zinspolitik sind. Die Aktien von Microsoft, Apple, Alphabet, Meta und Nvidia legten zwischen 6 und 10 Prozent zu. Die Aktien von Amazon kletterten mit knapp 12 Prozent noch stärker. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge, stellt der Konzern unprofitable Geschäftsbereiche auf den Prüfstand. Dazu gehöre auch der Sprachassistent Alexa. Allein die für Alexa zuständige Geräte-Sparte des weitverzweigten Konzerns verursache jedes Jahr einen operativen Verlust von fünf mehr als Milliarden Dollar. Der Konzern erklärte, er prüfe angesichts des wirtschaftlichen Umfelds Möglichkeiten zur Kostensenkung.

Bitcoin stabilisiert sich nach Kurssturz

Nach dem zwischenzeitlichen Rutsch auf ein Zweijahrestief stabilisierte sich der Bitcoin-Kurs wieder etwas und lag zuletzt bei 17.800 US-Dollar. Probleme bei der Krypto-Börse FTX hatten den Markt zuvor in Turbulenzen versetzt. Zunächst wollte Konkurrent Binance mit einer Übernahme zu Hilfe eilen.

Dann sorgte jedoch für Aufregung, dass die weltgrößte Kryptobörse Binance die Sparte FTX.com des mit Liquiditätsproblemen kämpfenden Rivalen FTX doch nicht übernehmen will.

Daraufhin war Bitcoin erstmals seit 2020 unter die Marke von 16.000 Dollar gerutscht. "Kursbewegungen dieser Art verdeutlichen die Fragilität des Kryptomarktes. Anleger sollten sich der Risiken von Digitalwährungen bewusst sein", sagte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise haben am Donnerstag nach zeitweisen Verlusten zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Nachmittag 93,67 US-Dollar. Das waren 1,01 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 74 Cent auf 86,58 Dollar.

Gestützt wurden die Ölpreise durch den deutlich gesunkenen Kurs des US-Dollar. Dieser macht Rohöl für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer. Ausgelöst wurde der Rückgang des Dollarkurses durch die im Oktober stärker als erwartet gefallene US-Inflationsrate.

Mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.