Neuer Kurssturz Dow und Nasdaq brechen erneut ein

Nach deutlichen Worten von US-Notenbankchef Powell geht es mit den Aktienkursen in den USA erneut abwärts. Die Sorge um drastische Zinserhöhungen hatte zuvor bereits den Dax belastet. Am Abend brechen vor allem Tech-Aktien ein.
Händler an der US-Börse: Aussagen der US-Notenbank sorgen für einen Kurssturz im Dow und an der Nasdaq

Händler an der US-Börse: Aussagen der US-Notenbank sorgen für einen Kurssturz im Dow und an der Nasdaq

Foto: Wang Ying / dpa

Aus Furcht vor drastischeren Zinserhöhungen der Notenbank Fed und den Folgen für die Wirtschaft fliehen Anleger aus den US-Börsen. Der Standardwerteindex Dow Jones fiel am Mittwoch um 3,5 Prozent auf 31.490 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite gab bis zum Handelsschluss in den USA am Mittwoch um knapp 5 Prozent nach, der breitere Index Nasdaq 100 brach sogar um 5,4 Prozent ein und stürzte klar unter die Marke von 12.000 Punkten. Es ist das tiefste Niveau an der Nasdaq seit mehr als einem Jahr. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 4,04 Prozent auf 3923,68 Punkte abwärts - dies war sein höchster Tagesverlust seit Juni 2020.

Zuvor hatte hierzulande bereits der Leitindex Dax den Xetra-Handel mit einem Verlust von 1,3 Prozent beendet. Der Dax dürfte am Donnerstag erneut deutlich unter die Marke von 14.000 Punkten zurückfallen.

"Die Märkte mögen keine Unsicherheit", sagte Brooke May, Partnerin bei der Vermögensverwaltung Evans May. "Es ist unklar, wie weit die Fed gehen muss, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Höhere Zinsen beeinträchtigen die Konsumausgaben und auch die Unternehmensgewinne." Fed-Chef Jerome Powell hatte zuvor sein Bekenntnis zum Kampf gegen die Inflation bekräftigt und aggressivere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, nahm daraufhin mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 103,64 Punkte wieder Kurs auf sein jüngstes 19-1/2-Jahres-Hoch.

Einige Börsianer befürchteten, dass eine zu rasche Straffung der Geldpolitik die Wirtschaft in eine Rezession stürzt. Daher trennten sie sich in Erwartung einer sinkenden Nachfrage von Rohstoffen. So fiel der Preis für das Industriemetall Kupfer um 1,7 Prozent auf 9206 Dollar je Tonne. Der Future auf US-Weizen verbilligte sich um 3,7 Prozent auf 12,295 Dollar je Scheffel.

Außerdem kamen von der US-Bauwirtschaft zur Wochenmitte schwache Signale. Die Zahl neu begonnener Häuser und die Anzahl der Baugenehmigungen gingen zurück. Auch der Baubranche machen steigende Hypothekenzinsen und gestiegene Materialkosten aufgrund von Lieferengpässen zu schaffen

Bei den Unternehmen stach Target mit einem Kurssturz von zeitweise gut 26 Prozent heraus. Das ist der größte Verlust seit mehr als 34 Jahren. Der Einzelhändler steigerte zwar den Quartalsumsatz auf 25,17 Milliarden Dollar. Wegen steigender Kosten brach der Gewinn allerdings um die Hälfte auf 2,19 Dollar je Aktie ein.

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Auf die Geschäftszahlen von Lowe's reagierten Investoren ebenfalls enttäuscht. Wegen einer geringen Nachfrage nach Grills und Garten-Geräten ging der Umsatz der Baumarktkette um überraschend starke drei Prozent auf 23,66 Milliarden Dollar zurück.

Tesla-Aktie stürzt um knapp 7 Prozent

Der Rauswurf aus einem Index setzte Tesla zu. Die Papiere des Elektroautobauers gaben knapp 7 Prozent nach. Der Index-Anbieter S&P Dow Jones Indices hat das Unternehmen den Angaben zufolge aus dem Index S&P 500 ESG genommen. Grund hierfür sei der Umgang Teslas mit Untersuchungen von Unfällen im Zusammenhang mit der Autopilot-Funktion der Fahrzeuge und Rassismus-Vorwürfe. In ESG-Indizes werden nur Firmen aufgenommen, die bestimmte Kriterien bei Umweltschutz (Environmental), sozialem Engagement (Social) und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Governance) erfüllen.

Druck auf deutschen Aktienmarkt

Deutlich fallende US-Börsen haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch in Mitleidenschaft gezogen. Trübe Nachrichten vom US-Einzelhandelssektor sowie negativ interpretierte Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten ließen den Aufwärtsschwung nach dem starken Vortag erlahmen.

Dax

Der Dax, der mittags noch im Plus notiert hatte, sank im Schlussgeschäft sogar kurzzeitig unter die viel beachtete Marke von 14.000 Punkten und verlor letztlich 1,3 Prozent auf 14.007,8 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,9 Prozent auf 29.101,5 Punkte nach unten.

"Es ist noch nicht an der Zeit, den Gesamtmarkt zu kaufen, und so kann sich die aktuelle Erholungsphase tatsächlich schnell als Eintagsfliege erweisen", kommentierte Experte Andreas Lipkow. "Der Dax befindet sich in einer sehr wichtigen Börsenphase in der es um Sekt oder Selters für die Marktteilnehmer in den kommenden Handelstagen geht."

Siemens Energy will Siemens Gamesa komplett übernehmen

Dass Siemens Energy Überlegungen über eine Komplettübernahme der spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa bestätigte, ließ die Aktien des Energietechnikkonzerns um 4,3 Prozent steigen. Damit belegten sie den Spitzenplatz im MDax. Die Siemens-Gamesa-Aktien an der Börse in Madrid wurden nach einem 11-prozentigen Kurssprung zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt.

Von der Nachricht profitierten auch andere Papiere aus dem Bereich erneuerbare Energien: Die Anteilsscheine der Siemens-Gamesa-Konkurrentin Nordex gewannen als Spitzenreiter im Nebenwerte-Index SDax 3,8 Prozent und jene des Windpark-Betreibers Encavis 1,8 Prozent. Der Dax-Spitzenreiter RWE verbuchte zuletzt ein Kursplus von knapp 2,5 Prozent. Dies reichte bei dem Energiekonzern für das höchste Kursniveau seit 2011.

Bei der Commerzbank sorgte das Thema Übernahme ebenfalls für etwas Rückenwind. Die Aktien gewannen knapp 1,5 Prozent, nachdem die "Financial Times" berichtet hatte, dass die italienische Unicredit vor Ausbruch des Ukraine-Krieges einen Kauf der Konkurrentin und die Zusammenlegung mit der deutschen Tochter Hypo Vereinsbank erwogen habe. Einem Börsianer zufolge ist das Thema zwar aufgeschoben, aber noch nicht vom Tisch: "Die Fusionsfantasie ist zurück."

Bitcoin pendelt um 30.000-Dollar-Marke

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin kommt nach ihrem Kursrutsch nicht vom Fleck. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 30.000 US-Dollar. Vergangene Woche war der Bitcoin auf 26.283 US-Dollar gefallen. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seitdem hat sich die Bewertung mehr als halbiert.

Bitcoin

Ölpreise etwas höher

Die Ölpreise sind am Mittwoch moderat gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  112,70 US-Dollar. Das waren 77 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,27 Dollar auf 113,67 Dollar.

Für Auftrieb sorgt am Ölmarkt weiter die Aussicht auf eine etwas gelockerte Corona-Politik in China. Nach Wochen mit drastischen Ausgangssperren in der Wirtschaftsmetropole Shanghai sind dort den vierten Tag in Folge keine neuen Virusinfektionen gemeldet worden. Der strenge Corona-Kurs Chinas belastet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt schwer und dämpft deren Energienachfrage.

Preisauftrieb kam zudem von neuen Lagerdaten aus den USA. Der Verband American Petroleum Institute (API) meldete am Vorabend einen deutlichen Rückgang der landesweiten Erdölbestände. Am Mittwochnachmittag veröffentlicht die US-Regierung ihre wöchentlichen Bestandszahlen.

Mit Nachrichtenagenturen