Börse Dax über 14.500 Punkte nach US-Zinssignal

Zum ersten Mal seit Juni notiert der Dax wieder über der Marke von 14.500 Punkten. Anleger setzen nach dem Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung auf ein langsameres Zinserhöhungstempo. Im Fokus stehen Immobilienaktien.
Hoffnung auf Jahresendrallye: Der Dax legt weiter zu

Hoffnung auf Jahresendrallye: Der Dax legt weiter zu

Foto: Arne Dedert / picture alliance/dpa

Hinweise auf eine künftig wohl weniger straffe Geldpolitik in den USA haben den Dax  am Donnerstag über 14.500 Punkte getrieben. Auf diesem Niveau hatte sich der deutsche Leitindex zuletzt Anfang Juni gezeigt. Zudem hellte sich das Ifo-Geschäftsklima stärker als von Experten erwartet auf. Dieser Index spiegelt die Wirtschaftsstimmung in Deutschland wider und gilt daher als das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer.

Der Dax beendete den wegen geschlossener US-Börsen relativ impulsarmen und umsatzschwachen Handel mit einem Aufschlag von 0,78 Prozent auf 14.539 Punkte. Seit seinem Jahrestief Ende September hat der Dax inzwischen wieder 22,5 Prozent hinzugewonnen.

Der MDax  der mittelgroßen Werte kontrolliert am Donnerstag um 1,63 Prozent auf 26.055 Zähler zu. Auch europaweit wurden Gewinne erfasst. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  stieg um 0,39 Prozent auf 3962 Punkte. Ein ähnliches Plus verzeichnete der Cac 40 in Paris, während die Londoner Börse nur minimal zulegte.

Fed-Protokoll deutet auf langsameres Zinserhöhungstempo hin

Das Protokoll der November-Sitzung der US-Notenbank Fed hält die Chance auf weiter steigende Kurse aufrecht. Es habe die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer erfüllt, sagte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. "Alles deutet auf ein langsameres Zinstempo ab der nächsten Sitzung im Dezember hin." Dies komme sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt gut an.

Auf der Sitzung Anfang November hatte die Fed ihren Leitzins zum vierten Mal in Folge kräftig um 0,75 Prozentpunkte erhöht. US-Notenbankchef Jerome Powell und andere Fed-Vertreter hatten zuletzt aber ein zurückhaltenderes Vorgehen in Aussicht gestellt. Schließlich hob die Fed im laufenden Jahr die Leitzinsen bereits von fast null auf aktuell 3,75 bis 4,0 Prozent an. Zudem schwächte sich die Inflation zuletzt etwas ab. Marktbeobachter rechnen nun im Dezember mit einer Erhöhung des US-Leitzinses um nur noch 0,50 Prozentpunkte.

Ifo-Index überraschend deutlich gestiegen

Stützend wirkte auch ein überraschend gestiegener Ifo-Index für den November. Der Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen widerspiegelt, stieg auf 86,3 Zähler von revidiert 84,5 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg auf 85,0 Punkte gerechnet. Mit den laufenden Geschäften waren die Unternehmen zwar weniger zufrieden, aber der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate ließ merklich nach. "Die Rezession dürfte weniger tief ausfallen als viele erwartet haben", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

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Ansonsten rechnen Marktteilnehmer am Donnerstag mit einem eher gemächlichen Handelsverlauf, denn die US-Amerikaner feiern Erntedankfest, sodass die Börsen in New York geschlossen bleiben und Impulse von dort ausbleiben. Zudem wird in den USA am morgigen Freitag nur verkürzt am Aktienmarkt gehandelt. Handel findet eher in den Einkaufsläden statt, am sogenannten "Black Friday" fällt der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft.

Immobilienwerte profitieren vom Fed-Protokoll

Immobilienwerte präsentierten sich am Donnerstag erholt. Vonovia gewannen vorne im Dax rund 5 Prozent. LEG führten den MDax mit einem Aufschlag von fast 6 Prozent an. Im SDax der kleineren Werte verteuerten sich Patrizia um mehr als 5 Prozent.

Zudem kamen Expansionspläne des Spezialpharma-Unternehmens Medios gut an, die Aktien setzten ihre Erholungsrally mit plus 5,7 Prozent fort. Die jüngst besonders volatilen Titel des strauchelnden Versorgers Uniper fielen mit hohen Kursverlusten von mehr als neun Prozent auf.

Gewinne in den USA vor dem Feiertag

In den USA wurde wegen des Erntedankfests nicht gehandelt. Am Abend zuvor jedoch hatte die US-Börsen von den Signalen aus dem Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed Auftrieb erhalten. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass die Währungshüter ihren Kampf gegen die hohe Inflation künftig mit geringerem Tempo führen dürften. Nachdem die Fed in ihrer Zinspolitik bisher vorgeprescht ist, hoffen die Anleger auf eine Signalwirkung auch für Europa.

Am New Yorker Aktienmarkt war nach der Veröffentlichung des Protokolls am Vortag Erleichterung spürbar. Der Dow Jones Industrial geht mit einem Aufschlag von 0,28 Prozent auf 34.194 Punkte in den Thanksgiving-Feiertag am Donnerstag. Der S&P 500 gewann 0,59 Prozent auf 4027 Zähler und der überwiegend mit Technologieaktien bestückte Nasdaq 100 rückte um 0,97 Prozent auf 11.838 Punkte vor.

Das Hauptaugenmerk galt dem englischen Fußball-Club Manchester United. Die Papiere (ADR) des in New York notierten Unternehmens machten einen weiteren Kurssprung um nun 25,8 Prozent auf 18,80 US-Dollar und haben damit binnen zwei Tagen 44 Prozent hinzugewonnen. Kurz nachdem die Trennung von Superstar Cristiano Ronaldo für Aufsehen gesorgt hatte, wurde nun bekannt, dass die Eigentümerfamilie von Manu über einen Verkauf des Clubs nachdenkt. Generell würden alle strategischen Alternativen in Betracht gezogen, hieß es.

Asien-Börsen legen zu

Die Märkte in Japan folgen am Donnerstag dem Kursverlauf der Wall Street ins Plus. Signale, dass die US-Notenbank Fed das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamen könnte, beflügelten auch hier die Kauflaune der Anleger. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  schloss 1 Prozent höher bei 28.383 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1,3 Prozent auf 2021 Punkten.

Rekordinfektionen in China schüren hingegen weiter Sorgen um die Auswirkungen der Corona-Beschränkungen auf die Wirtschaft. Die Volksrepublik verzeichnete die höchste Zahl an Ansteckungen binnen 24 Stunden seit Ausbruch der Pandemie. Die Börse in Shanghai lag 0,1 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,3 Prozent.

Bitcoin erholt sich weiter

Die Digitalwährung Bitcoin erholt sich weiter. Zuletzt notierte sie auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 16.573 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise haben am Donnerstag an ihre Vortagsverluste angeknüpft. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  84,92 US-Dollar. Das waren 49 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 37 Cent 77,57 Dollar.

Belastet werden die Rohölpreise seit einiger Zeit durch die angespannte Corona-Lage in China. Hinzu kommen schwächere Konjunkturdaten aus den USA, die zusammen mit China der weltgrößte Ölverbraucher sind.

Zunehmend in den Blick gerät am Ölmarkt der von der Europäischen Union (EU) geplante Preisdeckel für russisches Erdöl. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge könnte die Preisgrenze deutlich höher festgelegt werden als bisher erwartet. Dies würde die Bedeutung für den faktischen Handel verringern und das Risiko von Gegenmaßnahmen seitens Russlands ein Stück weit senken, wie Analysten der US-Bank Goldman Sachs erklärten.

Mit Nachrichtenagenturen
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