Börse Ukraine- und Konjunktursorgen belasten den Dax

Inflation auf 40-Jahres-Hoch und eine anziehende Rezessionsgefahr – angesichts der heutigen Konjunkturdaten ziehen sich Anleger am Dax zurück. Die Aktie von Continental zählte zu den größten Dax-Verlierern.
Börse Frankfurt: Nach der Rallye des Vortages halten sich die Dax-Anleger zunächst zurück

Börse Frankfurt: Nach der Rallye des Vortages halten sich die Dax-Anleger zunächst zurück

Foto: Arne Dedert / dpa

Wegen wachsender Zweifel an einer raschen Waffenruhe in der Ukraine ziehen sich Anleger wieder aus den europäischen Aktienmärkten zurück. Kopfschmerzen bereiteten ihnen am Mittwoch außerdem die Rezessionssignale vom US-Anleihemarkt. Dax  und EuroStoxx 50  fielen daher um jeweils 1,4 Prozent auf 14.606 beziehungsweise 3945 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel sank um 1,1 Prozent auf 31.520 Zähler.

Die jüngste Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine habe keine greifbaren Ergebnisse gebracht, monierten die Analysten der Bank Unicredit. Ihre Kollegen von der Deutschen Bank wiesen darauf hin, dass die angekündigte Reduzierung der Angriffe auf Kiew und Tschernihiw als taktischer Zug gesehen werden könne, um die russischen Truppen neu zu formieren. Beide Städte wurden am Mittwoch erneut unter Beschuss genommen.

Dax

Am Vortag hatte die Nachricht, dass Russland die Kampfhandlungen bei Kiew drosseln will, die Märkte stark angetrieben. Ob die Maßnahme Russlands von Dauer sein wird, müsse sich erst noch zeigen, mahnte die Landesbank Helaba. "Noch geht der Krieg weiter und es gibt Sorgen vor einem Lieferstopp für Energie aus Russland". An den Rohstoffmärkten legte der Ölpreis wieder zu.

Der russische Teilrückzug sei "wohl weniger als Friedensangebot, sondern mehr als militärstrategische Operation zu werten", schrieb Investmentanalyst Uwe Streich von der Landesbank LBBW. Auch habe der US-Außenminister Antony Blinken keine wirklichen Fortschritte in den Gesprächen der Kriegsparteien erkennen können. Die Anleger hätten am Vortag "wohl zu optimistisch" reagiert.

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Gegenwind gibt es derweil auch durch die Inflation. Diese ist in Deutschland im März auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Zudem haben die "Wirtschaftsweisen" wegen der Folgen des Krieges in der Ukraine ihre Konjunkturprognose für Deutschland 2022 kräftig gesenkt. Die Sachverständigen erwarten nur noch ein Wachstum von 1,8 Prozent. Im November hatte die Prognose noch auf 4,6 Prozent gelautet.

Razzia bei Continental

In Indien sind Insidern zufolge mehrere Reifenunternehmen wegen des Verdachts möglicher Wettbewerbsverstöße durchsucht worden. Darunter ist auch das Vertriebsbüro des deutschen Konzerns Continental in der Stadt Faridabad, wie der Dax-Konzern am Mittwoch bestätigte. Das Unternehmen kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, sagte ein Sprecher. Wegen der laufenden Ermittlungen äußere man sich nicht zu Einzelheiten. Die Aktie von Continental verlor 6 Prozent und zählte damit zu den größten Dax-Verlierern.

Ansonsten waren die Gewinner vom Vortag nun die Verlierer. Die Aktien von Delivery Hero, Mercedes -Benz und BMW verloren überdurchschnittlich.

Im MDax verloren die Papiere des Logistikspezialisten Kion 2,4 Prozent. Die Bank of America und die französische Bank Société Générale strichen ihre Kaufempfehlung für die Papiere. Eine Empfehlung der Bank of America sorgte bei Nordex hingegen für einen Aufschlag von 8 Prozent.

Wall Street im Minus

Schwindende Hoffnung auf ein rasches Ende der Kämpfe in der Ukraine verderben US-Anlegern die Laune. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 fielen zur Eröffnung am Mittwoch um jeweils ein knappes halbes Prozent.

Nasdaq

Russland hatte bei den jüngsten Verhandlungen über eine Waffenruhe zwar eine Reduzierung der Angriffe auf Kiew und Tschernihiw angekündigt. Ukrainischen Angaben zufolge verstärkte Russland inzwischen aber seine Attacken in der Ost-Ukraine. "Der Weg zum Frieden scheint lang und steinig zu sein", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Auf die Anlegerstimmung schlugen außerdem die Rezessionssignale, die der US-Anleihemarkt aussendete. Dort warfen die zweijährigen Bonds zeitweise mehr ab als die zehnjährigen. Experten bezeichnen dies als "inverse Renditekurve" und sehen es als zuverlässigen Indikator für einen nahenden Abschwung.

Bitcoin unter 47.000 Dollar

Bitcoin

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte am Mittwoch auf der Handelsplattform Bitstamp  bei knapp 47.000 US-Dollar und damit etwas schwächer als am Vortag. Auf Sicht einer Woche beträgt das Plus knapp 11 Prozent.

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise sind am Mittwoch leicht gestiegen, nachdem sie am Vortag deutlich gefallen waren. Spekulationen über ein europäisches Embargo auf russisches Öl trieb auch den Preis für die Sorte Brent  aus der Nordsee. Sie verteuerte sich um drei Prozent auf 113,50 Dollar je Barrel (159 Liter). Sollte es zu einem Boykott kommen, werde sich das Angebot um eine zusätzliche Million Barrel pro Tag verringern, rechneten die Experten der Beratungsfirma JBC Energy vor. Vor diesem Hintergrund stieg der Index für die europäische Öl- und Gasbranche gegen den Trend um drei Prozent. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg auf 107,86 Dollar.

Brent

Brent

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dominiert nach wie vor den Rohölmarkt. Zuletzt hatten Annäherungssignale zwischen den Kriegsparteien für deutlich fallende Erdölpreise gesorgt. Für Druck am Ölmarkt sorgt auch das weiterhin rigorose Vorgehen Chinas gegen die Corona-Pandemie. In dieser Woche hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die Finanzmetropole Shanghai in einen Teil-Lockdown geschickt, was die ohnehin fragile Binnenkonjunktur zusätzlich belastet. China ist eines der weltweit größten Energieverbrauchsländer.

Mit Nachrichtenagenturen