Kurssturz an der Börse Dax stürzt, Anleger fliehen

Erneuter Kursrutsch an den Börsen: Der Dax baut seine Verluste aus und schließt fast 240 Punkte schwächer. Die hohe US-Inflation sowie das Aus für die Regierung in Italien vertreiben die Anleger. Auch in den USA knicken Dow Jones und Nasdaq ein.
Kurssturz im Dax: Der deutsche Leitindex notiert auf dem tiefsten Niveau seit mehr als einem Jahr

Kurssturz im Dax: Der deutsche Leitindex notiert auf dem tiefsten Niveau seit mehr als einem Jahr

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Belastet von enttäuschenden Geschäftszahlen aus dem US-Bankensektor und einer schwachen Wall Street hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag deutlich an Boden eingebüßt. Dass die EU-Kommission für 2022 angesichts der hohen Energiepreise eine rekordhohe Inflation in der Eurozone erwartet, sorgte ebenfalls nicht für Kauflaune.

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Der Dax weitete seine Verluste stetig aus und fiel im späten Handel bis unter die Marke von 12.450 Punkten. Letztlich verlor der deutsche Leitindex rund 1,9 Prozent auf 12.519 Zähler. Für den MDax  der mittelgroßen Unternehmen ging es um 1,95 Prozent auf 25.005 Punkte bergab. EuroStoxx 50  sank um 1,63 Prozent auf 3397 Punkte.

Verluste in den USA, Dow und Nasdaq im Minus

An der Wall Street sorgten die Zahlen von JP Morgan für lange Gesichter und fallende Kurse. Höhere Rückstellungen für drohende Kreditverluste wegen der zunehmenden Rezessionsgefahren drückten den Gewinn der größten US-Bank im zweiten Quartal. Die Aktien sackten um mehr als 4 Prozent ab. Chef Jamie Dimon betonte in seinem Ausblick mehrere Gefahren für das globale Wirtschaftswachstum - geopolitische Spannungen, hohe Inflation, schwindendes Verbrauchervertrauen und eine "nie zuvor gesehene" quantitative geldpolitische Straffung. Auch Morgan Stanley enttäuschte die Investoren mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang. Die Titel notierten rund ein Prozent schwächer. Auch andere Finanztitel gerieten unter die Räder.

Zum Handelsschluss in Europa konnten die Aktienindizes an der Wall Street nach sehr schwachem Start zuletzt ihre Verluste leicht reduzieren. Der Dow Jones notierte gegen 18.45 Uhr (MEZ) 1,42 Prozent leichter. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verlor zuletzt noch 0,84 Prozent auf 11.629 Punkte. An den Nerven der Anleger zehrt weiterhin die am Mittwoch überraschend stark gestiegene US-Inflationszahl von 9,1 Prozent für Juni. Der Euro fiel zwischenzeitlich erneut unter die Parität zum Dollar auf 0,9950 Dollar, nachdem die Teuerungsrate die Spekulationen auf ein aggressives Gegensteuern der US-Notenbank Fed geschürt hatte.

Italiens Regierungschef Draghi kündigt Rücktritt an

Mit sorgenvoller Miene blicken Investoren außerdem auf die Regierungskrise in Italien. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi (74) hat nach einem Streit mit einem wichtigen Koalitionspartner seinen Rücktritt angekündigt. Er werde am Abend ein entsprechendes Gesuch bei Präsident Sergio Mattarella einreichen, erklärte Draghi am Donnerstagabend seinem Büro zufolge vor seinem Kabinett. "Die Koalition der Nationalen Einheit, die diese Regierung gestützt hat, existiert nicht mehr." Zwar hatte die Regierung zuvor ein Misstrauensvotum überstanden. Jedoch blieb der Koalitionspartner 5-Sterne-Bewegung dem fern. Nun könnten im September oder Oktober vorgezogene Wahlen anstehen, die regulär für 2023 angesetzt sind.

Nach der Rücktrittsankündigung beschleunigte sich am Abend der Ausverkauf bei italienischen Staatsanleihen. Der Renditeabstand zu den zehnjährigen Bundespapieren vergrößerte sich weiter. Die politische Unsicherheit fällt in eine Zeit, in der Italien mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen hat, darunter eine Abhängigkeit von russischem Erdgas sowie eine Dürre im Land.

Telekom verkauft Funkturm-Sparte, Aktie sinkt

Die Aktien der Deutschen Telekom sanken um 2,2 Prozent. Die Bonner verkaufen eine 51-prozentige Mehrheit an ihrem Funkturmgeschäft an ein Investorenduo aus dem kanadischen Finanzinvestor Brookfield und dem US-Infrastrukturinvestor Digital Bridge. Den Unternehmenswert von GD Towers bezifferte Telekom auf 17,5 Milliarden Euro ohne Schulden und Barmittel.

Dass sich Hugo Boss nach einem überraschend guten zweiten Quartal für das Gesamtjahr nun mehr zutraut, ließ die Anteilscheine des Modekonzerns um 2,4 Prozent steigen. Damit waren sie einer der größten MDax-Gewinner.

Halbleiter-Aktien profitierten von erfreulichen Nachrichten der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). Das Unternehmen, das weltweit zu den größten Halbleiterherstellern zählt, veröffentlichte überraschend starke Quartalszahlen und erhöhte den Umsatzausblick. Im Dax verloren Infineon als einer der besten Indexwerte nur 0,6 Prozent und im MDax ging es für die Papiere des Hightech-Maschinenbauers Aixtron sogar um 1,2 Prozent hoch.

Bitcoin verharrt bei 20.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin pendelt weiter um die Marke von 20.000 US-Dollar. Am Abend notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 20.274 US-Dollar und damit etwa 5 Prozent höher als am Vortag. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise: Brent und WTI deutlich unter 100 Dollar

Die anhaltende Dollar-Stärke schickte den Goldpreis auf Talfahrt, weil sie das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht. Gold verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 1714 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bei Kupfer und Rohöl kam die drohende Rezession als Belastungsfaktor hinzu. Das Industriemetall verlor zwei Prozent auf 7181 Dollar je Tonne.

Die Ölpreise haben am Donnerstag deutlich nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Abend 97,55 Dollar und damit 2,02 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 2,32 Dollar auf 93,98 Dollar.

Im Verlauf waren die Preise deutlicher gefallen. Im Tief wurden die niedrigsten Preise seit Februar erreicht. Eine entscheidende Belastung stellt der stärkere Dollar dar. Hintergrund ist der entschiedene Anti-Inflationskurs der US-Notenbank Fed, die ihre Leitzinsen aller Voraussicht nach weiter anheben dürfte.

Die höheren Leitzinsen lassen nicht nur den Dollar steigen und verteuern somit das in der US-Währung gehandelte Erdöl. Auch lasten die Zinsen auf der konjunkturellen Entwicklung und lassen damit eine schwächere Rohölnachfrage erwarten. Da allerdings das Angebot wegen des Ukraine-Kriegs begrenzt ist, bewegen sich die Ölpreise immer noch auf vergleichsweise hohem Niveau.

Allein am Dienstag hatten die Ölpreise noch bis zu 8 Prozent nachgegeben. Ausschlaggebend war die Furcht vor einem Konjunktureinbruch infolge einer drohenden Energiekrise in Europa.

Mit Nachrichtenagenturen
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