Börse Dax pendelt, Dow erholt sich

Starke Firmenbilanzen geben dem Dax Auftrieb. Eine weiter hohe Inflationsrate belastet die Aktienkurse kaum. Im Fokus stehen Hellofresh und Delivery Hero. Der Bitcoin erholt sich leicht, die Ölpreise knicken ein. Meta treibt die Erholung im Dow an.
Die Frankfurter Börse: Anleger richten ihren Blick am Donnerstag auf die deutschen Inflationsdaten

Die Frankfurter Börse: Anleger richten ihren Blick am Donnerstag auf die deutschen Inflationsdaten

Foto: Arne Dedert / dpa

Am deutschen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag die zaghafte Erholung vom Vortag fortgesetzt. Der Leitindex Dax pendelte zuletzt bei 14.018 Punkten und damit 1,6 Prozent im Plus. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel gewann 1,4 Prozent auf 30 220 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 erholte sich um mehr als ein Prozent. Eine weiter hohe Inflation in Deutschland belastete die Aktienkurse kaum.

Dax

Eine hohe Inflation in Deutschland belastete die Aktienkurse kaum. Die Verbraucherpreise sind im April um 7,4 Prozent gestiegen, dies ist der höchste Stand seit Oktober 1981. Analysten hatten mit einem etwas geringeren Anstieg gerechnet. Die Europäische Zentralbank (EZB) steht seit einiger Zeit erheblich unter Druck, dem Beispiel der US-Notenbank Fed zu folgen und die Zinsen anzuheben. Dies zusammen mit Rezessionssorgen hatte die Aktienmärkte zuletzt belastet.

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Hellofresh und Delivery Hero gefragt

An die Spitze des Dax setzten sich Hellofresh, einer der größten Kursverlierer in diesem Börsenjahr. Hellofresh habe mit dem Umsatz, vor allem aber mit dem operativen Ergebnis (Ebitda) die Erwartungen überraschend deutlich überboten, merkte Analyst William Woods von Bernstein Research an. Die Marge liege im ersten Quartal mit 5,2 Prozent um 150 Basispunkte über der Konsensprognose. Nach den im März ausgegebenen Jahreszielen des Versenders von Kochboxen seien die Erwartungen am Markt zuletzt sehr niedrig gewesen. Die schon am Vortag stark gestiegenen Aktien gewannen weitere 10 Prozent hinzu.

Die Freude der Anleger über ein deutliches Wachstum zum Jahresstart bei Delivery Hero ist wieder verflogen. Die Aktien des Essenslieferdienstes fallen um bis zu 6,8 Prozent auf 27,88 Euro ans Dax-Ende, nachdem sie in einer ersten Reaktion auf die Quartalszahlen noch 9 Prozent zugelegt hatten. Händler sahen zunächst keinen unmittelbaren Auslöser für die Kehrtwende. "Vielleicht will der ein oder andere schnell Kasse machen", sagte ein Börsianer. Jefferies bezeichnete das erste Quartal als "positiven Start in ein kritisches Jahr."

Kursverluste im MDax

Bei den Nebenwerten im MDax und SDax überwogen nach den Quartalszahlen etlicher Unternehmen die Kursverluste. So gaben die Papiere von Wacker Chemie, Kion, Fielmann und Drägerwerk um 0,7 bis zu 5 Prozent nach. Die Anteilscheine von LPKF sprangen dagegen um 10 Prozent nach oben. Der Laserspezialist ist nach einem schwierigen Jahr 2021 wieder auf Wachstumskurs gegangen.

US-Börsen stabilisieren sich

Die US-Börsen steuern am Donnerstag auf eine Erholung zu. Ein Kursfeuerwerk bei dem Facebook-Mutterkonzern Meta gilt als Treiber für besonders deutliche Gewinne unter den Tech-Werten, die zuletzt stark abgerutscht waren. Den von diesen geprägten Auswahlindex Nasdaq 100 taxierte der Broker IG zuletzt 1,7 Prozent höher auf 13.218 Punkte. Der Dow Jones Industrial wurde mit plus 0,6 Prozent bei 33.513 Zählern gesehen.

Nasdaq

Laut dem Kapitalmarktstrategen Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets haben positive Nachrichten von Meta vielleicht das Zeug dazu, um an der Nasdaq-Börse zu einer Bodenbildung beizutragen. Der Nasdaq-100-Index war zuletzt mit dem kurzzeitigen Rutsch unter die Marke von 13.000 Punkten auf dem niedrigsten Niveau seit einem Jahr angekommen. Nach Börsenschluss werden die nächsten Zahlen der Tech-Branchengiganten Amazon, Apple und Intel erwartet.

Weil die Facebook-Nutzerzahlen zu Jahresbeginn nach einem jüngsten Durchhänger wieder deutlich zulegten, schnellten die Papiere des Social-Media-Giganten Meta zuletzt um 15 Prozent hoch. DZ-Bank-Experte Ingo Wermann sprach von einer "Erleichterungsrally" und gab sodann auch gleich seine bisherige Verkaufsempfehlung auf. Laut dem Analysten Mark Mahaney von Evercore ISI ist die Bewertung der Papiere "mittlerweile geradezu lächerlich" geworden für eine weltweit führende Social-Media-Plattform.

Erleichterung gab es in der Tech-Branche außerdem wegen starker Zahlen von Qualcomm. Eine starke Position im Smartphone-Markt hatte dem auf den Telekomsektor ausgerichteten Chipkonzern im vergangenen Quartal ein rasantes Wachstum beschert, die Aktien zogen um 6,3 Prozent an. Experten halten Kursgewinne im breit gefächerten US-Chipsektor deshalb für wahrscheinlich. Auch die Anteile des Bezahldienstleisters Paypal zogen nach Zahlen um 2,6 Prozent an.

Unter den Dow-Mitgliedern setzte sich die Saison der Quartalsberichte ebenfalls mit einer prall gefüllten Agenda fort. Allerdings gab es hier insgesamt durchwachsenere Nachrichten. Vorbörsliche Kursgewinne von 1,1 und 1,7 Prozent gab es bei McDonald's und Merck & Co. Die Fast-Food-Kette hat einen über den Erwartungen liegenden Quartalsgewinn erzielt und bei dem Pharmakonzern kamen angehobene Jahresziele gut an.

Japanische Notenbank hält an lockerer Geldpolitik fest

Die asiatischen Börsen haben sich am Donnerstag von den Vortagesverlusten erholt. Steigende US-Futures zogen die Börsen in Fernost mit. Deutliche Gewinne verzeichnete dabei die japanische Börse. Entscheidend für das Plus in Tokio war die Entscheidung der japanischen Notenbank, an ihrer lockeren Geldpolitik festzuhalten, wie die Marktstrategen der Deutschen Bank anmerkten. Japanische Geschäftsbanken können sich damit weiter so gut wie kostenlos Geld bei der Notenbank besorgen. Kredite für Investitionen der Wirtschaft und für Verbraucher sollen billig bleiben.

Die BoJ ist eine der letzten Notenbanken, die noch nicht auf den Weg zur Normalisierung der Geldpolitik eingeschwenkt ist. Zugleich drückte die Entscheidung den Yen erneut nach unten, was die exportorientierte Wirtschaft des Landes stützt. Der japanische Nikkei-Index  beendete den Handel 1,75 Prozent fester mit 26.847 Zählern.

Bitcoin erholt sich

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin erholt sich leicht und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 39.513 US-Dollar und damit 1,2 Prozent im Plus. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise sind am Donnerstag von hohem Niveau aus gesunken. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent  103,91 US-Dollar. Das waren 1,41 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 1,30 Dollar auf 100,72 Dollar.

Brent

Am Ölmarkt wirken seit einiger Zeit gegensätzliche Kräfte. Einerseits sorgen der Ukraine-Krieg und scharfe Sanktionen des Westens für ein knappes Angebot an Rohöl. Andererseits bestehen Nachfragesorgen wegen der strikten Corona-Politik Chinas, wo regionale Virusausbrüche mit drastischen Ausgangssperren bekämpft werden. Während Russland einer der größten Erdölanbieter ist, gehört China zu den größten Nachfrageländern.

Mit Nachrichtenagenturen
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