Börse Dax kaum verändert, Ceconomy und Uniper brechen ein

Der Dax notiert zum Wochenschluss kaum verändert. Papiere von Delivery Hero gewinnen zweistellig, Aktien von Uniper verlieren zweistellig. Die Anteilsscheine von Ceconomy, dem Eigner von Media Markt und Saturn, trifft es nach der Gewinnwarnung noch härter.
Börse Frankfurt am Main: Gaskrise, Regierungskrise in Italien, EZB-Kampf gegen Inflation - derzeit beeinflussen gleich mehrere Faktoren die Stimmung der Anleger. Noch ist unsicher, wohin die Reise geht.

Börse Frankfurt am Main: Gaskrise, Regierungskrise in Italien, EZB-Kampf gegen Inflation - derzeit beeinflussen gleich mehrere Faktoren die Stimmung der Anleger. Noch ist unsicher, wohin die Reise geht.

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Zum Abschluss einer ereignisreichen Woche haben sich die Anleger an Europas Börsen vorsichtig vorangewagt. Dax  und EuroStoxx 50  lagen am Freitagnachmittag jeweils 0,6 Prozent im Plus bei 13.332 beziehungsweise 3616 Punkten. Der MDax  der mittelgroßen Börsenunternehmen legte zuletzt 1,22 Prozent auf 26.982 Punkte zu.

Mit der Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt und einem Anti-Krisen-Instrument in Sachen Rendite-Spreads innerhalb der Euro-Zone habe die Europäische Zentralbank das durch ihr zögerliches Handeln verloren gegangene Vertrauen in Teilen wieder zurückgewonnen, fasste Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege von RoboMarkets, zusammen. Das könne den Weg für weitere Kursgewinne in den kommenden Tagen und Wochen frei gemacht haben. "Ob mehr daraus wird, darüber dürften dann aber andere Faktoren wie zum Beispiel die Stabilität der Energieversorgung über den Herbst und Winter oder auch insgesamt der Verlauf des Ukraine-Krieges entscheiden."

In den vergangenen Tagen hatten Dax und EuroStoxx50 jeweils mehr als drei Prozent zugelegt und standen vor dem größten Wochengewinn seit etwa zwei Monaten. An den US-Märkten zeichneten sich nach enttäuschenden Zahlen von Techkonzernen wie dem Snapchat-Betreiber Snap vorbörsliche Kursverluste ab.

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Schwache Konjunkturdaten machen Anleihen attraktiv

Am Anleihemarkt entspannte sich die Lage. Der Rendite-Anstieg italienischer Papiere fand trotz der Regierungskrise ein vorläufiges Ende. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit 1,046 Prozent zeitweise so niedrig wie zuletzt vor eineinhalb Monaten. Der Grund für die steigenden Anleihekurse waren enttäuschende Konjunkturdaten, die Bonds als "sichere Häfen" wieder attraktiv machten. Die Einkaufsmanager-Indizes Deutschlands und der Euro-Zone fielen unter die Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert. "Das bedeutet, dass Kerneuropa wohl schon in eine Rezession gerutscht ist", sagte Anlagestratege Viraj Patel von Vanda Research. Außerdem sei eine Energiekrise noch nicht abgewendet, auch wenn russisches Gas weiter nach Europa fließe. Der Euro blieb unter Druck und verlor 0,4 Prozent auf 1,0188 Dollar.

Delivery Hero im Plus, Ceconomy im Minus

Trotz einer staatlichen Rettung fielen die Papiere des Gas-Versorgers Uniper um bis zu 27,2 Prozent auf ein Rekordtief von 7,65 Euro. Die Papiere der Uniper-Mutter Fortum büßten mehr als vier Prozent ein. "Nun nehmen die Aktionäre doch noch wahr, wie stark ihr Anteil an Uniper durch die Staatsrettung verwässert wird - selbst wenn der Rahmen weitgehend den Erwartungen entsprechen sollte", sagte Analyst Frederik Altmann vom Brokerhaus Alpha. Der Bund stützt Uniper mit insgesamt 15 Milliarden Euro und übernimmt 30 Prozent der Anteile zu je 1,70 Euro.

Delivery Hero verbuchte mit einem Plus von zeitweise fast 21 Prozent den größten Kurssprung seit zweieinhalb Jahren. Der Essenslieferant peilt geringere Verluste an als für 2022 erwartet. Im Windschatten der Delivery Hero-Rallye gewannen die Rivalen Deliveroo und Just Eat Takeaway ebenfalls.

Die Papiere von Ceconomy brachen dagegen so stark ein wie noch nie. Sie fielen um 26,7 Prozent auf 1,90 Euro, nachdem die MediaMarkt/Saturn-Mutter wegen geringerer Kauflaune der Verbraucher die Jahresziele senkte. Die neuen Prognosen lägen unter den Markterwartungen, kommentierte Analyst Volker Bosse von der Baader Helvea Bank. Außerdem stünden sie unter dem Vorbehalt, dass die Folgen des Ukraine-Krieges und der Pandemie die Konjunktur nicht weiter belasteten.

Anleger in USA werden vorsichtiger

Zum Ende einer starken Börsenwoche werden die Anleger am Freitag vorsichtiger. Anders als in den vergangenen drei Tagen, als stets die technologielastige Nasdaq-Börse die größten Gewinne verbuchte, schlugen sich nun die US-Standardwerte etwas besser. Nur der Dow Jones Industrial konnte sein Vortagsniveau mehr oder weniger behaupten, indem er nach einer halben Handelsstunde fast unverändert bei 32 028,63 Punkten stand.

Der Nasdaq 100 dagegen sank nach seiner besonders starken Rally der vergangenen Tage um 0,75 Prozent auf 12 524,60 Punkte, wobei ein Kurssturz beim App-Betreiber Snap die Stimmung belastete. Der breit aufgestellte S&P 500 stand mit einem Abschlag von 0,32 Prozent auf 3986,25 Zähler mittendrin. Alle drei New Yorker Indizes haben derzeit ihr höchstes Niveau seit sechs Wochen erreicht. Der Nasdaq-Index steuert dabei mit 4,6 Prozent Plus noch immer auf das mit Abstand beste Wochenfazit zu.

Nasdaq 100

Die Anleger hätten in den vergangenen Tage viele Nachrichten aus den Bereichen Geo- und Geldpolitik sowie aus den Unternehmen zu verdauen gehabt, bilanzierte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Notenbanken sähen angesichts der hohen Inflation in aggressiven geldpolitischen Straffungen den einzigen Ausweg. Die Berichtssaison sei zwar noch nicht weit fortgeschritten, doch schon jetzt gebe es viele Unternehmen, deren Zahlen "nicht so schlecht waren wie befürchtet". Das sei zwar eine Erleichterung, reiche aber für eine nachhaltige Erholung nicht aus.

Ölpreise steigen wieder, WTI noch unter 100 US-Dollar

Die Ölpreise sind am Freitag gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  105 US-Dollar. Das waren 1,14 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 90 Cent auf 97,25 Dollar. Starke Impulse gab es zunächst nicht.

Die Erdölpreise bewegen sich nach wie vor auf hohem Niveau, tun sich derzeit aber schwer mit der Richtungssuche. Deutlichen Preisanstiegen folgen häufig und relativ rasch kräftige Gegenbewegungen - und umgekehrt. Entsprechend groß sind mitunter die Preisschwankungen am Markt.

Unter dem Strich haben die Rohölpreise in diesem Jahr aber deutlich zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von etwa 35 Prozent zu Buche. Hauptgründe sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und Sanktionen des Westens gegen Russland. Das Land ist einer der größten Ölförderer der Welt.

Bitcoin legt leicht zu

Bitcoin

Die Digitalwährung Bitcoin ist zuletzt gestiegen und notierte zuletzt auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 23.200 US-Dollar. Das waren auch laut Coinbase  rund 1,5 Prozent mehr als am Vortag. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen
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