Börse Dax schließt mit kleinem Minus

Nach den starken Gewinnen vom Vortag rutschte der Dax wieder in die Verlustzone und schließt mit einem kleinen Minus. Der Dow Jones tritt nur noch auf der Stelle. Die Hoffnungen der Anleger auf eine baldige Waffenruhe in Ukraine schwinden.
Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Verschnaufpause für den Dax

Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Verschnaufpause für den Dax

Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images

Russland hat die Hoffnungen der Anleger auf eine baldige Waffenruhe in der Ukraine am Donnerstag wieder zunichte gemacht. Der Dax verlor 0,4 Prozent auf 14.388 Zähler, nachdem er am Mittwoch fast vier Prozent fester geschlossen hatte. Der EuroStoxx50 trat auf der Stelle.

Nach Angaben des Kreml laufen die Gespräche inmitten der Kämpfe über ein eventuelles Friedensabkommen auf Hochtouren, Darstellungen über deutliche Fortschritte seien aber nicht wahr. Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj betonte, dieser habe seine zentrale Position nicht geändert. Die Freude der Anleger über angebliche Fortschritte sei verfrüht gewesen, sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Broker ThinkMarkets. "Die Märkte waren heiß darauf, bei positiven Nachrichten nach oben zu laufen. Der Ausverkauf kam dann, als die Anleger erkannten, dass die beiden Seiten in bezug auf einen Waffenstillstand und ein Ende des Kriegs weit voneinander entfernt sind."

Dax

Lagarde möchte auf Risiken flexibel reagieren

Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat angesichts der Risiken durch den Ukraine-Krieg ihre Flexibilität betont. Man sei bereit, bei Bedarf den Kurs zu ändern, falls die Invasion Russlands in die Ukraine «neue Inflationstendenzen» in Gang setze, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf einer Konferenz am Donnerstag.

Sie verwies auf den zunehmenden Preisdruck durch steigende Energie- und Rohstoffkosten. Gleichzeitig belasteten ein sinkendes Vertrauen und steigende Energiekosten das Wirtschaftswachstum. Schon die rasche Erholung aus der Coronapandemie habe zu höheren Energiekosten, Lieferengpässen und Preisdruck geführt.

Da der Ukraine-Krieg sowohl das Wachstum belastet als auch die Inflation erhöht, ist die Geldpolitik noch schwieriger geworden. "Wir sind uns aber auch der grundlegenden Risiken bewusst, die durch den Krieg und die von ihm ausgehende Unsicherheit verursacht werden", sagte Lagarde. "Aus diesem Grund werden alle unsere geldpolitischen Entscheidungen in den kommenden Monaten zwangsläufig von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges geprägt und von Wirtschaftsdaten abhängig sein."

Die EZB hatte auf ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag einen beschleunigten Ausstieg aus ihren Anleihekäufen beschlossen. Viele Beobachter erwarten, dass die EZB angesichts der hohen Inflation in diesem Jahr die Zinsen anheben wird.

Britische Notenbank erhöht Leitzins

Die "Bank of England" stemmt sich unterdessen mit einer erneuten Zinsanhebung gegen die steigende Inflation im Land. Sie erhöhte den geldpolitischen Leitzins am Donnerstag auf 0,75 Prozent.

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Thyssenkrupp knickt ein

An den Aktienmärkten waren europaweit am Donnerstag Ölwerte wieder gefragt, denn auch die Ölpreise steigen inzwischen wieder. Hierzulande stachen bei den Einzelwerten Aktien von Thyssenkrupp mit einem Minus von mehr als 10 Prozent am MDax-Ende heraus. Der Industriekonzern sieht durch den Ukraine-Krieg seine Geschäfte beeinträchtigt und setzte seine Prognose für den freien Barmittelzufluss für das Geschäftsjahr 2021/2022 aus.

Zudem hatten die Anleger zahlreiche Unternehmensbilanzen vor allem aus den hinteren Börsenreihen vor sich. Äußerst gut kamen dabei am Markt die Prognosen des ehemals unter Beschuss von Leerverkäufern geratenen Grenke-Konzerns an. Der Leasingspezialist will zu alter Stärke zurück und peilt eine Gewinnverdoppelung bis zum Jahr 2024 an. Die Aktien machten daraufhin einen Satz um fast 9 Prozent nach oben.

Enttäuscht zeigten sich die Investoren allerdings vom Ausblick des Nutzfahrzeugzulieferers SAF-Holland, der seine Aussichten durch den Krieg und die hohen Rohstoffpreise überschattet sieht. Die Papiere brachen um mehr als 13 Prozent ein.

Bei den übrigen Einzelwerten könnte noch einmal die Bilanzsaison für Bewegung sorgen. Zahlreiche Unternehmen aus den hinteren Börsenreihen öffnen an diesem Handelstag ihre Bücher, darunter etwa der Telekommunikationskonzern United Internet und seine Tochter 1&1. Interesse dürfte ferner auch der Kapitalmarkttag des Autobauers BMW auf sich ziehen.

US-Börse legt Verschnaufpause ein

Einen Tag nach dem Einläuten der Zinswende haben die US-Börsen eine Verschnaufpause eingelegt. Der Dow-Jones-Index trat am Donnerstag bei 34.080 Punkten auf der Stelle, der S&P 500 notierte 0,2 Prozent höher bei 4367 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq lag 0,4 Prozent im Plus bei 13.487 Punkten.

Am Mittwoch hatten sie kräftig zugelegt, nachdem die Notenbank wie erwartet den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation um einen Viertel Punkt auf die neue Zielspanne von 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben hatte. Zudem signalisierte die Fed einen aggressiveren Zinserhöhungszyklus, als es viele Experten erwartet hatten.

"Es gibt viele Dinge in der Fed-Erklärung, die diese Erleichterung an den Aktienmärkten eigentlich hätten verhindern sollen, also denke ich, dass es in diesem Sinne etwas übertrieben war", sagte Aktienstratege Philip Marey von der Rabobank. Das Wichtigste für die Anleger seien aber momentan ohnehin die Verhandlungen zwischen Ukrainern und Russen. "Es bleibt abzuwarten, ob der Optimismus hinsichtlich eines möglichen Friedensschlusses übertrieben ist." Nach Angaben des Kreml laufen die Gespräche inmitten der Kämpfe auf Hochtouren, Darstellungen über deutliche Fortschritte seien aber nicht wahr.

In der Hoffnung auf höhere Gewinne griffen Anleger erneut beim Kreditkarten-Anbieter American Express zu. Die Papiere zogen um 3,3 Prozent an. Bei einer strafferen Geldpolitik winken dem Sektor höhere Zinseinnahmen. Finanzwerte notierten insgesamt aber schwächer, die Papiere von Goldman Sachs sackten um 0,9 Prozent ab. Angesichts steigender Ölpreise zählten Aktien aus dem Energiesektor hingegen zu den Gewinnern.

Nasdaq

Asiens Börsen freundlich

Die Börse in Tokio hat sich am Donnerstag zunächst stärker gezeigt, nachdem die potenziellen Risiken von der Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank bis hin zum Ukraine-Krieg und einer Konjunkturabschwächung in China ein wenig nachgelassen hatten. Die Aktien blieben stark, da Fed-Vorsitzender Jerome Powell "betonte, dass die Wirtschaft stark genug sei, um Zinserhöhungen zu verkraften und sagte, er sei nicht besorgt über die Möglichkeit einer Rezession", schrieb der Ökonom Taylor Nugent von der National Australia Bank in einer Kundenmitteilung.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  lag im Verlauf 3,1 Prozent höher bei 26.560 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 2,2 Prozent und lag bei 1894 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 2,6 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 3,2 Prozent.

Bitcoin über 40.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin hat am Mittwochabend die Marke von 40.000 US-Dollar wieder übersprungen. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte die Kryptowährung zuletzt bei 40.723 US-Dollar. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben Cyberdevisen wieder zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt.

Bitcoin

Ölpreise steigen wieder

Die Ölpreise haben am Donnerstag anfängliche Gewinne deutlich ausgeweitet. Am Ölmarkt bleibt der Krieg in der Ukraine das bestimmende Thema und sorgt weiter für heftige Preisschwankungen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 106,25 US-Dollar. Das waren 8,23 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 7,21 Dollar auf 102,30 Dollar.

Brent

In den vergangenen Wochen war der Rohölmarkt durch erhebliche Preisschwankungen gekennzeichnet. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine waren die Preise zunächst stark gestiegen und hatten das höchste Niveau seit dem Jahr 2008 erreicht. Ein Fass Brent hatte bis zu rund 139 Dollar gekostet. In den vergangenen Tagen haben die Preise aber wieder deutlich nachgegeben.

Der Krieg in der Ukraine bleibt marktbestimmend, allerdings haben zuletzt auch andere Themen das Geschehen am Erdölmarkt mitbestimmt. Größeren Einfluss hatten etwa neue scharfe Maßnahmen Chinas gegen regionale Corona-Ausbrüche. Die "No-Covid-Strategie" des Landes gilt als konjunkturschädlich und belastet damit auch die Ölpreise.

Mit Nachrichtenagenturen