Börse Nasdaq knickt nach Konjunkturdaten ein

Nach dem Hin und Her am Vormittag baut der Dax seine Gewinne aus. In den USA gibt vor allem der Nasdaq dagegen deutlich nach - die US-Wirtschaft ist in eine technische Rezession gerutscht.
Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt: Anleger greifen wieder zu

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Rupert Oberhäuser/ imago images

Nach Daten zur Inflation in Deutschland und zum Wirtschaftswachstum in den USA hat der Dax  seine Gewinne ausgebaut. Der deutsche Leitindex notierte zuletzt bei 13.242 Punkten 0,57 Prozent höher. Der MDax  der mittelgroßen Unternehmen gewann 0,52 Prozent auf 26 629 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  stieg um 0,2 Prozent.

Neue Inflationsdaten aus Deutschland ergaben, dass sich der Preisauftrieb hierzulande im Juli erneut etwas abschwächte. Der Druck im Inflationskessel bleibe jedoch hoch, schrieb Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Für Entwarnung sei es zu früh. Der positive Effekt von Tankrabatt und des Neun-Euro-Tickets erfahre in diesem Monat aufgrund weiter steigender Lebensmittelpreise ein Gegengewicht. Zudem schnellten die Gas- und Strompreise regelrecht nach oben.

Konjunkturdaten aus den USA belasteten dagegen. Im zweiten Quartal ist die US-Wirtschaft erneut geschrumpft. Analysten hatten dagegen mit einem leichten Wachstum gerechnet. Die Definition einer technischen Rezession ist nun erfüllt. Davon sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht.

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Die Aussagen der US-Notenbank Fed vom Vorabend, das Tempo der geldpolitischen Straffung künftig womöglich etwas zu reduzieren, stützten dagegen. Die Fed hatte die Leitzinsen wie erwartet um weitere 0,75 Prozentpunkte erhöht. Fed-Chef Jerome Powell hatte aber zugleich eingeräumt, dass das hohe Straffungstempo Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben werde.

Fresenius senkt Prognose

Die Berichtssaison ging am Donnerstag in die nächste Runde. Im Dax standen die Aktien des Gesundheitskonzerns Fresenius SE und dessen Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) stark unter Druck. Wegen Problemen bei FMC senkte Fresenius die Prognose. FMC leidet unter einem verschärften Mitarbeitermangel in den USA, der zu Kapazitätsengpässen bei Gesundheitsdienstleistungen führen dürfte, hieß es. Fresenius rutschten um mehr als 9 Prozent ab. FMC fielen auf ein Tief seit 2010, zuletzt verbuchten sie ein Minus von 13 Prozent.

Angehobene Gewinnziele halfen den Linde-Aktien nicht. Die Titel des Industriegaskonzerns zogen nur kurz etwas deutlicher an, prallten dann aber an der 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend ab. Sie verloren am Nachmittag 1,1 Prozent. Im Vergleich mit dem Geschäftsbericht des französischen Wettbewerbers Air Liquide könnte der Markt leicht enttäuscht sein, weil Linde beim bereinigten Gewinn die Markterwartungen nicht deutlicher übertroffen habe als gedacht und den Ausblick auf ein Niveau angehoben habe, auf dem die Marktschätzungen bereits seien, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

Das zweite Quartal des Flugzeugbauers Airbus bezeichnete ein Händler als allenfalls durchwachsen. Die Profitabilität habe enttäuscht, Lieferkettenprobleme stellten den Konzern vor Herausforderungen. Die Papiere verloren 4,3 Prozent.

Volkswagen legte im ersten Halbjahr trotz der Lieferprobleme bei Mikrochips und Corona-Einschränkungen in China einen Gewinnsprung hin. Den Gesamtausblick für das Jahr behielt der Autobauer bei. Die im Dax notierten Vorzüge gewannen 3 Prozent.

US-Börsen mit Verlusten

Nach den hohen Kursgewinnen im Zuge der Fed-Sitzung am Vortag ist den US-Börsen am Donnerstag erst einmal die Luft ausgegangen. Immerhin hatte der technologielastige Index Nasdaq 100 den höchsten Tagesgewinn seit November 2020 verbucht. Und von der Konjunktur gibt es wenig Gutes: Die US-Wirtschaft ist im Frühling erneut geschrumpft und in eine sogenannte "technische Rezession" gefallen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA fiel im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 0,9 Prozent. Da die US-Wirtschaft schon im ersten Quartal um annualisiert 1,6 Prozent geschrumpft ist, ist die Definition einer technischen Rezession erfüllt. Davon sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale hintereinander zurückgeht.

Der Dow Jones Industrial lag zuletzt mit 0,53 Prozent im Minus bei 32.028 Punkten. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,59 auf 3999 Zähler nach. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 1,10 Prozent auf 12.461 Punkte, nachdem er am Mittwoch um mehr als 4 Prozent nach oben geschnellt war.

Meta mit erstem Umsatzrückgang seit Börsengang

Mit Blick auf die Einzelwerte bestimmen unverändert die Quartalsberichte und Prognosen der Unternehmen das Geschehen. Der Facebook-Konzern Meta erlitt seinen ersten Umsatzrückgang. Die Entwicklung kommt dem Ende einer Ära gleich: Seit dem Börsengang 2012 ging es nur rasant aufwärts. Meta-Aktien büßten fast 8 Prozent ein.

Der Chiphersteller Qualcomm rechnet angesichts der konjunkturellen Schwäche mit niedrigeren Ausgaben der Verbraucher, die auch viele Produkte mit Halbleitern treffen dürften. Diese vorsichtigen Aussagen brockten der Aktie ein Minus von 6 Prozent ein.

Unter die Räder gerieten auch die Papiere der Pharmakonzerne Pfizer und Merck & Co. Erstere büßten 4 Prozent ein und Letztere gut 3 Prozent. Pfizer hat mit ungünstigen Wechselkursen zu kämpfen, bei Merck & Co sprachen Händler von Gewinnmitnahmen, nachdem der Kurs seit Jahresbeginn um fast 20 Prozent gestiegen war.

Besser schlugen sich die Aktien von Ford und Harley Davidson mit Aufschlägen von 3 beziehungsweise 6 Prozent. Der Autobauer ließ beim Gewinn im zweiten Quartal die Erwartungen weit hinter sich. Der legendäre Motorradhersteller hatte im zweiten Quartal trotz Problemen in den Lieferketten deutlich produktiver agiert als am Markt erwartet.

Asien-Börsen nach US-Zinsentscheid im Plus

Die Hoffnung auf eine mögliche Verlangsamung des Tempos der Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed lässt am Donnerstag auch die Märkte in Asien aufatmen. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  lag 0,4 Prozent höher bei 27.815 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte 0,2 Prozent zu. Die Börse in Shanghai und der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen lagen 0,2 und 0,1 Prozent im Plus.

Bitcoin mit Kurssprung

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin legte in der Nacht zu Donnerstag deutlich zu. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 23.022 US-Dollar und damit 8 Prozent höher als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Konjunkturdaten belasten Ölpreise

Die Ölpreise wurden am Donnerstag durch die schwachen US-Konjunkturdaten belastet. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  106,35 US-Dollar. Das waren 27 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 71 Cent auf 96,55 Dollar.

Eine schwächelnde Wirtschaft braucht auch weniger Rohöl. Dies dämpft die Preise. Vor der Veröffentlichung der Daten hatten die Ölpreise noch merklich zugelegt.

Mit Nachrichtenagenturen
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