Börsenschluss Delta-Variante bremst Dax und drückt Tui

Der Dax schließt am Montag mit Verlusten. Sorgen bereitet den Investoren vor allem die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in Europa. Tourismuswerte wie Tui verlieren, auch Auto-Aktien geben deutlich nach.
Sorge um Delta: Passagierin einer Tui-Kreuzfahrt im spanischen Hafen Málaga

Sorge um Delta: Passagierin einer Tui-Kreuzfahrt im spanischen Hafen Málaga

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Jesus Merida / imago images/ZUMA Wire

Die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus bremst Europas Börsen aus. Vor allem Aktien aus dem Tourismussektor gerieten zum Wochenstart unter die Räder, da Anleger neue Einschränkungen für Reisende fürchteten. Der deutsche Leitindex Dax  schloss am Montagmittag 0,34 Prozent tiefer bei 15.554 Punkten. Sein Rekord von 15.802 Punkten bleibt in Sichtweite. Der schwach in die Woche gestartete US-Standardindex Dow Jones sorgte zusätzlich für etwas Verkaufsdruck. Der MDax  der mittelgroßen Börsenwerte sank um 0,56 Prozent auf 34.276 Punkte. Der EuroStoxx 50  als Leitindex der Eurozone büßte rund 0,75 Prozent ein.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Der europäische Tourismus- und Reise-Index rutschte um 4,4 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief ab. Auf EU-Ebene mehrten sich die Forderungen nach stärkeren Einschränkungen des Reiseverkehrs aus dem von der Delta-Variante stark betroffenen Großbritannien nach Europa. Portugal und Spanien führten bereits verschärfte Einreiseregeln für Briten ein, auch Hongkong versucht die Verbreitung der Virusvariante dadurch zu verhindern.

Die Aktien von Tui  gaben um 5,66 Prozent nach. Unter die Räder gerieten vor allem auch Aktien britischer Airlines. Wizz Air, Ryanair, British Airways-Eigner IAG und Easyjet gaben bis zu 5,6 Prozent ab. "Die Anleger wachen allmählich auf und erkennen, was da langfristig auf den Sektor zukommen könnte", sagte Marktstratege Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets. Auch die Aktien großer Hotelketten wie Accor und Intercontinental litten und gaben je rund drei Prozent nach. Papiere des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport gaben 4,4 Prozent ab, Deutsche Lufthansa 3,5 Prozent.

Tui

Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Großbritannien auf den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten gestiegen, inzwischen steigen auch wieder die Zahlen der Krankenhaus- und Todesfälle stark. Auch EU-Länder wie Portugal, das ab Dienstag als Virusvariantengebiet eingestuft wird, fallen vorerst als Reiseziele aus. Tui teilte am Montag mit, Reisen nach Portugal bis Ende Juli zu streichen und eine kostenlose Umbuchung zu ermöglichen. Am Vormittag informierte Tui über das Wintergeschäft. Die Nachfrage nach Skireisen laufe so stark und so früh an wie noch nie. Der Konzern ist im Clinch mit Reisebüros, wie manager magazin berichtet .

Für die Papiere des Autovermieters Sixt und des Flughafenbetreibers Fraport ging es in Frankfurt sogar um rund 4 Prozent und knapp 5 nach unten. Die Aktien der Kreuzfahrtreederei Carnival verloren in London 6 Prozent an Wert.

Nachdem Goldman Sachs seine Kaufempfehlung zurückgezogen hat, schlossen die Aktien von Teamviewer  am Montag um 5 Prozent leichter.

Teamviewer

Der Wechsel des Firmenchefs Marco Gobbetti (61) zum Rivalen Salvatore Ferragamo löste einen Ausverkauf bei Burberry aus. Die in London notierten Aktien  des Luxusmodeanbieters verloren zum Handelsschluss in Europa 8,7 Prozent. Ferragamo-Titel gewannen in Mailand 3 Prozent.

Kryptowährungen legen wieder zu

Nach dem jüngsten Kursrücksetzer nutzen Anleger die Chance zum Einstieg bei Kryptowährungen. Bitcoin stieg zeitweise um 7 Prozent auf mehr als 35.000 Dollar, Ethereum gewann sogar gut 10 Prozent auf mehr als 2000 Dollar. Am Wochenende waren sie auf gut 30.000 und etwa 1700 Dollar gefallen. Zugleich häuften sich Berichte über Betrugsverdacht und ein Eingreifen der Behörden gegen Kryptobörsen. Die britische Finanzaufsicht verbot am Wochenende den Handel der führenden Kryptobörse Binance in regulierten Geschäften. Deren eigene Rechnungseinheit Binance Coin, laut der Plattform Coinmarketcap die am vierthöchsten bewertete Kryptowährung, verlor am Montag 10 Prozent an Wert. Mitte April hatte Bitcoin noch bei rund 65.000 US-Dollar notiert.

Bitcoin

Ölpreise fallen vor Opec-Treffen

Am Rohölmarkt stieg die Nervosität im Vorfeld eines Treffens der großen Förderländer. Der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee sackte um 1,4 Prozent auf 75,15 Dollar je Barrel (159 Liter) ab, nachdem er kurz zuvor noch ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch erklommen hatte. Die Gruppe OPEC+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells auch Länder wie Russland gehören, werde am Donnerstag wohl eine Ausweitung ihrer Rohöl-Produktion um 500.000 Barrel pro Tag beschließen, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, prognostizierten die Analysten der ING Bank. "Alles darunter würde die Kursoptimisten dazu bringen, den Ölpreis kurzfristig weiter in die Höhe zu treiben."

Brent

mit Nachrichtenagenturen
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