Börse "Cocktail der Unruhe" hemmt den Dax

Belastet von schwachen chinesischen Konjunkturdaten hat der deutsche Aktienmarkt einen uneinheitlichen Wochenstart erlebt. Während die großen Standardwerte nachgaben, gewannen Papiere aus der zweiten Reihe. Auch an der US-Börse zeigt sich kein klarer Trend.
Die Frankfurter Börse: Der Schwung aus der Vorwoche fehlte am Montag

Die Frankfurter Börse: Der Schwung aus der Vorwoche fehlte am Montag

Foto: Marc Tirl/ DPA

Am deutschen Aktienmarkt ist der Schwung nach dem positiven Abschluss der vergangenen Woche schon wieder erlahmt. Der Dax verlor am Montag 0,45 Prozent auf 13.964 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es hingegen um 0,39 Prozent auf 28.932 Zähler hoch. "Die Zinssorgen nebst hoher Inflation, die Corona-Lockdowns in China und der schwelende Ost-Konflikt bilden einen Cocktail der Unruhe für die Märkte", kommentierte Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.

Auch die europäischen Leitbörsen schlugen keine klare Richtung ein. Der EuroStoxx 50 verlor zum Handelsschluss 0,49 Prozent auf 3685,34 Punkte. In Paris schloss der Cac 40 rund 0,2 Prozent niedriger, in London dagegen gewann der FTSE 100 gut 0,6 Prozent.

Der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hat unterdessen seine Sorge über die Auswirkungen der Euro-Abwertung auf die Inflation bekräftigt. "Ein zu schwacher Euro würde unserem Preisstabilitätsziel zuwiderlaufen", betonte er am Montag. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Wechselkursentwicklung sorgfältig beobachten, da sie ein wichtiger Treiber für importierte Inflation sei. Seit Jahresbeginn hat der Euro mehr als acht Prozent abgewertet. Vergangene Woche war er mit 1,0352 Dollar zeitweise so billig wie zuletzt vor fünfeinhalb Jahren.

Dax

Vantage Tower verliert im MDax

Unternehmensseitig war die Agenda am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn übersichtlich. Mit der Vodafone-Funkturmgesellschaft Vantage Towers und dem IT-Dienstleister Adesso legten Unternehmen aus der zweiten Reihe endgültige Geschäftszahlen vor.

Vantage konnte die Anleger nicht überzeugen: Mit einem Kursrückgang von 4,2 Prozent setzten die Aktien den jüngsten Abwärtstrend fort und waren MDax-Schlusslicht. JPMorgan-Analyst Akhil Dattani attestierte dem Unternehmen ein durchwachsenes Schlussquartal.

Adesso berichtete über ein gutes erstes Quartal, blieb aber wegen einer möglichen Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds bei seinem Jahresausblick. Die Anleger zeigten sich dennoch zufrieden: Die im Nebenwerte-Index SDax gelisteten Papiere verteuerten sich um 4,2 Prozent.

Ansonsten standen Analystenkommentare im Fokus. Sartorius-Titel zählten mit einem Plus von rund 2 Prozent zu den besten Werten im Dax, nachdem die schweizerische Bank UBS sie hochgestuft hatte und nun zum Kauf rät. Damit setzte sich die Erholung vom vergangene Woche erreichten Tief seit Juli 2020 fort. Die Aktienbewertung verkenne das Wachstumspotenzial des Laborzulieferers, begründete Analyst Michael Leuchten seine nun positive Einschätzung.

Neue Kaufempfehlungen der HSBC und der Privatbank Berenberg bescherten dem Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec sowie dem auf Software für die Finanzbranche spezialisierten Anbieter GFT Technologies Kursgewinne von 2,6 beziehungsweise 2,7 Prozent.

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US-Börsen schwächer

Aus den USA kamen am Nachmittag schlechte Konjunkturnachrichten: Der Empire-State-Index, der die Stimmung in den Industrieunternehmen im Bundesstaat New York misst, verzeichnete überraschend einen regelrechten Einbruch. Mit einem Stand unter der Nulllinie signalisiert der Indikator jetzt einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität.

Am US-Aktienmarkt haben die wichtigsten Indizes am Montag unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. Nach der deutlichen Erholung vom Freitag überschatten nun wieder die Wachstumssorgen angesichts schwacher Konjunkturdaten aus China und den USA. Nach einem bisher wechselhaften Verlauf lag der Leitindex Dow Jones Industrial zuletzt mit 0,55 Prozent im Plus bei 32.373 Punkten. Der marktbreite S&P 500 rückte um 0,15 Prozent auf 4030 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq 100 fiel um 0,46 Prozent ins Minus auf 12.331 Punkte.

Zuletzt hatten Ängste, dass die US-Notenbank Fed mit deutlichen Leitzinserhöhungen zur Bekämpfung der hohen Inflation das Wachstum abwürgen könnte, die Aktienkurse unter Druck gesetzt. Anleger gehen zwar nach jüngsten Aussagen aus dem Umfeld der Fed davon aus, dass noch größere Zinsschritte als solche um 0,50 Prozentpunkte nicht auf der Agenda stehen. Dennoch befinden sich die Börsen weiter im Abwärtstrend, da auch wegen der weiter anhaltenden Lieferkettenproblemen auf globaler Ebene und des Ukraine-Krieges eine wirtschaftliche Abschwächung droht.

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China schürten derweil zu Wochenbeginn einmal mehr Wachstumssorgen. Die strikten Beschränkungen durch die Null-Covid-Strategie des Landes bremsen die zweitgrößte Volkswirtschaft stärker als erwartet. Die Industrieproduktion fiel im April überraschend. Ferner brachen die Einzelhandelsumsätze deutlicher als von Analysten vorhergesagt ein. Zudem fielen die Sachinvestitionen schwächer als prognostiziert aus.

Unter den Einzelwerten richtet sich der Blick auf McDonald's. Die Fast-Food-Kette gibt infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine ihr Geschäft in Russland auf. Nach über 30 Jahren in dem Land will die Fast-Food-Kette die Filialen an einen russischen Käufer verkaufen. Für den Rückzug aus Russland wird McDonald's nach eigenen Angaben eine Milliardenbelastung verbuchen, unter anderem für Abschreibungen und Fremdwährungsverluste. Die Papiere verloren 0,4 Prozent.

Nasdaq

Twitter verliert deutlich

Weiter abwärts ging es für Twitter. Am Freitag waren die Anteile bereits um fast 10 Prozent abgerutscht, nachdem Elon Musk seine angepeilte Übernahme des Kurznachrichtendienstes vorübergehend aussetzte. Die Twitter-Aktien hatten bereits vor dem Wochenende wieder auf dem Kursniveau von vor dem Übernahmeangebot des Tesla-Chefs notiert. Am Montag verloren die Titel zuletzt 7 Prozent.

In der amerikanischen Luftfahrtbranche spitzt sich das Wettbieten der US-Fluggesellschaften Jetblue Airways und Frontier Airlines um die Konkurrentin Spirit weiter zu. Nachdem das Management von Spirit eine 3,6 Milliarden Dollar schwere Offerte von Jetblue ablehnte, setzt der Kaufinteressent nun zur feindlichen Übernahme an. Dabei senkte Jetblue das Gebot pro Aktie von 33 auf 30 Dollar. Zuletzt kosteten die Spirit-Aktien bei einem Plus von 12 Prozent auf 19 Dollar immer noch deutlich weniger. Die Jetblue-Aktien verloren fast 5 Prozent.

Asien-Börsen ohne gemeinsame Richtung

Die Aktienmärkte in Asien sind ohne einheitliche Richtung in die Woche gestartet. Der japanische Leitindex Nikkei 225 legte kurz vor Handelsende um rund 0,6 Prozent zu. In der Sonderverwaltungszone Hongkong büßte der Leitindex Hang Seng hingegen 0,4 Prozent ein. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland stand mit minus 1 Prozent noch etwas stärker unter Druck.

Bitcoin wieder unter der 30.000 Dollar-Marke

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin geriet zu Wochenbeginn wieder unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Cyberdevise zuletzt bei 29.662 US-Dollar. Vergangene Woche war sie auf 26.283 US-Dollar gefallen. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seitdem hat sich die Bewertung mehr als halbiert.

Bitcoin

Ölpreise drehen ins Plus

Die Ölpreise haben am Montag zugelegt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 112,13 US-Dollar. Das waren 65 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,15 Dollar auf 111,64 Dollar.

Im Verlauf legte vor allem der WTI-Preis zu. Händler verwiesen auf gestiegene Benzin-Futures in den USA. Dies dürfte die Preise kurz vor Beginn der Sommer-Reisezeit an den Tankstellen nach oben treiben.

Zunächst waren die Ölpreise noch unter Druck geraten. "Maßgeblich sind die schwachen chinesischen Konjunkturdaten, denn die Lockdown-Maßnahmen hinterlassen – anders als an den Industriemetallmärkten – am zweitgrößten Ölabsatzmarkt der Welt unmittelbare Wirkung", sagte Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht. Schon seit einiger Zeit ruft die strikte Corona-Politik der Volksrepublik Sorgen hervor, die Wirtschaftstätigkeit des Landes könnte erheblich unter den scharfen Ausgangssperren leiden.

Brent

Mit Nachrichtenagenturen