Börsenschluss Kurssprung bei Immobilienwerten

Der Dax schließt nahe am Rekordhoch. Beflügelt vom Aus für den Berliner Mietendeckel legen vor allem deutsche Immobilienwerte zeitweise kräftig zu. Auch an der Wall Street geht es bergauf.
Mieten ohne Deckel: Wohnblock an der Leipziger Straße in Berlin

Mieten ohne Deckel: Wohnblock an der Leipziger Straße in Berlin

Foto: imago images / blickwinkel

Der Rekordlauf an den US-Börsen am Donnerstag hat auch den Dax  angetrieben. Zwar blieb der deutsche Leitindex weiter unter seinem Rekordhoch, das er in der vergangenen Woche bei 15.312 Punkten erreicht hatte. Mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 15.255 Punkte bleibt er ihm aber dicht auf den Fersen.

Dax

Größer war allerdings der Schwung im MDax  und vor allem im SDax. Der Index der mittelgroßen Werte gewann 0,91 Prozent auf 33.007 Punkte, während der Nebenwerte-Index im Verlauf erstmals die Hürde von 16.000 Punkten übersprang. Letztlich ging er mit einem Plus von 0,77 Prozent knapp darunter aus dem Tag. Auch europaweit legten die Börsen zu. Der EuroStoxx 50  rückte um 0,43 Prozent auf 3993 Punkte vor, und auch in Paris und London wurden Gewinne verzeichnet.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Obwohl die dritte Pandemiewelle ihren Höhepunkt hierzulande wohl noch nicht erreicht hat und Krankenhäuser einen sofortigen und härteren Lockdown fordern, ließen sich die Anleger nicht abschrecken. Zwar war eher Zurückhaltung zu spüren, doch die US-Konjunkturdaten gaben Mut. Die Zahlen aus dem Einzelhandel, der Industrie und vom Arbeitsmarkt signalisieren einen robusten Aufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Die Impfungen, die Aufhebung von Corona-Beschränkungen und die Konjunkturprogramme der Regierung befeuern die Erholung.

So wundert es kaum, dass der Dow Jones  Industrial erstmals die Hürde von 34.000 Punkten überwand und auch der marktbreite S&P 500  und der technologielastige Nasdaq 100  Rekorde aufstellten. Alle drei Indizes notierten zum Handelsschluss in Europa rund 1 Prozent im Plus.

Bei den Einzelwerten waren erneut SAP -Aktien gefragt. Die Papiere legten im Nachgang starker Geschäftszahlen bis zum Handelsschluss weitere 2 Prozent zu. Spitzenreiter im Dax waren Aktien des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel verworfen hatte. Vor allem Deutsche Wohnen mit seinem großen Wohnungsbestand in Berlin könnte davon profitieren. Nach Kursgewinnen von zwischenzeitlich 7 Prozent schloss die Aktie an der Dax-Spitze rund 2,5 Prozent fester. Auch die Aktien der weiteren bedeutenden Wohnimmobilienkonzerne Vonovia  sowie LEG  waren gefragt. Beide erklärten jedoch, auf Nachforderungen an ihre Mieter verzichten zu wollen.

Deutsche Wohnen

Die Anteile von Lufthansa  gaben angesichts der Corona-Lage nach. Sie büßten 1,9 Prozent ein. Zudem wollen Bahn und Luftverkehrswirtschaft mit dem Ausbau des Schienennetzes und einer besseren Zusammenarbeit nahezu jeden fünften Passagier deutscher Inlandsflüge in die Züge holen.

Drägerwerke gewinnen mehr als 10 Prozent

Bei den deutschen Nebenwerten stachen Drägerwerk  heraus. Die Aktien gewannen 10,6 Prozent. Der Medizintechnikkonzern hat im ersten Quartal seinen Umsatz gesteigert und einen operativen Gewinn in Höhe von 129 Millionen Euro ausgewiesen. Für das Gesamtjahr sei das Unternehmen zudem etwas zuversichtlicher als zuvor, sagte ein Händler.

Bitcoin hält sich nahe Rekordhoch

Die Kryptowährung Bitcoin hielt sich nahe dem am Mittwoch erreichten Rekordhoch von 64.895 Dollar. Am Vortag war die Handelsplattform Coinbase an die Börse Nasdaq gegangen und hatte sich selbst aus dem Stand zum wertvollsten Börsenbetreiber der Welt aufgeschwungen, auf Augenhöhe mit Intercontinental Exchange, zu der auch die New York Stock Exchange gehört.

Ölpreise steigen

Die Ölpreise haben am Donnerstag etwas zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 66,79 US-Dollar. Das waren 21 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 12 Cent auf 63,27 Dollar.

Brent

Am Mittwoch waren die Ölpreise stark gestiegen, nachdem die US-Regierung einen mehr als doppelt so starken Rückgang der Lagerbestände an Rohöl wie von Analysten erwartet gemeldet hatte. Der US-Ölpreis war nach den Daten in kurzer Zeit um etwa zwei Dollar nach oben geschossen. Niedrigere Vorräte sorgen in der Regel für steigende Preise.

Zudem stützt auch die robuste Konjunkturerholung in den USA die Ölnachfrage. So signalisieren am Donnerstag veröffentlichte Zahlen aus dem Einzelhandel, der Industrie und vom Arbeitsmarkt einen anhaltenden Konjunkturaufschwung. Die fortschreitenden Impfungen, die Aufhebung von Corona-Beschränkungen und die umfassenden Konjunkturprogramme der Regierung befeuern die Erholung. Eine robuste Konjunktur stützt die Nachfrage nach Rohöl.

"Das Umfeld am Ölmarkt bleibt günstig", kommentierte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank die jüngste Preisentwicklung. Seiner Einschätzung nach dürfte der befürchtete Angebotsüberschuss auf dem Weltmarkt trotz einer beschlossenen Produktionsausweitung der in der Opec+ zusammengefassten Förderstaaten vermieden werden.

Am Mittwoch waren die Ölpreise stark gestiegen, als die US-Regierung für die Vorwoche einen mehr als doppelt so starken Rückgang der Lagerbestände an Rohöl wie von Analysten erwartet gemeldet hatte. Der US-Ölpreis war nach den Daten in kurzer Zeit um etwa zwei Dollar nach oben geschossen. Niedrigere Vorräte sorgen in der Regel für steigende Preise.

Außerdem werden die Ölpreise durch neue Prognosen zur Entwicklung der Nachfrage nach Rohöl auf dem Weltmarkt gestützt. In den vergangenen Tagen hatten sowohl die Internationale Energieagentur (IEA) als auch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) die Prognosen für das Wachstum der Nachfrage in diesem Jahr erhöht.

rei, ak/Reuters, dpa-afx