Börse Dax schließt im Plus

Der Dax schließt nach starken Schwankungen im Plus. Die Nervosität unter den Anlegern bleibt jedoch hoch.
Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Der Dax legt eine starke Börsenwoche hin

Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Der Dax legt eine starke Börsenwoche hin

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Die neue Woche wird dem deutschen Aktienmarkt wohl vorerst wieder Verluste einbrocken. Der Dax könnte seiner raschen und starken Erholung inmitten des unverändert wütenden Kriegs in der Ukraine Tribut zollen, wobei vor allem die Nachwehen des großen Verfallstags an den Terminmärkten spürbar werden dürften.

Am Freitag schloss der Dax nach einem überwiegend schwächeren Verlauf leicht im Plus auf Tageshoch. Damit ging der deutsche Leitindex mit einem kleinen Gewinn von 0,17 Prozent auf 14.413 Punkte aus dem Tag. Der MDax der mittelgroßen Börsenunternehmen stieg um 0,42 Prozent auf 31.606 Punkte. Europaweit wurden ebenfalls moderate Gewinne verbucht.

Konjunkturseitig stehen in der kommenden Woche sowohl in den USA als auch hierzulande nur wenige wichtige Daten auf der Agenda. Zudem neigt sich die Berichtssaison in Europa dem Ende entgegen. Aufmerksamkeit sollten jedoch die neu gemischten Indizes auf sich ziehen, allen voran der deutsche Leitindex, der mit zwei Neuzugängen aufwartet.

Die laufenden Verhandlungen, aber auch die Folgen des Krieges für die Wirtschaft, bleiben im Fokus der Anleger. Obwohl dreieinhalb Wochen nach der russischen Invasion ein Waffenstillstand noch immer nicht greifbar ist, verlief nach der vorangegangenen, schwankungsreichen Börsenwoche auch die letzte Woche stark für den Dax. Noch am ersten Montag im März war das Börsenbarometer wegen des Ukraine-Kriegs auf 12.438 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit November 2020 abgesackt. Nun pendelt es bereits wieder im Bereich von 14.400 Punkten, auch wenn die Nervosität unter den Anlegern unverändert hoch ist.

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US-Börse steigt auf Wochensicht um mehr als 4 Prozent

Zum Ende einer starken Woche haben die US-Aktienmärkte am Freitag erst einmal eine klare Richtung vermissen lassen. Zuletzt verlor der Leitindex Dow Jones Industrial 0,21 Prozent auf 34.408,70 Punkte. Auf Wochensicht steuert er aber auf ein Plus von fast viereinhalb Prozent zu, nachdem er von Dienstag bis Donnerstag die stärkste Dreitagesrally seit dem Jahr 2020 hingelegt hat. Der marktbreite S&P 500 stieg am Freitag um 0,25 Prozent auf 4422 Punkte, während es für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 um 1,04 Prozent auf 14.265 Zähler nach oben ging. Derweil bremsten Hinweise auf künftig noch stärker steigende US-Zinsen und fehlende Verhandlungsfortschritte zwischen Russland und der Ukraine die Kaufbereitschaft der Anleger.

Ranghohe Vertreter der US-Notenbank Fed haben sich zum Wochenausklang für eine rasche Straffung der amerikanischen Geldpolitik ausgesprochen. Der Präsident der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, will den US-Leitzins in diesem Jahr auf mehr als drei Prozent anheben. Fed-Direktor Christopher Waller mag nicht ganz so weit gehen. Er schlug allerdings vor, zumindest über stärkere Zinsanhebungen nachzudenken.

Zuletzt sprachen US-Präsident Joe Biden und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping über das Thema Ukraine. China ist der wichtigste Verbündete Russlands, lässt aber bei dem Angriff auf die Ukraine eine gewisse Distanz erkennen. Bereits am Donnerstag hatte Washington China erneut davor gewarnt, Russland im Krieg gegen die Ukraine mit militärischer Ausrüstung zu unterstützen. In einem solchen Fall würden die USA nicht zögern, China "Kosten" aufzubürden, sagte US-Außenminister Antony Blinken in Anspielung auf mögliche Sanktionen.

Zudem laufen zum Großen Verfallstag an diesem Freitag an vielen Börsen Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien aus, in den USA in der letzten Handelsstunde. Dabei versuchen größere Marktakteure die Kurse vor dem Verfallstermin oft noch in die von ihnen gewünschte Richtung zu beeinflussen. Dies führt öfter zu größeren Kursschwankungen.

Nasdaq

Vonovia setzt Kurserholung ein Ende

Derweil setzte sich der Zahlenreigen der Unternehmen am deutschen Aktienmarkt auch vor dem Wochenende fort: Ein als solide eingestufter Bericht reichte im Dax dem Immobilienkonzern Vonovia jedoch nicht für eine Fortsetzung der jüngsten Kurserholung, Gewinnmitnahmen setzten dem mit minus zweieinhalb Prozent ein Ende.

Vantage Towers schossen an der MDax-Spitze auf einen Rekord und standen zuletzt noch mit mehr als neun Prozent im Plus. Hier sorgte ein Medienbericht über ein angebliches Interesse von Investoren an einem Milliardeninvestment bei der ehemaligen Funkturm-Sparte von Vodafone für Rückenwind. Gleich mehrere positive Analystenkommentare gaben der Rekordrally von Rheinmetall weiteren Schub, die Papiere des Rüstungskonzerns verteuerten sich um mehr als vier Prozent.

In den hinteren Börsenreihen gesellten sich im SDax die Cewe-Aktien mit fast sechs Prozent Minus zu den größten Verlierern. Ein wegen unterschiedlicher Auffassungen nicht über das Jahresende hinaus verlängerter Vertrag von Vorstandschef Christian Friege sorgte die Anleger. Der Manager sei federführend für den Erfolg des Fotodienstleisters in den vergangenen Jahren gewesen, merkte ein Händler an. Auf dem letzten Index-Platz zollten Anteile des Leasingspezialisten Grenke mit fast sieben Prozent Minus ihrem starken Lauf tags zuvor Tribut.

Der Euro rutschte deutlich ab und kostete am Nachmittag 1,1018 US-Dollar. Am Morgen war die Gemeinschaftswährung noch über 1,11 Dollar gehandelt worden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1051 Dollar festgesetzt.

Asiens Börsen kaum verändert

Die asiatischen Börsen haben am Freitag nach mehrtägigen kräftigen Kursgewinnen eine Verschnaufpause eingelegt, nachdem die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine ins Stocken geraten sind. "Es ist sehr schwierig, das Vertrauen zu gewinnen, dass man in der Lage sein wird, Rohstoffe zuverlässig aus Russland oder der Ukraine zu beziehen", sagte Tobin Gorey, ein Rohstoffstratege bei der Commonwealth Bank of Australia in Sydney. Man werde sich anderweitig umsehen müssen und das verteuere die Preise, so Gorey.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,2 Prozent höher bei 26.703 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,2 Prozent und lag bei 1902 Punkten. Die Börse in Shanghai lag unverändert. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,6 Prozent.

Bitcoin über 40.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin hält auch am Freitag die Marke von 40.000 US-Dollar. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Kryptowährung zuletzt bei 41.285 US-Dollar. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben Cyberdevisen wieder zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt.

Bitcoin

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise sind am Freitag nur im frühen Handel gestiegen. Bis zum Mittag haben die Notierungen ihre Gewinne wieder abgegeben und drehten leicht in die Verlustzone. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 106,06 US-Dollar. Das waren 58 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 32 Cent auf 102,66 Dollar. Am Morgen hatten die Ölpreise noch jeweils rund drei Dollar zugelegt.

Brent

Am Ölmarkt gehen die starken Preisschwankungen der vergangenen Handelstage weiter. Am Vortag waren die Erdölpreise noch stark gestiegen. Hauptgrund war Ernüchterung über die Lage im Ukraine-Krieg. Nachdem einige Tage Hoffnung auf eine Annäherung der Kriegsparteien geherrscht hatte, äußerte sich zuletzt vor allem Russland eher negativ. Aus dem Kreml hieß es, Berichte über deutliche Verhandlungsfortschritte seien nicht zutreffend. Die Gespräche mit der Ukraine werden aber fortgesetzt.

Jüngste Nachrichten aus Russland und der Ukraine hinsichtlich der Friedensverhandlungen hätten bei weitem nicht mehr so optimistisch geklungen wie zuvor, sagte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Dies habe den Markt zu einer Neubewertung der Lage veranlasst.

Mit Nachrichtenagenturen