Börse Dax schließt nach Bundestagswahl fest

Die Freude der Investoren über den Ausgang der Bundestagswahl war nicht von langer Dauer. Der Dax schließt zwar im Plus, aber deutlich unter dem Tageshoch. Die Aktie von Vonovia legt trotz des Volksentscheides in Berlin zur Enteignung von Wohnkonzernen zu.
Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Der Dax kommt am späten Nachmittag wieder zurück

Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt am Main: Der Dax kommt am späten Nachmittag wieder zurück

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Nach der Bundestagswahl war am Montag bei Anlegern eine gewisse Erleichterung spürbar. Mit dem Wahlergebnis sei das größte Schreckgespenst der Investoren eines Linksrucks in Deutschland vertrieben worden, hieß es am Markt. Die erste große Freude mit einem Dax -Anstieg bis über 15.700 Punkte ließ allerdings nach. Aus dem Handel ging der Leitindex nur noch 0,27 Prozent höher bei 15.573 Zählern. Der MDax  der mittelgroßen Börsenwerte rutschte sogar noch hauchdünn ins Minus bei 35.274 Punkten. Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50 , verzeichnete zuletzt einen Aufschlag von 0,24 Prozent.

Dax

Die Börsianer schließen indes nicht aus, dass es bei der Regierungsbildung abermals zu einer wochenlangen Hängepartie kommt wie nach der Wahl 2017. Denn sowohl Olaf Scholz (SPD) als auch Armin Laschet (CDU) beanspruchen die Kanzlerschaft. Beide schielen auf ein Bündnis mit FDP und Grünen.

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Vonovia-Aktie trotzt Volksentscheid in Berlin im Plus

Das Ergebnis der Bundestagswahl hat die Anleger am Montag in Immobilienwerte wie Vonovia getrieben. Börsianern zufolge wurden die Investoren vor allem bei Wohnimmobilien-Aktien zum Zugreifen ermutigt, weil eine rot-rot-grüne Koalition auf Bundesebene vom Tisch ist. Aktien des Immobilienkonzerns gewannnen zeitweilig mehr als 4 Prozent und schlossen am Montag den Handel 1,78 Prozent fester. Im MDax legten LEG um 1,74 Prozent und Aroundtown um 1,55 Prozent zu.

Die Aktien von Vonovia reagierten damit nicht negativ darauf, dass bei einem Volksentscheid in Berlin für eine Enteignung von Wohnungsunternehmen gestimmt wurde. Stark davon betroffen wäre etwa das Übernahmeziel Deutsche Wohnen, hier blieben die Aktien allerdings von der geplanten Fusion gesteuert: Der Kurs trat nahe der Vonovia-Offerte von 53 Euro praktisch auf der Stelle. Bei der Übernahme wurden zuletzt Fortschritte vermeldet, mittlerweile hält Vonovia die Aktienmehrheit an dem Konkurrenten.

Auch wenn der Berliner Senat mit dem Volksentscheid aufgefordert wird, "alle Maßnahmen einzuleiten", die zur Überführung von Immobilien in Gemeineigentum erforderlich sind und dazu ein Gesetz zu erarbeiten. Rechtlich bindend ist das Votum für die Politik nicht. "Die Gefahr einer rot-rot-grünen Bundesregierung ist vorbei und somit rechnen nun viele Marktteilnehmer mit einem eher gemäßigten weiteren Vorgehen bei dem Thema hohe Mieten", sagte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect.

"Grüne" Unternehmen gefragt

Während die Ölpreisrallye aus Sorge vor einer Kraftstoffkrise am Montag weiter ging, lockte die Aussicht auf eine künftige Regierungsbeteiligung der Grünen die Anleger umgekehrt in die erneuerbaren Energien. Siemens Energy etwa legten als Dax-Spitzenreiter um 3,3 Prozent zu. Im SDax zogen Encavis mit 4,7 Prozent noch stärker an: Der Windkraft- und Solarparkbetreiber verkündete eine Übernahme von Windanlagen in Frankreich.

Zooplus steigt auf Rekordhoch

Ein neues Angebot im Bieterwettbewerb um Zooplus ließ die Aktien des Online-Tierbedarfshändlers um 4,3 Prozent steigen. Mit 470 Euro je Aktie überbietet der Finanzinvestor EQT nun die erst kürzlich angehobene Offerte des Konkurrenten Hellman & Friedman. Der Markt setzte aber auf noch etwas mehr, die Aktien schlossen bei 485,60 Euro.

Ölpreise auf Dreijahreshoch

Die Ölpreise haben am Montag ihren Aufwärtstrend der vergangenen Woche fortgesetzt. Während Nordseeöl der Sorte Brent auf einen dreijährigen Höchststand stieg, notierte US-Rohöl auf einem Zweimonatshoch. Gründe für die hohen Ölpreise sind sowohl eine starke Nachfrage als auch ein knappes Angebot.

Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 79,46 US-Dollar. Das waren 1,36 Dollar mehr als am Freitag. Zeitweise war der Brent-Preis bis auf 79,90 Dollar gestiegen, das war der höchste Stand seit Oktober 2018. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,33 Dollar auf 75,31 Dollar. Ein Fass WTI hatte zuvor bis zu 75,73 Dollar gekostet und damit so viel wie zuletzt im Juli.

Brent

Die Gründe für den Anstieg der Ölpreise sind seit Wochen dieselben: "Der Ölmarkt ist aufgrund einer anziehenden Nachfrage und eines eingeschränkten Angebots angespannt", schrieben die Rohstoffexperten der Commerzbank. Auf der Nachfrageseite sorgt die vielerorts solide Konjunkturerholung vom Corona-Einbruch für einen hohen Bedarf an Erdöl, Benzin und Diesel.

Auf der Angebotsseite herrscht dagegen Knappheit. Zuletzt ist es vor allem in den USA zu wetterbedingten Förderausfällen gekommen. Laut Commerzbank belaufen sich die Ausfälle im Golf von Mexiko auch Wochen nach dem schweren Hurrikan Ida auf 300 000 Barrel je Tag. Hinzu komme, dass der Ölverbund Opec+ seit Monaten weniger produziere als vereinbart. Eigentlich haben die Förderländer ihre offiziellen Förderquoten seit einigen Monaten schrittweise ausgeweitet

Bitcoin erholt sich wieder

Die Kryptowährung Bitcoin erholte sich wieder von ihrem Kursrutsch vom Freitag. Die größte und wichtigste Cyberdevise notierte zuletzt knapp 5 Prozent höher bei 43.326 US-Dollar.

Bitcoin

Mit Nachrichtenagenturen