Börse Dax beschleunigt Kurssturz, Deutsche Bank bricht ein

Konjunkturdaten und Ängste um die Gasversorgung haben am Donnerstag den Dax in die Tiefe geschickt. Papiere der Deutschen Bank verlieren zweistellig. In den USA legte der Nasdaq minimal zu, Dow und S&P 500 fielen dagegen.
Händlerin an der Deutschen Börse: Anleger bleiben nervös

Händlerin an der Deutschen Börse: Anleger bleiben nervös

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Frank Rumpenhorst / dpa

Sorgen um die Gasversorgung und die schwächelnde Konjunktur haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag deutliche Verluste beschert. Der Dax  rutschte bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) um 1,8 Prozent auf 12.913 Punkte ab und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Anfang März. Der MDax  sank um 2,7 Prozent auf rund 26.500 Zähler. Auch moderate Kursgewinne der US-Börsen lieferten keinen Rückenwind. Am Abend baute der Dax seine Verluste weiter aus und fiel zeitweise bis auf 12.850 Punkte zurück.

Die Stimmung der Anleger wurde zusätzlich gedämpft durch schlechte Stimmungsdaten der Unternehmen aus der Euroregion. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global (ehemals IHS Markit) fiel im Juni auf den tiefsten Stand seit knapp eineinhalb Jahren und auch stärker als Analysten erwartet hatten. Dem Wirtschaftswachstum gehe allmählich die Puste aus, kommentierte Chris Williamson, Chefökonom von S&P Global daraufhin.

Bereits tags zuvor hatte Fed-Chef Jerome Powell (69) eine Rezession in den USA nicht ausschließen wollen. Mit seiner Rede vor dem Bankenausschuss des US-Senats hatte er den Anlegern ihre Nervosität nicht nehmen können. Einerseits bezeichnete er die US-Wirtschaft als "sehr stark", und sie könne die Erhöhungen des Leitzinses wegstecken. Andererseits gestand er jedoch auf Nachfrage ein, dass eine Rezession infolge höherer Zinsen "sicherlich eine Möglichkeit" sei. Ein sogenanntes "soft landing" also ein Herauskommen aus der Lage ohne größere Verwerfungen, sei eine Herausforderung.

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Deutsche Bank verliert zweistellig, RWE profitiert von Gaskrise

Mit Blick auf die Einzelwerte standen vor allem Banken unter Druck. Als schwächster Dax-Wert verlor die Deutsche Bank satte 12,2 Prozent und sackte auf den tiefsten Stand seit Anfang März. Im MDax rutschten Papiere der Commerzbank um 11,8 Prozent hinab. Auf der Branche lastet die Sorge, dass die Menschen und Unternehmen im Fall einer Rezession Schwierigkeiten bekommen, Kredit zurückzuzahlen. Auch auf europäischem Parkett schnitten die Geldhäuser mit am schlechtesten ab.

Versorger nahmen hingegen einen Spitzenplatz ein, wovon auf dem deutschen Markt RWE profitierte. Papiere des Energiekonzerns legten im schwachen Dax um 0,6 Prozent zu. RWE gilt als Profiteur der Energiekrise, weil der Konzern sich auf erneuerbare Energien konzentriert und für den Notfall noch Braunkohle-Kraftwerke in Bereitschaft hält. Schlecht lief es hingegen für den Kraftwerksbetreiber Uniper, Deutschlands größten Importeur russischen Gases. Seine Papiere fielen infolge der von der Bundesregierung ausgerufenen Gas-Alarmstufe um 6,3 Prozent.

Doch nicht nur Energie ist knapp, sondern auch Lebensmittel. Die Debatte über das Thema Biosprit lässt die Anleger in diesen Zeiten nicht los: Die Papiere von Verbio erwischte es schwer mit einem Einbruch um fast 20 Prozent nach einem Medienbericht, wonach sich mehrere Länder innerhalb der G7-Gruppe dafür starkmachen, auf Vorschriften zur Verwendung vorübergehend zu verzichten.

US-Börsen etwas fester

Hin- und hergerissen zwischen Rezessionsangst und der Hoffnung auf eine "weiche Landung" der Wirtschaft scheuen Anleger vor Engagements an der Wall Street zurück. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 fielen am Donnerstag um jeweils ein knappes halbes Prozent auf 30.632 beziehungsweise 3754 Punkte. Der technologielastige Nasdaq hielt sich dagegen 0,3 Prozent im Plus bei 11.081 Punkten.

Der Markt sei dabei, die geplanten Zinserhöhungen zu verdauen und auszuloten, wann die Talsohle erreicht sei, sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. Der nachlassende Verkaufsdruck am Anleihemarkt besänftige die angespannten Nerven der Anleger etwas. Das wieder anziehende Interesse an US-Bonds drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 3,041 Prozent.

Zu den Gewinnern am US-Aktienmarkt zählte Rite Aid. Die Titel der Drogeriekette steuerten mit einem Plus von zeitweise fast 16 Prozent auf den größten Tagesgewinn des Jahres zu. Dank einer gestiegenen Nachfrage nach teureren Medikamenten peilt das Unternehmen einen überraschend hohen Gesamtjahresgewinn von 23,6 bis 24 Milliarden Dollar an.

Gefragt waren auch Waffenfirmen. Die Aktien der Hersteller Smith & Wesson und Sturm Ruger steigen an der Wall Street um bis zu acht Prozent. Der Munitionsanbieter Ammo und der Waffenhändler Vista legen 2,8 beziehungsweise 1,2 Prozent zu. Der Oberste Gerichtshof der USA brachte ein Gesetz des Bundesstaates New York zu Fall, dass das verdeckte Tragen von Schusswaffen in der Öffentlichkeit einschränkt.

Asien: China mit deutlichen Gewinnen

In der Region Asien/Pazifik haben die Börsen am Donnerstag uneinheitlich tendiert, wobei die Gewinner überwogen. Vergleichsweise deutlich ging es an den chinesischen Börsen nach oben. In Japan ging es für den Nikkei-Index  um 0,08 Prozent auf 26.171 Punkte nach oben.

Besser sah es an den chinesischen Börsen aus. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen des chinesischen Festlands zog um 1,37 Prozent auf 4329 Punkte an, der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong kletterte um 1,49 Prozent auf 21.320 Punkte. Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda führte dies auf die Hoffnung auf baldige Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft "und das Bekenntnis von Präsident Xi zu den Wachstumszielen für dieses Jahr" zurück.

Bitcoin pendelt um 20.000 US-Dollar-Marke

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin legt am Donnerstag zu. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Cyberdevise zuletzt etwas höher bei 20.658 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben erneut nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag erneut gefallen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  110,14 US-Dollar. Das waren 1,60 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,79 Dollar auf 104,40 Dollar. Die Preise rangieren in der Nähe ihrer tiefsten Stände seit gut einem Monat.

Belastet werden die Erdölpreise zunehmend durch die Furcht vor einer wirtschaftlichen Talfahrt. Die Preisabschläge am Ölmarkt finden jedoch auf hohem Niveau statt. Seit Jahresbeginn sind die Ölpreise um rund 40 Prozent gestiegen. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und scharfe Sanktionen vieler überwiegend westlicher Länder. Russland ist einer der größten Ölproduzenten der Welt.

Mit Nachrichtenagenturen