Börse Dax steigt weiter trotz hoher Inflation

Der Dax halbierte seinen Mittagsgewinn nach den neuen Inflationsdaten. Im Fokus stehen die Aktien von Siemens. Die Wall Street bleibt wegen eines Feiertags geschlossen.
Händlerin in Frankfurt: Der Dax, so scheint es, kann sich nachhaltig von der 14.000-Punkte-Marke absetzen

Händlerin in Frankfurt: Der Dax, so scheint es, kann sich nachhaltig von der 14.000-Punkte-Marke absetzen

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Trotz erneut hoher Inflationsdaten aus Deutschland herrschte am Montag am deutschen Aktienmarkt weiter Aufbruchstimmung. Hoffnungsvollere Nachrichten aus China wurden als Treiber dafür angesehen, dass der Dax  erstmals seit mehr als einem Monat wieder über 14.500 Punkten stand – und dies am Ende deutlich. Mit einem Anstieg um 0,79 Prozent auf 14.576 Punkte verbuchte er den vierten Gewinntag in Folge. Der MDax  stieg noch deutlicher um 1,47 Prozent auf 30.188 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  legte um rund 0,6 Prozent zu.

Im Mai zog die Inflation in Deutschland auf bereits rekordverdächtigem Niveau weiter an: Die Verbraucherpreise lagen um 7,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit blieb die Inflation in Deutschland im dritten Monat in Folge über der Marke von sieben Prozent. Experten hatten im Durchschnitt mit 7,6 Prozent gerechnet.

"Für Verbraucher ist kurzfristig keine Entspannung in Sicht. Die Auswirkungen des Ukrainekriegs auf die Energiepreise und die Lieferengpässe durch Chinas Lockdown-Maßnahmen werden auch in den Folgemonaten das Preisklima belasten", konstatierte Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hinke der Entwicklung seit Monaten meilenweit hinterher. "Die Beendigung der Anleihekäufe und die voraussichtlich erste Zinssteigerung im Juli sind überfällig", forderte Heise.

Dax

Schwindende Zinsängste in den USA hatten zuletzt an den Börsen wieder mehr Zuversicht einkehren lassen. Hoffnungsvolle Nachrichten kamen auch aus China: In Shanghai sollen von diesem Mittwoch an die Lockdown-Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie größtenteils wegfallen und könnten damit die globalen Lieferkettenprobleme lindern. Dies nährte Hoffnungen, dass somit auch die Weltwirtschaft wieder an Fahrt gewinnen dürfte. "Zwar ist die Wall Street aufgrund eines Feiertages in den USA heute geschlossen, das aber scheint die Käufer an diesem Morgen in Frankfurt nicht daran zu hindern, weiter in den Aktienmarkt einzusteigen und auf eine längere Erholung zu setzen", sagte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Auch an der Wall Street überwog zuzletzt der Optimismus. Alle drei großen Indizes hatten am Freitag die lange Serie von Verlust-Wochen beendet: Der Dow Jones gewann 1,7 Prozent auf 33.212 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte 3,3 Prozent auf 12.131 Punkte vor und der breit gefasste S&P 500 legte 2,5 Prozent auf 4158 Punkte zu. Am Montag findet in den USA wegen des Feiertags Memorial Day kein Handel statt. Impulse von der Wall Street für den deutschen Handel fehlen also.

Die Experten der Credit Suisse sehen den Optimismus der Anleger durch jüngste Unternehmensergebnisse und US-Wirtschaftsdaten gestärkt. Sie sprachen von einer "Erleichterungsrally", die vor allem die Technologiewerte an der Nasdaq zuletzt wieder deutlich von ihrem Tiefststand seit November 2020 aus nach oben getrieben hatte.

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Siemens in der Dax-Spitze

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Siemens mit einem Anstieg von 2,2 Prozent im Anlegerfokus. Der Industriekonzern erhielt nach eigenen Angaben den größten Auftrag der 175-jährigen Firmengeschichte. Zusammen mit zwei Partnern habe in Ägypten einen Vertrag über den Bau eines 2000 Kilometer langen Hochgeschwindigkeits-Zugnetzes unterzeichnet. Demnach entfällt allein auf Siemens ein Auftragswert von 8,1 Milliarden Euro.

Die Papiere der Shop Apotheke bauten ihre jüngste Erholung aus und stiegen um 3,9 Prozent. Sie erreichten einen weiteren Höchststand seit Mitte Februar. Die Online-Apotheke steht vor allem mit der bevorstehenden bundesweiten Einführung des E-Rezepts im Fokus, die sich immer wieder verzögert hat.

Die Aktien der Deutschen Börse rutschten als Dax-Schlusslicht um 3,2 Prozent ab. Mitte der Vorwoche hatten sie sich am kurzfristigen Abwärtstrend seit dem April-Hoch festgelaufen und vor fünf Wochen fast wieder ihr Rekordhoch vom Juli 2020 bei rund 170 Euro erreicht. In einer aktuellen Auswertung der Handelsumsätze an den Börsen attestierte Jefferies-Experte Martin Price dem Börsenbetreiber sinkende Volumina im zweiten Quartal.

Bitcoin deutlich über 30.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 30.630 US-Dollar und damit mehr als 1000 Dollar höher als noch am Freitagabend. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Brent-Ölpreis bei 120 Dollar

Die Ölpreise sind mit Gewinnen in die Woche gestartet. Am Montagmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  in der Spitze 120,50 Dollar je Fass und damit rund 1 Prozent mehr als noch am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 84 Cent auf 115,90 Dollar. Beide Sorten notieren auf dem Niveau von Anfang März.

Auftrieb erhielten die Preise unter anderem durch Nachrichten aus China, die auf eine steigende Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft hindeuteten. So wurde in der Wirtschaftsmetropole Shanghai allen Betrieben erlaubt, die Produktion ab Juni wieder aufzunehmen. Zudem hieß es von offizieller Seite, dass der Ausbruch des Coronavirus in Peking unter Kontrolle sei.

Darüber hinaus hat die EU-Kommission im Streit über die Pläne für ein europäisches Öl-Embargo gegen Russland einen Kompromissvorschlag präsentiert. Der Entwurf sieht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vor, zunächst nur die Einfuhr von per Schiff transportiertem Öl auslaufen zu lassen. Über die Druschba-Pipeline transportiertes Öl würde bis auf Weiteres ausgenommen werden. Sollte der Kompromissvorschlag angenommen werden, dürfte sich das Angebot an Rohöl auf dem Weltmarkt erst einmal verknappen. Auch diese Aussicht stützt die Preise.

Mit Nachrichtenagenturen
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