Börse Dax startet schwach in den Mai

Der Dax fällt unter die Marke von 14.000 Punkten. Zahlreiche Aktien, darunter Mercedes und BASF, werden ex Dividende gehandelt. Die Aktie der Adler-Group bricht zweistellig ein. Der Dow startet mit einem Kursrutsch.
Erstmal abwärts: Zum Wochenstart ziehen sich Dax-Anleger zurück

Erstmal abwärts: Zum Wochenstart ziehen sich Dax-Anleger zurück

Foto: Boris Roessler / dpa

Der Dax ist am Montag mit Verlusten in den unter Börsianern als schwierig geltenden Monat Mai gestartet. Nach einer recht stabilen letzten Aprilwoche sank der deutsche Leitindex um 1,13 Prozent auf 13.939 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte gab um 1,90 Prozent auf 29 521 Zähler nach. Europaweit sah es ähnlich aus. Allerdings fehlten Impulse aus Großbritannien, da dort feiertagsbedingt nicht gehandelt wurde.

Laut Marktanalyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets fehlen weiterhin die Gründe für Investoren, ihre Engagements in Aktien auszuweiten. Die Sorgen um das chinesische Wachstum insbesondere angesichts der Null-Toleranz-Politik Pekings gegenüber Covid-19, der Krieg in der Ukraine und die restriktive Haltung der US-Notenbank forderten Tribut. "Sollte dann die Fed zur Überraschung vieler zumindest verbal wieder das Tempo aus ihrer geplanten Zinswende nehmen, könnten die Aktienmärkte eventuell zu einer nachhaltigeren Erholung ansetzen", sagte er.

Dax

Dax

In der Vorwoche hatte sich der Dax zeitweise bereits 13.500 Punkten genähert, bevor ihm eine merkliche Erholung gelang. Dennoch blieb für den April ein Verlust von gut zwei Prozent. "Im Moment wird jede Erholungsbewegung durch Verkäufe abgewürgt, noch bevor sie richtig begonnen hat", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Da ist es sicherlich nicht hilfreich, dass jetzt ausgerechnet der Mai beginnt, dem ein besonders schlechter Ruf vorauseilt."

US-Börse in der Verlustzone

Nach dem deutlichen Kursrutsch vor dem Wochenende ist am Montag an den US-Börsen vorerst keine Erholung abzusehen. Zeitweise sah es nach einer positiven Eröffnung aus, doch wenige Stunden vor dem Auftakt drehten die Indikationen wieder in die Verlustzone. Die Grundstimmung der Anleger sei weiter von Vorsicht geprägt, bevor am Mittwoch der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed auf der Agenda steht.

Während der Broker IG den Dow Jones Industrial eine Stunde vor Börsenstart mit 32.962 Punkten fast auf Freitagsniveau taxierte, verlor der technologielastige Nasdaq 100-Index 0,43 Prozent auf 12.799 Punkte. Der Dow, der am Freitag um 2,8 Prozent gefallen war, bewegt sich derzeit auf einem Tief seit Mitte März. Der Nasdaq-Index war am Freitag sogar um 4,5 Prozent auf sein niedrigstes Niveau seit mehr als einem Jahr abgesackt wegen enttäuschender Quartalsberichte von Amazon und Apple.

Wenn die Fed am Mittwoch ihre geldpolitischen Beschlüsse bekannt geben wird, gehen Anleger derzeit von einer Erhöhung des Leitzinses um 50 Basispunkte aus. "Doch darüber hinaus warten die Investoren auf neue Erkenntnisse über die zusätzlich anstehenden Schritte zur Bekämpfung der Inflation", blicken die Metzler-Experten über die konkreten Beschlüsse hinaus.

Konjunkturell bleiben die Corona-Lockdowns in China und der anhaltende Ukraine-Krieg international bedeutende Sorgenpunkte für die Anleger. Auch deshalb dürften frische Konjunkturdaten aus den USA besonders kritisch beäugt werden. Nach dem Börsenstart wird dort der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe veröffentlicht, ein vielbeachteter Frühindikator. Ergänzend dürften auch Zahlen zu den Bauinvestitionen im Blick stehen.

Kurseinbruch bei Amazon und Apple

Die Aktien der beiden Tech-Giganten Amazon und Apple kommen vorbörslich nicht zu Ruhe. Vor allem die Amazon-Titel knüpften mit einem Abschlag von 1,7 Prozent an ihren Kurseinbruch um 14 Prozent vom Freitag an. Bei Apple belief sich das vorbörsliche Minus nach dem Freitagsverlust von 3,7 Prozent auf 0,8 Prozent. Bei dem iPhone-Hersteller wurde bekannt, dass die EU-Kommission ihm im Umgang mit der Bezahllösung Apple Pay einen Verstoß gegen Wettbewerbsvorschriften vorwirft.

Unter den Dow-Werten zählte Chevron vorbörslich mit 0,9 Prozent zu den Verlierern, während die Titel des Wettbewerbers ExxonMobil 1,3 Prozent einbüßten. Die Bewegungen wurden einmal mehr im Zusammenhang mit dem Ölpreis gesehen, der am Montag anfängliche Verluste deutlich ausweitete. Innerhalb der EU gibt es nach Darstellung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck noch keine Einigung über ein Embargo gegen russisches Öl.

Ein besonders deutlicher Verlierer waren vorbörslich die Moody's-Aktien mit einem Kursrutsch um 6,8 Prozent. Der Finanzrating-Anbieter verfehlte im ersten Quartal mit seinem Gewinn die Erwartungen und kürzte den Jahresausblick. Besser sah es für die Anleger von Activision Blizzard aus, mit einem Anstieg um 1,6 Prozent. Hier wurde darauf verwiesen, dass Investoren-Legende Warren Buffett mittlerweile 10 Prozent an dem Computerspiele-Konzern hält.

Nasdaq 100

Nasdaq

China-Konjunkturdaten drücken Aktienkurse

Auf die Stimmung drückte außerdem der überraschend deutliche Rückgang des Barometers für die Laune der Einkaufsmanager aus der chinesischen Industrie. Wegen der Corona-Lockdowns fiel er von 48,1 auf 46 Punkte und signalisierte eine schneller schrumpfende Wirtschaft. "Eine derart deutliche Abkühlung ist ein potenzielles Risiko für die Rohstoffmärkte und die Weltwirtschaft", warnte Analyst Tobin Gorey von der Commonwealth Bank. Die Immobilien-Krise in China und die verschärfte Regulierung von Unternehmen dort bereite Investoren bereits Sorgen. Dies schlug sich unter anderem in einem fallenden Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee nieder, die sich um 2,9 Prozent auf 104 Dollar je Barrel (159 Liter) verbilligte.

Mercedes-Benz, Vonovia, BASF und Bayer ex Dividende

Im EuroStoxx versammelten sich diverse deutsche Aktien am Indexende, die ex Dividende gehandelt wurden und deren Auszahlungen im Eurozonen-Leitindex nicht bereinigt werden. Der EuroStoxx ist anders als der Dax ein Kurs- und kein Performanceindex, sodass sich Dividendenzahlungen von Mercedes-Benz (5 Euro je Aktie), Vonovia (1,66 Euro pro Aktie), BASF (3,40 Euro je Aktie) und Bayer (2 Euro je Aktie) beim EuroStoxx bemerkbar machten, beim Dax aber nicht. Der deutsche Leitindex lag denn auch mit 0,9 Prozent weniger stark im Minus als der EuroStoxx. Die einzelnen Aktien werden jedoch mit Dividendenabschlag gehandelt.

Fed-Sitzung wirft Schatten voraus

Daneben schürt der anstehende Zinsentscheid der US-Notenbank die Nervosität am Markt. Die Federal Reserve werde den Schlüsselsatz am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt oder mehr anheben und dieses Tempo so lange beibehalten, bis der Inflationsdruck nachlasse, prognostizierte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Da dieser Zeitpunkt gefühlt sehr weit in der Zukunft liegt, breitet sich unter den Anlegern eine gewisse Resignation aus. Sie müssen mit der Situation klarkommen, dass derzeit sowohl Anleihen als auch Aktien gleichzeitig fallen."

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Aktie der Adler-Group stürzt um fast 50 Prozent ab

Bei den deutschen Aktienwerten sorgte ein Rekord-Kurssturz bei Adler Group  von zeitweise fast 50 Prozent für Aufsehen. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG verweigerten dem Immobilien-Investor das Testat für den Jahresbericht 2021. Der Hedgefonds Viceroy des Investors Fraser Perring wirft Adler Bilanz-Tricksereien vor. KPMG hatte bei einer separaten Sonderprüfung zwar keinen systematischen Betrug, aber Mängel festgestellt.

Im Sog von Adler gerieten auch die Titel des Großaktionärs Vonovia  unter Druck, die zudem mit einem Dividendenabschlag gehandelt wurden. Selbst wenn man diesen Effekt herausrechnet, lag das Minus bei 1,8 Prozent. Die Jahreszahlen, die Adler ungeachtet dessen am Samstag dennoch vorlegte und unter dem Strich wegen Abschreibungen ein Verlust gut einer Milliarde Euro offenbarten, dürften für die Anleger wohl nur zweitrangig sein.

Vestas schockt Aktionäre mit Verlust

In Kopenhagen steuerten Vestas mit einem Kursverlust von zeitweise gut 11 Prozent auf den größten Tagesverlust seit sechs Monaten zu. Der Windkraftanlagen-Bauer machte einen überraschend hohen operativen Quartalsverlust von 329 Millionen Euro und warnte für das Gesamtjahr vor einer negativen Marge von minus fünf Prozent. Einziger Lichtblick seien der Auftragsbestand und die höheren Preise für neue Orders, sagte Analyst Per Hansen vom Finanzdienstleister Nordnet. Im Sog von Vestas gaben die Titel von Nordex und Siemens Gamesa bis zu 4,5 Prozent nach.

Bitcoin fällt unter 39.000 Dollar

Bitcoin

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt auf der Handelsplattform Bitstamp  knapp unter 39.000 Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Ölpreise geben weiter nach

Die Ölpreise sind am Montag mit Abschlägen in die neue Handelswoche gestartet. Belastung kam vom steigenden US-Dollar, der Erdöl für Anleger außerhalb des Dollarraums verteuerte. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  106,02 Dollar und gab dann weiter nach. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,02 Dollar auf 103,67 Dollar.

Brent

Seit einiger Zeit schwanken die Erdölpreise um die Marke von 100 Dollar. Während der Brent-Preis meist klar über der Marke liegt, bewegt sich der WTI-Preis auf etwas niedrigerem Niveau. Im Vergleich zum Jahresanfang sind die Preise deutlich um gut 35 Prozent gestiegen, was vor allem am Ukraine-Krieg liegt. Schon im Vorfeld der russischen Invasion waren die Rohölpreise deutlich gestiegen.

Für tendenziellen Auftrieb sorgt das knappe Angebot, das insbesondere auf scharfe Sanktionen vornehmlich westlicher Länder gegen Russland zurückgeht. Tendenzielle Belastung übt dagegen die Corona-Politik Chinas aus, die mit strengen Eindämmungsmaßnahmen konjunkturelle Belastung hervorruft und eine geringere Rohölnachfrage bewirkt.

Nikkei schließt vor Feiertagen knapp im Plus

Unmittelbar vor einer Reihe von Feiertagen in Japan halten sich Investoren mit Engagements an der Börse in Tokio zurück. Der Nikkei-Index stieg am Montag um 0,2 Prozent auf 26.890 Punkte. Anleger könnten erst mit Verzögerung auf den Zinsentscheid der US-Notebank Fed reagieren, weil der japanische Aktienmarkt in den kommenden drei Tagen geschlossen bleibe, sagte Shoichi Arisawa, leitender Analyst beim Brokerhaus IwaiCosmo. "Außerdem kommen nach dieser Serie von Feiertagen wichtige Konjunkturdaten aus den USA." Das erschwere Investitionsentscheidungen.

Mit Nachrichtenagenturen