Börse Dax im Plus, Delivery Hero und Hellofresh gefragt

Die nach wie vor hohe Inflation hält den Kursanstieg am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn in Schach. Anleger greifen vor allem bei Infineon und den Corona-Gewinnern zu. Die Wall Street eröffnet erfreulich.
Handelssaal der Deutschen Börse: Leichte Erholung

Handelssaal der Deutschen Börse: Leichte Erholung

Foto: Ralph Orlowski/ Getty Images

Die mit der hohen Inflation kombinierten Zinssorgen bleiben das Gesprächsthema Nummer eins am Aktienmarkt. Am Montag hinderte es die Anleger aber nicht daran, bei Aktien wieder etwas mehr zuzugreifen. Nach neuen Daten zur Teuerung in Deutschland konnte sich der Dax im Plus behaupten, auch wenn es im Verlauf einmal mehr Schwankungen gab. Diese gelten seit Tagen als Zeichen erhöhter Nervosität der Anleger.

Dax

In der Spitze hatte der Dax knapp 1,6 Prozent gewonnen, im Tagestief drohte er aber auch ins Minus abzurutschen. Begünstigt von einem Sprung in der Schlussauktion schloss der Leitindex 1 Prozent höher bei 15.471,2 Punkten. Parallel blieb ein Rückschlag an der Wall Street zunächst aus nach der späten Rally vom Freitagabend, die der Dax zu Wochenbeginn erst noch nachholte. Den Januar beendete der Dax allerdings 2,6 Prozent tiefer. Der MDax endete am Montag 0,8 Prozent höher bei 33.321,7 Zählern.

US-Börse startet mit Gewinnen

Die US-Börsen haben am Montag an ihre zum Wochenschluss erzielten Gewinne angeknüpft. Wie schon am Freitag zogen auch diesmal die als besonders schwankungsanfällig und konjunktursensibel geltenden Technologiewerte deutlich an. In das positive Bild passte, dass sich das Geschäftsklima in der Region Chicago im Januar überraschend aufgehellt hat.

Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 schnellte um 1,9 Prozent auf 14.722,5 Punkte in die Höhe. Für den Leitindex Dow Jones Industrial hingegen ging es nur geringfügig auf 34.756,4 Punkte nach oben. Der den breiten Markt abdeckende Index S&P 500 stieg um 0,8 Prozent auf 4465,4 Punkte.

Auch wenn die Spekulationen auf steigende Zinsen in den USA zum Wochenstart etwas in den Hintergrund traten, blieben die Anleger weiter auf der Hut. "Jahrelang war man wie ein verwöhntes Kind, man konnte all das Geld bekommen, das man wollte und auch noch kostenlos und man konnte kaufen, was man wollte, man kümmerte sich nicht so sehr um Qualität", sagte Flavio Carpenzano, Investment-Chef bei der Capital One Group. "Jetzt ist es umgekehrt, man muss disziplinierter sein, deshalb muss man sich die Bewertung genau ansehen."

Inflation gibt im Januar leicht nach

Für Erleichterung sorgte, dass die Verbraucherpreise in Deutschland zu Jahresbeginn nicht mehr ganz so rasant gestiegen sind wie zuletzt. Nach 5,3 Prozent im Dezember lagen die Preise für Waren und Dienstleistungen im Januar 4,9 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist. "Zwar fällt der Teuerungsrückgang etwas geringer aus als Volkswirte erwartet hatten, doch immerhin stimmt die Richtung", konstatierte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank Group. "Letzteres ist entscheidend."

Anders als in den USA ist in Europa zwar vorerst keine Zinserhöhung in Sicht. "Doch auch in Europa könnte die Zeit des billigen Geldes auf kurz oder lang vorbei sein", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Wenige Wochen vor der absehbaren Zinswende in den USA muss der EZB-Rat am Donnerstag den weiteren geldpolitischen Kurs abstecken. Von der Bank of England wird in dieser Woche eine weitere Zinserhöhung erwartet.

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Corona-Gewinner gefragt

Die abgestraften Pandemie-Sieger waren diesmal wieder gefragt. An der Dax-Spitze gewannen die Papiere des Essenslieferdienstes Delivery Hero fast 5 Prozent. Hellofresh verteuerten sich um rund 3,8 Prozent. Analystin Sarah Simon von der Berenberg Bank bleibt für den Kochboxenanbieter ungeachtet der Marktrotation weg von Wachstumstiteln und Pandemiegewinnern "bullish", wie sie in einer aktuellen Studie schrieb. Zalando gewannen 3,6 Prozent.

Die Titel des Chipkonzerns Infineon legten im Zuge der Techwerte-Erholung um 2,5 Prozent zu. Henkel erholten sich mit einem Plus von über 3,5 Prozent ein wenig von ihrem Kurseinbruch von mehr als 11 Prozent am Freitag. Laut den Analysten von Barclays sind die Titel des Konsumgüterherstellers nun günstig zu haben, es fehlten aber die Treiber. Skeptisch ist Oddo BHF: Der Kurseinbruch vom Freitag könnte nicht ausreichen, um die Korrektur der Ergebnisschätzungen am Markt abzubilden, hieß es.

Adva steht vor Übernahme durch Adtran

Am deutschen Aktienmarkt rückte Adva Optical ins Rampenlicht. Der Netzwerk-Ausrüster steht vor der Übernahme durch Adtran. Den beiden Unternehmen zufolge haben Adva-Eigner dem Glasfaser-Spezialisten mehr als 60 Prozent der Anteile angedient. Damit sei die Mindestannahmeschwelle überschritten. Adva-Titel standen mit einem Plus von zeitweise fast 16 Prozent vor dem größten Tagesgewinn seit zwölfeinhalb Jahren.

Öl bleibt teuer, Bitcoin scheitert erneut an 40.000-Dollar-Marke

Unterdessen zog der Ölpreis erneut an. Die Sorte Brent aus der Nordsee stieg mehr als ein Prozent auf 91,05 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Nachfrage übersteige das Angebot weiterhin, da vor allem in Europa der Verkehr wieder zunehme, schrieben die Analysten der ANZ Bank. Gleichzeitig seien die Lagerbestände niedrig. In den vergangenen Wochen hatten zudem die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Spekulationen auf Erdöl-Lieferausfälle geschürt.

Brent

Brent

Obwohl Bitcoin sich in den vergangenen Monaten oft im Einklang mit den Aktienmärkten bewegte, fiel eine Kurserholung der Cyber-Devise vorerst aus. Börsianern zufolge verdarb der gescheiterte Versuch zum Sprung über die psychologisch wichtige 40.000er Marke die Stimmung. Bitcoin gab 1,6 Prozent auf 37.210 Dollar nach. Dank zunehmenden Interesses institutioneller Anleger blieben die längerfristigen Aussichten für Kryptowährungen aber positiv, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Mit Nachrichtenagenturen