Börse Neue Sanktionen belasten Dax und Dow

Nachdem die EU eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland angekündigt hat, ziehen sich die Anleger vom Dax und Dow zurück. Der Bitcoin bleibt bei über 46.000.
Deutsche Aktienmarkt: Dax gibt nach

Deutsche Aktienmarkt: Dax gibt nach

Foto: Arne Dedert / dpa

Die EU-Kommission hat eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland angekündigt. Nun schrecken Anleger in Europa zurück. Der Dax  gab am Dienstag 0,9 Prozent auf 14.386 Punkte nach, der MDax 0,15 Prozent auf 31.497 Punkte und der EuroStoxx 50  verlor 1,2 Prozent auf 3904 Zähler.

Die EU-Kommission schlägt neue Sanktionen vor, zu denen auch ein Kohle-Importembargo zählen soll. Auch die USA wollen den Druck erhöhen und haben die russische Regierung daran gehindert, fällige Zinszahlungen von mehr als 600 Millionen US-Dollar auf Fremdwährungsanleihen aus den bei US-Banken gehaltenen Reserven auszuzahlen.

Dax

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"Russland muss sich entscheiden, ob es die verbleibenden wertvollen Dollarreserven aufbraucht oder neue Einnahmen erzielt, oder ob es in Verzug gerät", sagte ein Sprecher des US-Finanzministeriums. Wird den Verpflichtungen nicht nachgekommen, droht Russland der erste Zahlungsausfall seit der Russischen Revolution 1917, als die Bolschewiken Schulden aus der Zarenzeit nicht anerkannten.

Die Tötung Hunderter Zivilisten in der ukrainischen Ortschaft Butscha und der anhaltende Krieg hatte international den Ruf nach schärferen Sanktionen verstärkt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen unterstützt die Bundesregierung dabei den Vorschlag der EU-Kommission, dass es auch ein schrittweises Kohleembargo gegen Russland geben soll. Die EU-Kommission plädiert nach Reuters-Informationen dafür, die Einfuhr von Kohle, Holz, Zement, Gummi, Chemikalien und Luxuslebensmitteln wie Kaviar und Spirituosen wie Wodka zu verbieten. Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg betonte aber, dass ein Importstopp für russisches Gas nicht zur Debatte stehe.

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Bayer und Deutsche Börse beste Dax-Werte seit Jahresbeginn

Papiere der Deutschen Börse sind am Dienstag mit 166,55 Euro auf das höchste Niveau seit dem Rekord im Juli 2020 geklettert. Damals hatten die Aktien der Frankfurter gut 170 Euro gekostet. Analyst Johannes Thormann von HSBC stockte in einem Ausblick auf den Quartalsbericht Ende April sein Kursziel auf 194 Euro auf."Ein weiteres Rekordquartal ist wahrscheinlich", erwartet der Experte. Er hob seine Schätzungen bis 2024 an. Auch andere Experten trauen den Aktien deutlich mehr als die Rückkehr an das Rekordhoch zu. Im laufenden Jahr sind die Papiere mit 13 Prozent Plus zweitbester Dax -Wert hinter Bayer. Die Aktie von Bayer, die in den Jahren 2020 und 2021 in Folge des Monsanto-Debakels abgestürzt war, hat einen Erholungsversuch gestartet und ist seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent gestiegen.

MDax: Autovermieter Sixt mit Kurssprung

Bei den Einzelwerten schob sich Sixt mit einem Kursplus von bis zu 6,4 Prozent an die Spitze im MDax. Europas größter Autovermieter hat zu Jahresbeginn wieder schwarze Zahlen geschrieben und hält an seiner Jahresprognose fest. Ein Händler bescheinigte dem Konzern einen "starken Start" ins Jahr.

Bei Kion-Aktionären dagegen kam die Rücknahme der Jahresprognose nicht gut an. Die Aktie des Herstellers von Gabelstaplern gab mehr als zwei Prozent nach.

Neues Angebot für Aareal Bank

Im SDax steht die Aareal Bank im Fokus, die vorbörslich zulegten. Die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge sind nach dem erst vor Kurzem gescheiterten Übernahmeversuch weiter an dem Gewerbeimmobilienfinanzierer interessiert. Damit wurde ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Vortag bestätigt. Es wird ein neues Gebot zu einem Preis von 33 Euro je Aktie in Betracht gezogen, in dem die in Aussicht gestellte Dividende von 1,60 Euro je Aktie enthalten ist.

Wall Street eröffnet uneinheitlich

Furcht vor neuen Sanktionen im Ukraine-Krieg hat die Wall Street am Dienstag uneinheitlich öffnen lassen. Wie zuvor in Europa sorgte für Aufsehen, dass die EU-Kommission unter anderem Importverbote für Kohle, Holz, Zement, Gummi und Chemikalien sowie auch Kaviar und Wodka mit einem Wert von bis zu neun Milliarden Euro pro Jahr vorschlagen will. Zudem verschärften die USA ihre Maßnahmen: Das US-Finanzministerium hinderte Russland daran, fällige Zahlungen von mehr als 600 Millionen Dollar an ihre Gläubiger aus den bei US-Banken gehaltenen Devisenreserven zu leisten.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete 0,3 Prozent im Plus mit 35.016 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor dagegen etwa 0,1 Prozent auf 4576 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 0,4 Prozent auf 14.474 Punkte.

Wie am Vortag stand Twitter im Fokus der Anleger: Tesla-Chef Elon Musk soll in den Aufsichtsrat des Kurznachrichtendienstes einziehen. Am Montag war bekannt geworden, dass Musk einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter hält und damit größter Einzelaktionär ist. Die Twitter-Aktie zog am Dienstag im frühen Verlauf um 6,5 Prozent an, nachdem sie am Vortag bereits 27 Prozent zugelegt hatte. Twitter-Gründer Jack Dorsey lobte Musk in einem Tweet: "Er ist ein leidenschaftlicher Anhänger und intensiver Kritiker unseres Dienstes, was genau das ist, was wir bei Twitter und im Verwaltungsrat benötigen, um langfristig stärker zu werden."

Nasdaq

Nasdaq

Für kräftigen Rückenwind sorgte Tesla-Chef Elon Musk bei Twitter mit der Mitteilung, er sei Großaktionär bei dem Kurznachrichtendienst geworden. Twitter-Aktien schossen um mehr als 27 Prozent nach oben. Im Sog legten auch die Papiere von Snapchat-Eigner Snap sowie von Facebook-Mutterkonzern Meta bis zu 5,2 Prozent zu.

Die Marktexperten der Credit Suisse erklären die neue Tech-Stärke vor allem mit den inzwischen recht geringen Positionen der Anleger, die nun wieder aufgestockt würden. Mit Blick auf die inverse US-Zinskurve - Renditen kurz laufender US-Staatsanleihen liegen teilweise über den Renditen länger laufender Papiere - beruhigen sie. Eine inverse Zinskurve gilt an den Finanzmärkten als Rezessionsindikator.

Bitcoin weiterhin über 46.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 46.060 US-Dollar. Im November 2021 hatte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar erreicht und war bis Ende Januar dann auf 35.000 US-Dollar abgestürzt. Seitdem hat sich die Cyberwährung wieder deutlich erholt. Sie spielt auch als Fluchtwährung für russische Oligarchen eine Rolle.

Bitcoin

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Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise haben am Dienstagmorgen ihre Aufschläge vom Wochenstart ausgebaut.

Die erwarteten Auswirkungen neuer Sanktionen trieben den Ölpreis erneut an. Rohöl der Sorte Brent  aus der Nordsee verteuerte sich um mehr als zwei Prozent auf bis zu 109,90 Dollar pro Barrel. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,18 Dollar auf 104,46 Dollar.

Brent

Brent

"Insbesondere die Frage, ob sich die EU-Staaten doch noch zu einem Energie-Embargo, welches wohl die weitreichendsten konjunkturellen Folgen haben dürfte, durchringen können, steht noch im Raum", sagte You-Na Park-Heger, Analystin bei der Commerzbank.

Die Börse zeige sich noch erstaunlich robust gegen den hohen Ölpreis, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "Am Aktienmarkt dominiert weiterhin die Hoffnung auf ein schnelles Ende des militärischen Konfliktes und eine schnelle Entspannung an den Rohstoffmärkten."

Russland und die Ukraine haben einem russischen Medienbericht zufolge ihre Verhandlungen fortgesetzt. Es würden intensive Gespräche per Videoschalte geführt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das russische Außenministerium. Auch nach den schockierenden Bildern aus Butscha seien Verhandlungen mit Russland die einzige Option, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im staatlichen Fernsehen. Bilder von einem Massengrab in Butscha hatten international einen Aufschrei ausgelöst sowie die Zusage weiterer Sanktionen gegen Russland. Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe zu Kriegsverbrechen zurück und spricht von einer Inszenierung.

Mit Nachrichtenagenturen