Börse Dax erholt sich wieder

Ukraine-Krieg, Konjunktureinbruch in China und Spekulationen auf raschere Zinserhöhungen in den USA setzten den Dax und Dow am Dienstag zunächst unter Druck. Gegen Abend konnten sich die Börsen aber weitgehend wieder erholen.
Händlerin an der Deutschen Börse: Anleger halten sich nach dem langen Osterwochenende zurück

Händlerin an der Deutschen Börse: Anleger halten sich nach dem langen Osterwochenende zurück

Foto: Boris Roessler / dpa

Trotz guter Nachrichten für die Automobil-Branche geht es für den deutschen Aktienmarkt am Dienstag weiter abwärts. Der Dax  schloss leicht im Minus bei 0,1Prozent und 14.153 Punkte. Der MDax  lag 0,2 Prozent im Plus bei 30.724 Zähler ein, während der Eurozonen-Index EuroStoxx 50  bei 3.832 Punkten 0,4 Prozent verlor.

Dax

Experten verwiesen als Belastung auf eine Reihe anhaltender Unsicherheitsfaktoren, darunter vor allem der Krieg in der Ukraine. "Entspannungssignale im Ukraine-Konflikt lassen weiter auf sich warten und mit den neuen russischen Vorstößen in der Ostukraine ist wohl kaum mit einer erhöhten Risikobereitschaft zu rechnen", kommentierten die Experten der Helaba.

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Aber auch Lockdowns in China mit ihren Folgen für die Wirtschaft und die geldpolitischen Perspektiven hinterlassen ihre Spuren wegen einer möglicherweise bremsenden konjunkturellen Wirkung. Dazu passten Aussagen des Präsidenten der US-Notenbank von St. Louis, James Bullard, der eine mögliche Anhebung des US-Leitzinses um gleich 0,75 Prozentpunkte ins Spiel brachte. Vor diesem Hintergrund werden die Blicke nun kritisch auf die Berichtssaison gerichtet, die in den kommenden Tagen in den USA auf Touren kommt.

VW gefragt, Biontech mit Kursrutsch

Mit Kursgewinnen von 2,3 Prozent grüßten Volkswagen und der Zulieferer Continental von der Dax-Spitze. Am langen Osterwochenende war bekannt geworden, dass die VW-Werke im chinesischen Changchun nach einem Monat Stillstand ihre Produktion schrittweise wieder aufnehmen. Auch BMW und Mercedes-Benz gehörten zu den Gewinnern. Unter den Nutznießern waren auch Aktien des Autozulieferers Rheinmetall. Am Nachmittag waren sie mit einem Plus von 2,3 Prozent bester Wert im MDax und damit auf einem Rekordstand.

Kräftige Verluste mussten einstige Corona-Profiteure hinnehmen. Titel des Laborausrüsters Sartorius sowie der Merck KGaA waren im Dax mit einem Abschlag von über 3 Prozent Schlusslichter. Die Anteile des Corona-Impfstoff-Pioniers Biontech sackten im Tradegate-Handel um 9 Prozent. Delivery Hero notierten 2,9 Prozent schwächer und weiteten damit die Verluste der Vorwoche aus. Hellofresh standen mit einem Minus von 1,4 Prozent etwas besser da.

US-Anleger halten sich zurück

Nach einem durchwachsenen Wochenauftakt starten die US-Aktienmärkte am Dienstag mit knappen Verlusten in den Handel. Die anhaltenden Ängste der Anleger vor einer raschen Straffung der heimischen Geldpolitik erweisen sich einmal mehr als Bremsklotz. Der Dow Jones Industrial taxierte zuletzt 1,2 Prozent im Plus auf 34.808 Punkte und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 1,9 Prozent im Plus bei 13.581 Zählern erwartet.

Die jüngsten Unternehmensaussagen stießen am Markt auf ein negatives Echo. Die Aktien von Johnson & Johnson büßten angesichts gesenkter Unternehmensziele vorbörslich knapp ein halbes Prozent ein. Der Pharma- und Konsumgüterkonzern blickt nach dem ersten Quartal etwas verhaltener als bisher auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung im laufenden Jahr. Angesichts des weltweiten Angebotsüberhangs und der unsicheren Nachfrage setzte der Konzern zudem die Umsatzprognose für den Covid-19-Impfstoff aus.

Bei Travelers mussten die Anteilseigner einen Kursrückgang von über drei Prozent auf 179,41 US-Dollar verkraften. Der US-Schadenversicherer startete zwar dank geringer Katastrophenschäden mit einem Gewinnsprung ins Jahr und will die Dividende anheben. Allerdings hat die Aktie bereits einen guten Lauf hinter sich – vor gut einer Woche hatte sie ihr noch junges Rekordhoch von 187,98 Dollar nur knapp verfehlt.

Auch bei Lockheed Martin nahmen die Anleger nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Wochen offenbar Gewinne mit, wie das Minus von fast zwei Prozent auf 458,70 Dollar zeigte. Der rückläufige Quartalsgewinn verfehlte ebenso wie der Umsatz die Analystenerwartungen. Zudem hielt das Unternehmen trotz des Ukrainekriegs an seinen Jahreszielen fest. Seit dem Ausbruch des Ukrainekriegs vor rund sieben Wochen hat die Aktie deutlich zugelegt.

Bei Twitter fiel das Kursminus zuletzt mit rund ein Prozent moderater aus. Am Montag hatten die Aktien des Kurznachrichtendienstes noch siebeneinhalb Prozent gewonnen, nachdem das Management Gegenmaßnahmen für den von Tesla -Chef Elon Musk angekündigten Übernahmeversuch ergriffen hatte. Dass der US-Finanzinvestor Apollo einem Bericht der "Wall Street Journal" zufolge möglicherweise bei einer Übernahme mitmischen will und erwägt, Musk oder einen anderen Bieter bei einer Kaufofferte mit Kapital oder Krediten zu unterstützen, gab der Aktie keine neuen Impulse. Die Apollo-Titel gewannen derweil 1,3 Prozent.

Nasdaq

Die Aktien der Bank of America legten um 3,4 Prozent zu. Das Finanzunternehmen hatte im ersten Quartal zwar weniger verdient. Analysten hatten im Vorfeld aber mit schlechteren Zahlen gerechnet. Die Bank of America ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Vermögensverwaltung, Firmenkundengeschäft, Investmentbanking und Handel mit einer breiten Palette von Anlageklassen und betreut Unternehmen, Regierungen, Institutionen und Privatpersonen in aller Welt.

Twitter-Aktien gewannen nach einer Schwächephase zu Handelsstart am Ende 7,5 Prozent. Das Management der Internet-Kommunikationsplattform hatte am Freitag Gegenmaßnahmen für den von Tesla-Chef Elon Musk angekündigten Übernahmeversuch ergriffen.

Gemischte Vorgaben aus Asien

Gemischt ausgefallene chinesische Konjunkturdaten setzen den Aktienmärkten in Asien zu. Die Börse Shanghai büßte am Dienstag 0,6 Prozent auf 3177 Punkte ein. Der Hongkonger Leitindex rutschte um 2,5 Prozent ab. Der japanische Nikkei-Index  hielt sich dagegen dank Kursgewinnen der Chipwerte 0,7 Prozent im Plus bei 26.985 Zählern.

In China wuchs die Wirtschaft zwar im ersten Quartal überraschend stark. Allerdings fiel wegen der jüngsten Corona-Welle und des Ukraine-Kriegs der Einzelhandelsumsatz im März mit 3,5 Prozent doppelt so stark wie erwartet, während die Arbeitslosigkeit mit 5,8 Prozent so hoch ausfiel wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. "Wir erwarten weitere Konjunkturhilfen, vor allem in Form verstärkter Infrastruktur-Investitionen", sagte Wang Tao, Chef-Volkswirt für China bei der Bank UBS. Änderungen in der Pandemie-Politik oder Wachstumsprogramme um jeden Preis seien allerdings nicht in Sicht.

Bitcoin pendelt um 41.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin pendelt weiter um die Marke von 41.000 US-Dollar. Am langen Osterwochenende rutschte die Cyberdevise wieder unter diese Marke, zuletzt notierte der Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  aber wieder stärker bei 41.700 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise etwas schwächer

Die Ölpreise haben am Dienstag nach den jüngsten Gewinnen etwas nachgegeben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  107,37 US-Dollar. Das waren 10 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel auf 102,50 US-Dollar.

Brent

Am Ölmarkt sorgen sich die Anleger weiter um die Nachfrage aus dem wichtigen Verbrauchsland China. Zudem blicken die Anleger nach Libyen. Angesichts von Demonstrationen gegen den Premierminister musste das Sharara-Ölfeld jüngst geschlossen werden. Es wird befürchtet, dass die Ölproduktion des Landes noch weiter sinkt.

Mit Nachrichtenagenturen