Börse Dax verliert 1 Prozent, VW-Aktie knickt ein

Zum Ende eines erfolgreichen ersten Halbjahres nehmen Anleger Gewinne mit. Unter Druck stehen vor allem Autoaktien, insbesondere die Titel von Volkswagen. In den USA halten sich Investoren nach der Rekordjagd vom Vortag zurück.
Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt: Seit Jahresbeginn hat der Dax 14 Prozent zugelegt - und gerät am Mittwoch unter Druck

Händlerin an der Deutschen Börse in Frankfurt: Seit Jahresbeginn hat der Dax 14 Prozent zugelegt - und gerät am Mittwoch unter Druck

Foto: Fredrik von Erichsen / picture-alliance/ dpa

Gewinnmitnahmen an der Börse: Zum Ende eines erfolgreichen ersten Halbjahres ist der deutsche Aktienmarkt ins Minus gerutscht. Der Dax  verlor zum Handelsschluss 1 Prozent auf 15.531 Punkte. Der MDax  der mittelgroßen Börsenwerte sank um 0,7 Prozent auf 34.049 Punkte. Der EuroStoxx 50  als Leitindex der Eurozone büßte rund 0,7 Prozent ein.

Dax

Für den Monat Juni deutet sich damit ein mageres Dax-Plus von rund 0,9 Prozent an. Im zweiten Quartal läuft es für den Leitindex auf einen Gewinn von rund 3,6 Prozent hinaus. Zum Ende des ersten Börsenhalbjahres fällt die Bilanz mit gut 13 Prozent aber weitaus besser aus.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Autowerte besonders unter Druck

Aktien aus der Automobilbranche mussten besonders kräftig Federn lassen. Der europäische Autosektor sank als Schlusslicht der Stoxx-600-Sektorübersicht um 1,7 Prozent. Konjunkturanfällige Branchen mieden Anleger zur Wochenmitte. Rohstoff- und Bankenwerte waren neben Autowerten sehr schwach. Die Ausbreitung der ansteckenderen Virusvariante Delta könnte den Wirtschaftsaufschwung etwas verzögern, hieß es aus dem Handel.

VW drohen erneut milliardenschwere Bußgelder - Aktie unter Druck

Die Aktien von Volkswagen reagierten mit einem Kursabschlag von 2,4 Prozent auf eine US-Gerichtsentscheidung zum Dieselskandal und waren damit das Schlusslicht im Dax. Das Oberste Gericht von Ohio entschied, dass der Bundesstaat Sanktionen wegen systematischer Abgasmanipulation gegen den Autobauer verfolgen kann, die über die bereits auf US-Bundesebene vereinbarten Strafen hinausgehen. Den Wolfsburgern könnten erneut milliardenschwere Bußgelder drohen

Bundeswehr-Auftrag beflügelt Hensoldt-Aktien

Ein Auftrag trieb den Kurs des Rüstungsunternehmens Hensoldt auf den höchsten Stand seit Ende April. Zuletzt betrug das Plus 3,3 Prozent. Das Unternehmen hat einen Auftrag der Bundeswehr erhalten. Dabei geht es um Zulieferungen für das Projekt Pegasus zur signalerfassenden Aufklärung aus der Luft.

Bitcoin pendelt um 35.000 Dollar

Nach dem jüngsten Kursrücksetzer vom Wochenende, als die Kryptowährung Bitcoin auf 30.000 Dollar gefallen war, stabilisiert sich die Cyberdevise bei 35.000 Dollar. Mitte April hatte Bitcoin noch bei rund 65.000 US-Dollar notiert.

Bitcoin

Stützend wirkte unter anderem die Meldung, dass die Deutsche Börse ihr Geschäft mit Kryptowährungen ausbaut. Der Börsenbetreiber hat die Mehrheit an dem Schweizer Kryptobroker und Vermögensverwalter Crypto Finance AG  übernommen. Auch die Nachricht, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin der deutschen Tochter der US-Krypto-Handelsplattform Coinbase jetzt die Lizenz für die Verwahrung und den Handel mit digitalen Währungen erlaubt, ließ Anleger zugreifen.

Wall Street: Kaum verändert

Die Rekordjagd der Wall Street ist vorerst beendet. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 notierten zur Eröffnung am Mittwoch kaum verändert und blieben in Schlagdistanz zu ihren jüngsten Bestmarken. Nicht einmal die besser als erwartet ausgefallenen Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP hellten die Stimmung der Investoren auf. Anleger richteten ihre Blicke bereits auf die offiziellen Daten am Freitag, die in den vergangenen beiden Monaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien, sagte John Brady, Manager beim Brokerhaus R.J. O'Brien & Associates. "Eine dritte Enttäuschung würde die Tatsache untermauern, dass die wirtschaftliche Erholung an Dynamik verliert."

Nasdaq

Anleger in Asien zurückhaltend

Die Anleger in Asien haben sich am Mittwoch nur vorsichtig aus der Deckung gewagt. Die Märkte seien nach der weltweiten Aktienrallye vor der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten am Freitag "nervös", sagte Steven Daghlian, Marktanalyst bei CommSec in Sydney. Investoren versprachen sich von den Jobzahlen Rückschlüsse auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen erwarten für Juni einen Zuwachs von 690.000 Arbeitsplätzen gegenüber 559.000 im Mai. In Tokio gab der Nikkei-Index leicht auf bei 28.792 Punkte nach. Die Börse in Shanghai lag 0,3 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,5 Prozent. In Südkorea legte der Index 0,4 Prozent zu.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind am Mittwoch gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 75,11 US-Dollar und damit 35 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 49 Cent auf 73,47 Dollar. Kurz vor einer geplanten Videokonferenz von Vertretern der Opec+ zur Förderpolitik des Ölverbunds zeichnen sich schwierige Gespräche ab. Zuletzt war am Markt eine Anhebung der Fördermenge im August erwartet worden.

Brent

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, sei ein Treffen zur Vorbereitung einer Konferenz der in der Opec+ organisierten Ölstaaten, zu denen etwa Saudi-Arabien und Russland gehören, um einen Tag verschoben worden. Die Agentur berief sich auf zwei namentlich nicht genannte Delegierte. Das eigentlich für den Laufe des Tages vorgesehene Vorbereitungstreffen eines Beratergremiums brauche mehr Zeit zur Kompromissfindung und soll daher erst am Donnerstag unmittelbar vor der eigentlichen Zusammenkunft der Opec+ stattfinden, hieß es.

mit Nachrichtenagenturen