Börse Dax mit höchstem Tagesgewinn seit sechs Wochen

Die anhaltend hohe Inflationsrate in den USA irritiert Anleger nur kurz. Sowohl der Dax als auch der Dow legen zu. Der Bitcoin stabilisiert sich nach seinem Kursrutsch ebenfalls wieder.
Deutsche Börse in Frankfurt: Der Dax beendet den Handel mit Gewinnen

Deutsche Börse in Frankfurt: Der Dax beendet den Handel mit Gewinnen

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Nur kurz hat sich am Mittwoch der deutsche Aktienmarkt von den Inflationsdaten aus den USA aus dem Tritt bringen lassen. Nachdem die Indizes ihre deutlichen Kursgewinne nach den Daten zunächst rasch abgegeben hatten, berappelten sie sich anschließend ebenso schnell wieder und erreichten Tageshöchststände. Aus dem Handel ging der Leitindex Dax  mit plus 2,17 Prozent auf 13.828 Punkte. Das war der höchste Tagesgewinn seit sechs Wochen. Der MDax  der mittelgroßen Börsentitel gewann 2,09 Prozent auf 28.613 Zähler.

Dax

Die hohe Inflation in den USA hat sich im April leicht abgeschwächt. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,3 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte, nach 8,5 Prozent im Vormonat. Damit entfernt sich die Teuerung ein wenig von dem höchsten Wert seit gut 40 Jahren, die sie im März markiert hatte.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

"An den Finanzmärkten reagiert man mittlerweile übersensibel auf nur leichte Abweichungen der Inflationsdaten gegenüber der Konsensschätzung", sagte der Chef-Volkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. "Es wurde kurzzeitig befürchtet, dass nun die Fed noch aggressiver handeln könnte", so der Experte. Doch die Inflationsrate sei gefallen und darauf besinne man sich letztendlich. Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets argumentierte ähnlich: Die Anleger hofften nun, "dass sich die Preisspirale langsam aber sicher aufhört zu drehen und die Inflation für den Moment ihren Höhepunkt erreicht hat."

Bayer verliert, Thyssenkrupp gewinnt zweistellig

Nicht profitieren konnten von der guten Stimmung am Aktienmarkt die Anleger von Bayer. Im Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat gab es für den Agrarchemiekonzern einen Rückschlag. Die am Vortag noch von starken Zahlen beflügelten Papiere sackten am Dax-Ende um 6,2 Prozent ab.

Um einen Rechtsstreit ging es zur Wochenmitte auch bei der Allianz. Die Nachricht über damit zusammenhängende weitere Rückstellungen belastete den Kurs des Versicherers aber nicht. Im Gegenteil: Die Papiere gewannen an der Dax-Spitze 5,9 Prozent. Laut dem Konzern bleibt die Dividendenpolitik von den Rückstellungen unberührt.

Im MDax stachen die Aktien von Thyssenkrupp als bester Wert mit plus 11,2 Prozent heraus. Der Stahl- und Industriekonzern schnitt im zweiten Geschäftsquartal besser ab als erwartet und erhöhte daraufhin die diesjährigen Prognosen für seine operativen Kennziffern.

Evotec hingegen rutschten nach Quartalszahlen um 10,6 Prozent ab. Die kräftige Vortageserholung ist damit dahin. Nach der tags zuvor gemeldeten Abschlagszahlung von 200 Millionen US-Dollar aus der erweiterten Kooperation mit Bristol-Myers Squibb habe der Markt womöglich mit einem optimistischeren Jahresausblick gerechnet, hieß es vom Investmenthaus Stifel.

USA: Dow stabilisiert sich, Nasdaq bleibt schwach

Auch in den USA haben sich die Börsen nach anfänglichen Verlusten wieder stabilisiert. Der Leitindex Dow Jones Industrial legte zuletzt 0,56 Prozent auf 32.340 Punkte. Vom jüngsten Hoch des Dow im April bei knapp 35.500 Zählern hatte der Index zuletzt fast 10 Prozent eingebüßt. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Mittwoch um 0,36 Prozent auf 4016 Punkte aufwärts. Der Nasdaq 100 lag dagegen mit 0,24 Prozent im Minus bei 12.313 Punkten.

Nasdaq

Bei den Einzelwerten erlebten Unity Software ein Kursdebakel. Das Umsatzziel des Entwicklers von 3D-Spielen blieb hinter den Erwartungen zurück. Das ließ den Kurs um über 30 Prozent einbrechen auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang im September 2020.

Anders Electronic Arts, hier lobten Analysten optimistischere Ziele des Spieleentwicklers für das Geschäftsjahr. Der Kurs schnellte um gut 10 Prozent nach oben.

Bitcoin erholt sich wieder etwas

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin gab am Mittwoch zeitweise deutlich nach und fiel unter die Marke von 30.000 US-Dollar. Zuletzt erholte sich die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  wieder und notierte bei 30.626 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Wochen unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seitdem hat sich die Bewertung mehr als halbiert.

Bitcoin

Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise haben sich am Mittwoch teilweise von ihren jüngsten Verlusten erholt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  107,40 US-Dollar. Das waren 4,94 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 5,46 Dollar auf 105,23 Dollar.

Brent

Am Markt wurden die Preisaufschläge mit der etwas günstigeren Corona-Lage in China begründet. Die Metropolen Peking und Shanghai meldeten zuletzt gesunkene Infektionszahlen. Damit rückt die Möglichkeit geringerer Corona-Beschränkungen in den Blick. Seit Wochen geht die chinesische Führung mit scharfen Ausgangssperren gegen das sich ausbreitende Virus vor. Die Binnenkonjunktur und der Ölverbrauch werden dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die in den USA überraschend gestiegenen Rohöllagerbestände belasteten die Ölpreise nicht. Die Vorräte kletterten laut Energieministerium im Vergleich zur Vorwoche um 8,5 Millionen Barrel auf 424,2 Millionen Barrel. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 1,5 Millionen Barrel gerechnet. Allerdings ging die Ölproduktion zurück.

An den beiden Vortagen waren die Ölpreise noch stark unter Druck geraten. Der WTI-Preis war sogar kurzzeitig unter 100 Dollar gefallen. Wenngleich sich die Ölpreise in den vergangenen Wochen schwertaten, eine klare Richtung zu finden, liegen sie auf hohem Niveau. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus etwa 35 Prozent. Ausschlaggebend sind der Krieg Russlands gegen die Ukraine und scharfe Sanktionen vornehmlich westlicher Länder gegen Russland, das einer der weltgrößten Ölförderer ist.

Mit Nachrichtenagenturen