Börse Dax schließt im Plus, EZB-Signale stützen Euro

Nach den Gewinnen vom Vortag legt der Dax auch am Donnerstag zu. Im Fokus stehen die Aktien von Sartorius und Continental. Spekulationen um eine frühere Zinserhöhung stützen zudem den Euro.
Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Der Dax knüpft an die Vortagsgewinne an

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Der Dax knüpft an die Vortagsgewinne an

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpa

Gleich mehrere überraschend gute Quartalsberichte von Unternehmen aus der ersten und zweiten Reihe haben am Donnerstag die Kurse beflügelt. Continental und Sartorius, der Chemiekonzern Evonik und der Kupferproduzent Aurubis überzeugten mit ihren Geschäftszahlen und Jahresprognosen. Der Dax  knüpfte an die Gewinne vom Vortag an und legte zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) um weitere 0,9 Prozent auf 14.502 Punkte zu. Anschließend bröckelten die Gewinne jedoch wieder ab. Für den MDax  der mittelgroßen Börsenwerte ging es mit 1,09 Prozent auf 31.443 Zähler ebenfalls weiter nach oben. Der EuroStoxx  stieg um 0,80 Prozent auf 3928 Punkte.

Dax

"Die Anleger haben sich an die aktuelle geopolitische Situation und die steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten gewöhnt", sagte Marktbeobachter Christian Henke vom Broker IG. Der Ukraine-Konflikt und das Dauerthema Inflation hatten zuletzt die Finanzmärkte geprägt, laut den Experten der Credit Suisse haben die Anleger nun aber auch verstärkt die Berichtssaison der Unternehmen im Blick.

Börsianer sehen den Dax auf dem Wege, den seit Jahresbeginn herrschenden Abwärtstrend womöglich zu beenden. Geht es nach den Charttechnikern der britischen Großbank HSBC, verläuft dieser derzeit bei 14.448 Punkten. "Ein Trendbruch käme einem echten charttechnischen Befreiungsschlag gleich", schrieben sie. Mit den erneuten Kursgewinnen schaffte es der Dax auch über die 50-Tage-Linie, die ein beliebter mittelfristiger Trendindikator ist.

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Spekulationen um nahende Zinserhöhung treibt Euro

Spekulationen auf eine nahende Zinserhöhung im Euroraum verleiht der Gemeinschaftswährung Schwung. Am Devisenmarkt setzte der Euro angesichts der Aussicht auf steigende Leitzinsen in der Eurozone seine Erholung fort und kostete zuletzt 1,0852 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,0830 Dollar festgesetzt. Der Dollar-Index verliert bis zu 0,4 Prozent auf 99,99 Stellen. Bundesbankchef Joachim Nagel plädierte zuletzt aufgrund der hohen Inflation in Deutschland für eine erste Zinserhöhung im Sommer. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Insidern zufolge mit ihren jüngsten geldpolitischen Beschlüssen eine Zinserhöhung bereits im Juli nicht ausgeschlossen. Ein schnelleres Vorgehen der EZB gegen die Inflation setze allerdings voraus, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten nicht deutlich verschlechterten, sagt Commerzbank-Analystin Antje Praefcke. "Bleibt Europa von einer Energiekrise verschont, ist es wahrscheinlich, dass die EZB wie von unseren Experten erwartet im Herbst den Leitzins anhebt."

Aktien von Sartorius und Continental gefragt

Zu den Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Continental, bislang einer der größten Kursverlierer im Dax in diesem Jahr. Trotz einer niedrigeren Zielvorgabe für die Profitabilität in diesem Jahr stieg die Aktie um 2,6 Prozent. Angesichts des wirtschaftlichen Umfelds hatten Investoren mit einem noch größeren Dämpfer für die Geschäfte gerechnet, hieß es von Experten.

Sartorius-Aktien, die ebenfalls zu den Verlierern in diesem Börsenjahr zählen, setzten sich mit plus 3,8 Prozent an die Dax-Spitze. Der Pharma- und Laborausrüster knackte beim Umsatz im ersten Quartal die Milliardenmarke und holte noch mehr Aufträge herein.

In der zweiten Reihe zogen die Aktien des Metallproduzenten Aurubis um 6,6 Prozent an, waren stärkster MDax-Wert und erreichten ein Rekordhoch. Angesichts einer großen Nachfrage nach Industriemetallen wie Kupfer schraubten die Hamburger die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr noch einmal nach oben. Die Aktien von Salzgitter, die mit 30 Prozent an Aurubis beteiligt sind, gewannen 6,9 Prozent. Der Kurs des Stahlhändlers Klöckner & Co stieg um 4,1 Prozent.

Für die Anteile von Evonik ging es um 2,2 Prozent nach oben. Der Spezialchemiekonzern hält nach deutlichen Zuwächsen im ersten Quartal trotz der konjunkturellen Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg an seinen Jahresprognosen fest.

Ein Boom bei den Buchungen der US-Fluggesellschaften American Airlines und United Airlines verhalf den Aktien der Lufthansa zu einem Aufschlag von 4,7 Prozent. Papiere des Triebwerkherstellers MTU gewannen 3,3 Prozent, Airbus 2,7 Prozent und Aktien des Flughafenbetreibers Fraport 2,2 Prozent.

USA: Nach Netflix-Schock nun Tesla-Begeisterung

Dank erfreulicher Quartalszahlen haben die US-Börsen am Donnerstag im Gewinne eingefahren. Insbesondere der Elektroautobauer Tesla begeisterte mit weiteren Umsatz- und Gewinnrekorden die Anleger. Zudem stießen die Geschäftszahlen und Ausblicke der Fluggesellschaften American Airlines und United Airlines auf positives Echo. Etwas enttäuschende Konjunkturdaten trübten die Stimmung am Aktienmarkt nicht.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones notierte am Donnerstag kaum verändert bei 35.156 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq 100 gaben jeweils etwa ein halbes Prozent nach.Der technologielastige Nasdaq 100 hatte zur Wochenmitte unter enttäuschenden Netflix-Zahlen gelitten.

Nasdaq

Die Tesla-Aktien gewannen nach den überraschend robusten Quartalszahlen mehr als 11 Prozent. Die Wachstumszahlen stellten die Berichte anderer Unternehmen in den Schatten, schrieb Analyst Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset Management. Er fand dies umso bemerkenswerter, als die Geschäftszahlen bislang die Erwartungen weitgehend übertroffen hätten.

Um rund 7 Prozent bergauf ging es für die Papiere von American Airlines. Die Fluggesellschaft stellte dank guter Buchungsaussichten für das laufende Quartal eine Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht. Die Konkurrentin United Airlines konnte am Markt ebenfalls überzeugen, wie das Kursplus von 11 Prozent zeigte. Ungeachtet tiefroter Zahlen zum Jahresstart rechnet United zum Sommer hin mit einer starken Erholung des Geschäfts. Die Nachfrage boome so stark, dass im laufenden Quartal nicht nur eine Rückkehr in die Gewinnzone, sondern sogar Rekordumsätze zu erwarten seien.

Bei AT&T freuten sich die Anleger über einen Kursanstieg von mehr als 3 Prozent, nachdem der Telekomkonzern im ersten Quartal deutlich mehr Neukunden gewonnen hatte als von Analysten erwartet.

Asien: China schwächelt, Japan höher

Die größeren asiatischen Aktienmärkte haben am Donnerstag mehrheitlich zugelegt. Dabei war die Tendenz ähnlich wie am Vortag: Während es in Japan weiter nach oben ging, schwächelten die chinesischen Börsen erneut.

Die mäßigen Vorgaben der Wall Street traten hinter den starken Tesla-Zahlen zurück, wie Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda feststellte. Die japanische Börse profitierte auch von der anhaltenden Schwäche des Yen. "Der Chef der japanischen Notenbank erteilte vergangene Woche jeglichen Markterwartungen auf eine straffere Geldpolitik eine Absage und steht damit in starkem Kontrast zur US-amerikanischen Fed", hieß es dazu von der Landesbank Baden-Württemberg. Der Nikkei-Index  schloss 1,23 Prozent höher mit 27.553 Punkten.

An den chinesischen Börsen kam es dagegen erneut zu Verlusten. Halley verwies auf Wachstumsängste und die Zero-Covid-Politik, die der Wirtschaft des Landes zusetzten. Präsident Xi Jinping habe es versäumt, das Vertrauen der Investoren zu heben, fügten die Marktstrategen der Deutschen Bank hinzu. In einer Rede ging Xi Jinping nicht direkt auf die Situation in China ein, das derzeit die schlimmste Corona-Welle seit Beginn der Pandemie erlebt. In Shanghai, dem Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes, und anderen Metropolen herrschen Ausgangssperren. Millionen Menschen können ihre Wohnungen nicht verlassen. Während ein Großteil der Welt dazu übergegangen ist, mit dem Virus zu leben, hält China weiterhin an einer Null-Corona-Politik fest.

Dank eines starken Januars und Februars war das Wachstum in China im ersten Quartal mit 4,8 Prozent noch unerwartet stark angestiegen, doch kühlte sich die Konjunktur im März schon wieder ab. Die Lockdowns und andere Einschränkungen durch die strikte Null-Covid-Strategie bremsten die zweitgrößte Volkswirtschaft so spürbar ab, dass Konjunkturmaßnahmen erforderlich werden könnten. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland fiel um 1,85 Prozent auf 3995 Punkte. Der Hang Seng in Hongkong gab zuletzt um 2,08 Prozent auf 20.5099 Punkte nach.

Bitcoin über 41.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin legt wieder zu. Am langen Osterwochenende rutschte die Cyberdevise noch unter die Marke von 40.000 US-Dollar, zuletzt notierte der Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  aber bei 41.800 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte die Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind am Donnerstag gestiegen. Marktbeobachter verwiesen auf nachlassende Nachfragesorgen, die für Auftrieb bei den Notierungen am Ölmarkt sorgen. Jüngste Maßnahmen in China zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wurden etwas zurückgefahren. Außerdem seien die Preise durch sinkende Lagerbestände in den USA gestützt worden.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 107,81 US-Dollar. Das waren 1,02 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 94 Cent auf 103,13 Dollar.

Brent

Zuletzt hatten die Folgen des Kriegs in der Ukraine die Ölpreise stark steigen lassen. Zudem sind in den USA die Vorräte an Rohöl zuletzt deutlich gefallen. Die Lagerbestände sanken in der vergangenen Woche nach Angaben der Regierung im Vergleich zur Vorwoche um 8,0 Millionen Barrel auf 413,7 Millionen Barrel. Analysten hatten hingegen einen Anstieg um 3,0 Millionen Barrel erwartet. Sinkende US-Ölreserven stützen in der Regel die Ölpreise.

Mit Nachrichtenagenturen