Börse Dax rettet dünnes Plus ins Ziel

Anleger reagieren verschreckt auf die Inflationsdaten aus den USA. Der Dax rutscht zeitweise ins Minus und schließt mit hauchdünnen Gewinnen. An der Wall Street geben die Indizes ebenfalls nach.
Dax dreht nach US-Inflationsdaten: Trotz der überwiegend positiven Quartalsbilanzen gibt der Leitindex am Nachmittag seine Gewinne ab

Dax dreht nach US-Inflationsdaten: Trotz der überwiegend positiven Quartalsbilanzen gibt der Leitindex am Nachmittag seine Gewinne ab

Foto: © Ralph Orlowski / Reuters/ REUTERS

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag mit erhöhter Nervosität auf US-Inflationsdaten reagiert. Der deutsche Leitindex Dax schloss nach zwischenzeitlichen Verlusten knapp mit 0,1 Prozent im Plus bei 15.490,4 Punkten. Anders verhielt sich der MDax der mittelgroßen Werte, der 0,8 Prozent auf 33.527,4 Zähler einbüßte. Der EuroStoxx50 lag knapp im Minus bei 4199,3 Zählern. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte zuletzt 0,3 Prozent ein.

Dax

Der Preisauftrieb in den USA hat sich im Januar stärker beschleunigt als erwartet. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,5 Prozent. Das ist die höchste Inflationsrate seit 1982. Analysten hatten im Schnitt einen etwas moderateren Anstieg erwartet. Die unerwartet hohe Inflation schürt Befürchtungen, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen im Laufe dieses Jahres kräftig erhöht. Das kann die Refinanzierung von Unternehmen verteuern und zulasten der Gewinne gehen. Außerdem verlieren Aktien bei steigenden Renditen an den Anleihemärkten an Attraktivität.

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Siemens gefragt, Delivery Hero enttäuscht

Die Quartalszahlen von Siemens kamen an der Börse sehr gut an. Der Kurs des Elektrotechnikkonzerns setzte die Erholung der vergangenen Tage fort und gab einen Teil seiner Zugewinne ab, lag aber noch mit mehr als 4,8 Prozent im Plus. Siemens rage mit den Zahlen zum ersten Geschäftsquartal im Kapitalgütersektor heraus, schrieb Analyst Andreas Willi von der US-Bank JPMorgan in einer ersten Reaktion. Die Aufträge hätten die Markterwartung um gut ein Drittel übertroffen, im Digitalgeschäft sogar um gut zwei Drittel.

Dagegen brachen die zuletzt ohnehin stark unter Druck stehenden Aktien von Delivery Hero um zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent ein und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Damit ist Delivery Hero im bisherigen Jahresverlauf der mit Abstand schwächste Dax-Titel. Den Anlegern waren die aktuellen Geschäftszahlen und der Ausblick des Essenslieferanten offenbar nicht gut genug.

Trotz des rückläufigen Aktien- und Derivategeschäfts setzte die Deutsche Börse ihren Wachstumskurs im vergangenen Jahr fort. Der Marktplatzbetreiber profitierte vom florierenden Fondsgeschäft und der Strombörse, die die Nettoerlöse um 9 Prozent wachsen ließen. Auch Übernahmen trugen zu der Steigerung bei, die den Erwartungen des Konzerns und derjenigen der Analysten entspricht. Die zuletzt bereits gut gelaufenen Papiere verloren rund 1,2 Prozent.

Thyssenkrupp profitiert von höheren Stahlpreisen

Thyssenkrupp ist robust in das neue Geschäftsjahr gestartet und profitierte dabei von gestiegenen Stahlpreisen. Umsatz- und Ergebnis fielen höher aus, als Analysten prognostiziert hatten. Dennoch büßten die Aktien des Stahl- und Industriekonzerns zuletzt mehr als 2 Prozent ein.

Die Aktien von Bechtle fielen nach dem Quartalsbericht des IT-Dienstleisters als schwächster MDax-Wert um 6 Prozent. Der Umsatz habe im Schlussquartal unter der Knappheit von IT-Komponenten gelitten, lautete die Ersteinschätzung des Analysten Martin Comtesse von Jefferies. Nun richteten sich die Blicke der Investoren auf die Zulieferungen im Verlauf des ersten Halbjahres.

Trotz wieder gestiegener Corona-Infektionszahlen ist der Umsatz des Großhandelskonzerns Metro im ersten Geschäftsquartal um 20 Prozent gewachsen. Damit lägen die Erlöse über dem Vor-Pandemieniveau, hieß es. Die Metro-Papiere schnellten als SDax-Spitzenreiter um 8,6 Prozent hoch.

Die konjunkturelle Erholung hat dem Industriedienstleister Bilfinger im Gesamtjahr 2021 ein Gewinnplus von 30 Prozent beschert. Das Management plant eine Dividende von insgesamt 4,75 Euro je Aktie, einschließlich einer Sonderausschüttung von 3,75 Euro. Für das laufende Jahr rechnet Bilfinger mit einem deutlichen Umsatzwachstum. Die Aktien kletterten um 2,8 Prozent nach oben.

Inflationssorgen belasten Wall Street

Die gute Stimmung am US-Aktienmarkt ist am Donnerstag neu aufgeflammten Inflationssorgen gewichen. Allerdings erholten sich die wichtigsten Indizes nach einem schwächeren Handelsstart etwas. Weitere vorgelegte Quartalsberichte großer US-Konzerne wurden von den Anlegern sehr positiv aufgenommen.

Der Leitindex Dow Jones Industrial verringerte seine Auftaktverluste und gab um 0,3 Prozent auf 35.673,3 Punkte nach. Tags zuvor hatte er den höchsten Stand seit Mitte Januar zurückerobert und seit seinem Tief vor rund drei Wochen knapp acht Prozent wieder gutgemacht.

Nasdaq

Der den breiten Markt abdeckende Index S&P 500 verlor am Donnerstag 0,4 Prozent auf 4569,4 Punkte. Der Technologie-Index Nasdaq 100 sank nach einem schwachen Start zuletzt um 0,8 Prozent auf 14.936,8 Punkte. Er konnte seit seinem Tief im Januar fast zehn Prozent wettmachen.

Bitcoin kaum verändert

Die Kryptowährung Bitcoin pendelt weiter um die Marke von 44.000 US-Dollar. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 44.100 US-Dollar. Seit ihrem Tief Ende Januar bei 33.000 US-Dollar hat der Bitcoin bereits wieder stark an Wert gewonnen. Händler wiesen darauf hin, dass der Bitcoin mit dem jüngsten Anstieg wieder die charttechnisch bedeutsame 50-Tage-Linie überschritten hat. Dies könnte für Anschlusskäufe sorgen.

Bitcoin

Ölpreise geben wieder nach

Die Ölpreise haben am Donnerstag einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder eingebüßt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete 91,29 US-Dollar. Das waren 26 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 16 Cent auf 89,50 Dollar.

Brent

Am Mittwoch hatte der überraschende und deutliche Rückgang der US-Lagerbestände an Rohöl die Ölpreise gestützt. Anleger deuteten die Lagerdaten als Zeichen für eine starke Nachfrage nach dem Rohstoff in der größten Volkswirtschaft der Welt.

An diesem Donnerstag nun behalten die Investoren die Verhandlungen zur Wiederbelebung des Nuklearabkommens mit dem Iran im Blick. Eine Vereinbarung, die die Bedenken aller Beteiligten berücksichtige, sei in Sicht, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Falls die Wiener Nuklearvereinbarung über das iranische Atomprogramm von 2015 wiederbelebt wird, könnte Iran nach Aufhebung der Sanktionen wieder deutlich mehr Erdöl an andere Länder liefern. Das erhöhte Angebot auf dem Weltmarkt würde den Ölpreis entsprechend drücken.

Mit Nachrichtenagenturen