Verluste an der Börse Dax setzt Kursrutsch fort und bleibt unter 13.000 Punkten, auch US-Indizes tauchen ab

Der Dax setzte seinen Kursrutsch fort. Die Rekord-Inflation in Europa verschreckt Investoren. Die US-Börsen tauchen ebenfalls ab. Papiere von Bed Bath & Beyond sacken um 22 Prozent ab, für Snap-Aktien ging es nach der Ankündigung der Stellenstreichung 8 Prozent aufwärts.
Deutsche Börse in Frankfurt: Der Dax setzt seinen Kursrutsch fort

Deutsche Börse in Frankfurt: Der Dax setzt seinen Kursrutsch fort

Foto: MAXIMILIAN VON LACHNER / EPA

Eine rekordhohe Inflation in der Eurozone hat die angekratzten Nerven vieler Investoren am Mittwoch nicht gerade beruhigt. So fiel der zunächst freundlich gestartete Dax  zum Handelsende um 0,97 Prozent auf 12.835 Zähler, nachdem die Inflation in der Eurozone im August auf 9,1 Prozent beziffert worden war. Der August ist mit einem Dax-Verlust von fast fünf Prozent der drittschwächste Börsenmonat in diesem Jahr. Doch es droht noch schlimmer zu kommen, gilt doch der September statistisch als der schwächste Aktienmonat.

Die Marke von 13.000 Punkten blieb für den Dax zur Wochenmitte erneut eine zu hohe Hürde. Nach einem Rücksetzer von etwa 1000 Punkten binnen zwei Wochen stellen sich Anleger aber auch die Frage, in welchem Ausmaß geldpolitische Straffungen zur Inflationsbekämpfung in den Kursen schon eingepreist sind. Der MDax  schloss am Mittwoch 0,69 Prozent niedriger bei 25.219 Punkten. Auch an den europäischen Börsen ging es abwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verlor mehr als ein Prozent. An der Wall Street lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss moderat im Minus.

"Steigende Gas- und Elektrizitätspreise werden die Inflationsrate in der Eurozone im Herbst auf über zehn Prozent katapultieren", prognostizierte Volkswirtin Ulrike Kastens vom Vermögensverwalter DWS. Bei der Hälfte der Mitgliedsstaaten sei das jetzt schon der Fall. Damit nehme auch in der Europäischen Zentralbank die Sorge zu, dass sich die Inflationserwartungen "entankern" könnten. Daher sei mit mehreren Zinserhöhungen noch in diesem Jahr zu rechnen.

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Auf Unternehmensseite standen Autohersteller im Blick. Bei den Titeln von VW und der Konzernholding Porsche SE traten die Anleger mit Abschlägen von 2,6 respektive 3,1 Prozent auf die Bremse, nachdem beide Aktien zuletzt von der Fantasie für einen Börsengang des Sportwagenherstellers Porsche AG profitiert hatten.

SAP holt Finanzchef von Airbus

Nachrichtlich stärker bewegt zeigten sich Airbus mit einem Abschlag von 2,7 Prozent, während SAP auf der Gegenseite um 0,4 Prozent stiegen. Für Aufsehen sorgte bei den beiden Dax-Schwergewichten ein hochrangiger Managerwechsel: Der Finanzchef Dominik Asam wird den Flugzeugbauer Anfang März nächsten Jahres verlassen und in gleicher Rolle zum Softwarekonzern wechseln.

Papiere von Metallproduzenten tauchen ab

Um 3,6 Prozent fielen die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis in einem schwachen Rohstoffsektor. Das Minus wurde noch getoppt vom Metallrecycler Befesa, dessen Aktien um 6,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit November 2020 abrutschten. Schon seit einiger Zeit spiegeln die Kurse ein Ende des Rohstoff-Preisbooms wider. Untermauert wurde dies am Mittwoch vom Citigroup-Analysten Paul Bradley, der deshalb und wegen anhaltendem Kostendruck seine Gewinnschätzungen für Befesa deutlich reduzierte.

Euro knapp über Dollar-Parität

Der Euro legte nach schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt zu und wurde zuletzt mit 1,0071 US-Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf exakt 1,0000 Dollar festgelegt.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 1,36 Prozent am Vortag auf 1,43 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,41 Prozent auf 131,87 Punkte. Der Bund-Future gab am Abend um 0,30 Prozent auf 148,02 Punkte nach.

US-Börsen tauchen ab

Die US-Börsen sind am Mittwoch nach einer bereits dreitägigen Talfahrt etwas weiter abgerutscht. Die wichtigsten Indizes büßten anfängliche Gewinne ein und gaben zuletzt leicht nach. Für den Monat August zeichnet sich damit ein tristes Bild ab, nachdem der Juli sehr stark verlaufen war.

Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel am Mittwoch um 0,56 Prozent auf 31.612 Punkte. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,48 Prozent auf 3967 Punkte nach und der technologielastige Nasdaq 100 verlor 0,48 Prozent auf 12.282 Zähler.

Auslöser der zuletzt stark eingetrübten Börsenstimmung war, dass US-Notenbankchef Jerome Powell die Märkte am vergangenen Freitag auf eine weiterhin straffe Geldpolitik der Fed im Kampf gegen die Inflation eingestimmt hatte. Die Anleger sorgen sich seither vor allem darüber, dass ein striktes geldpolitisches Handeln der US-Notenbank zu einer Rezession führen könnte. Allerdings: Eine dauerhaft hohe Inflation wäre noch schädlicher für die Wirtschaft.

Am Mittwoch nun konnten enttäuschende Konjunkturdaten die Furcht vor einem allzu entschiedenen Vorgehen der Fed nur vorübergehend dämpfen. Die Privatwirtschaft der USA hat im August weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet.

Bed Bath & Beyond mit 22 Prozent Kursverlust

Unter den Einzelwerten standen vor allem Unternehmensnachrichten im Blick. So sackten die Aktien von Bed Bath & Beyond um rund 22 Prozent ab. Der angeschlagene Bäder- und Wohnraumausstatter kündigte umfangreiche Maßnahmen an, um wieder in die Gänge zu kommen, sein Wachstum und die Ertragskraft zu steigern und die Bilanz sowie den freien Barmittelzufluss zu verbessern. So wolle er von Zeit zu Zeit eigene Aktien verkaufen, um seine Schulden zu begleichen. Zudem sollen Arbeitsplätze abgebaut und ertragsschwache Markengeschäfte geschlossen werden.

Die Papiere von Hewlett Packard Enterprise (HPE) legten geringfügig zu, während die von HP Inc um mehr als sieben Prozent abgesackten. HPE, spezialisiert auf Unternehmens-IT, Software und Services, meldete für das dritte Geschäftsquartal im Jahresvergleich gestiegene Umsätze und Ergebnisse. Die Resultate fielen Börsianern zufolge besser als befürchtet aus. Der PC- und Druckerhersteller HP Inc aber senkte seinen Ausblick wegen einer eher schwächelnden Nachfrage.

Snap gewinnt wegen Sparmaßnahmen 8 Prozent

Bei der Foto-App Snapchat lässt das Wachstum weiter nach, und die Betreiberfirma Snap reagiert nun mit Stellenabbau. 20 Prozent der über 6000 Jobs bei dem Unternehmen sollen gestrichen werden. Die Kündigungen sind Teil eines Spar- und Umbauprogramms, dem auch weitere Investitionen in Innovationsprojekte wie etwa die fliegende Mini-Kamera Pixy zum Opfer fallen sollen. Die Sparmaßnahmen von Snap kamen am Markt gut an: Die Aktien schnellten um mehr als acht Prozent in die Höhe. Im Kielwasser dessen griffen die Anleger auch bei den Aktien der Branchenkollegen Meta Platforms und Pinterest zu, die um gut drei beziehungsweise knapp vier Prozent anzogen.

Verluste in Asien

Im Sog einer erneut schwächeren Wall Street haben sich die asiatischen Börsen am Mittwoch abwärts bewegt. In Tokio fiel der Nikkei-Index  um 0,4 Prozent auf 28.091 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,3 Prozent. Die Börse in Shanghai gab 0,4 Prozent nach.

Bitcoin steigt über 20.200 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin hat sich von ihrem Kursrutsch am Vortag wieder leicht erholt. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 20.258 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise fallen weiter

Die Ölpreise haben am Mittwoch an ihre Vortagsverluste angeknüpft. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  95,52 US-Dollar. Das waren 3,79 Dollar weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 2,99 Dollar auf 88,61 Dollar.

Konjunktursorgen lastete auch auf an den Ölpreisen. Die Erwartung weiter deutlich steigender Leitzinsen in wichtigen Volkswirtschaften dämpft die Wachstumsaussichten. Im August stiegen die Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat um 9,1 Prozent. Das ist die höchste Rate seit der Einführung des Euro als Buchgeld. Mittlerweile wird in der Eurozone im September eine Leitzinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte nicht mehr ausgeschlossen.

Nach deutlichen Aufschlägen zum Wochenstart waren die Erdölpreise am Dienstag kräftig gefallen. Analysten verweisen schon seit Längerem auf teils hohe Preisschwankungen im Tagesverlauf. Ausschlaggebend ist die anhaltende Unsicherheit wegen einer Vielzahl an Risikofaktoren. Dazu zählen neben dem Ukraine-Krieg vor allem aktuelle politische Unruhen in den ölreichen Ländern Irak und Libyen.

Die Nachfrage ist unterdessen gekennzeichnet durch Konjunkturängste. Angesichts zahlreicher Belastungsfaktoren, darunter die global hohe Inflation, gelten die Wirtschaftsaussichten für weite Teile der Welt als schlecht. Besonders betroffen ist Europa angesichts seiner hohen Abhängigkeit von russischem Erdgas und stark verminderten Gaslieferungen seitens Russland.

Mit Nachrichtenagenturen
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