Börse Dax verliert nach Gewinnserie wieder an Boden

Am Aktienmarkt baut der Dax seine jüngsten Gewinne wieder ab. Hohe Ölpreise schüren Sorgen vor einer hohen Inflation und belasten den deutschen Leitindex. Auch der Dow sinkt. Die Einigung auf ein Teil-Embargo der EU lässt die Ölpreise auf den höchsten Stand seit zwei Monaten steigen.
Der Handelssaal der Frankfurter Börse: Der deutsche Leitindex notiert trotz positiver Vorzeichen aus China am Dienstag tiefer

Der Handelssaal der Frankfurter Börse: Der deutsche Leitindex notiert trotz positiver Vorzeichen aus China am Dienstag tiefer

Foto: STAFF / REUTERS

Nach vier Gewinntagen haben die Anleger am Dienstag bei deutschen Aktien wieder auf die Bremse getreten. Steigende Ölpreise und die rekordhohe Preissteigerung in der Eurozone erinnerten die Anleger an die alten Inflationssorgen. Belastet auch von einem schwachen Auftakt an der Wall Street verlor der Dax 1,29 Prozent auf 14.388 Punkte. Im Monat Mai hat der Index damit um zwei Prozent zugelegt. Der MDax sank am Dienstag um 0,91 Prozent auf 29.914 Zähler. An der Wall Street kam der Dow Jones Industrial am Dienstag mit Verlusten aus dem verlängerten Wochenende. Der Montag war dort ein Feiertag.

Nach dem Dax-Anstieg um rund 9 Prozent seit dem 9. Mai fehlt dem deutschen Leitindex zunächst die Kraft für eine fortgesetzte Erholung. Wenngleich nun erst einmal eine Konsolidierung anstehe, habe der Dax seinen seit Januar bestehenden Abwärtstrend nachhaltig verlassen, sagte Marktexperte Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel in einem Morgenkommentar. In den USA hatte der Handel am Montag wegen eines Feiertages geruht.

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Bei der Dax-Erholung hatten sich die Anleger zum Wochenstart auch von erneut hohen Inflationsdaten aus Deutschland nicht irritieren lassen. Denn dem hatten positive Nachrichten aus China entgegengestanden, wonach in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai von diesem Mittwoch an die Corona-Lockdown-Maßnahmen größtenteils wegfallen sollen. Wie am Dienstag bekannt wurde, verbesserte sich die Stimmung in den Chefetagen chinesischer Unternehmen laut dem Einkaufsmanagerindex für das herstellende Gewerbe zuletzt etwas.

Lanxess nach Zukauf mit zweistelligem Kurssprung

Unter den Einzelwerten schnellten die Aktien von Lanxess um fast 12 Prozent nach oben. Der Chemiekonzern gründet mit der Beteiligungsgesellschaft Advent ein Gemeinschaftsunternehmen für Hochleistungs-Polymere, in das die Engineering-Materials-Sparte des niederländischen Konzerns DSM eingebracht werden soll. Lanxess steuert seinen Geschäftsbereich High Performance Materials bei und soll eine erste Zahlung von mindestens 1,1 Milliarden Euro sowie einen Anteil von bis zu 40 Prozent am Joint Venture erhalten.

Nach einer mehrwöchigen Korrektur zogen die Aktien von K+S nach positiven Analystenkommentaren wieder das Interesse der Anleger auf sich und stiegen um 4,3 Prozent.

Die Sorge um wachsenden Konkurrenzdruck drückte die Titel des Aromen- und Duftstoffherstellers Symrise um 2,9 Prozent ins Minus, was einen der letzten Plätze im Dax bedeutete. Der Genfer Aromen- und Duftstoffproduzent Firmenich und DSM aus den Niederlanden schließen sich zusammen.

Der angeschlagene Immobilienkonzern Adler Group schnitt im ersten Quartal nach eigener Einschätzung im Tagesgeschäft solide ab. Adler führte die Rückgänge im ersten Quartal vorwiegend auf den Verkauf eines Immobilienportfolios zurück. Die zuletzt schwer unter Druck stehende Adler-Aktie stieg nach starken Schwankungen als SDax-Spitzenreiter zuletzt um 6,4 Prozent.

Ölpreisanstieg kommt der Kurserholung in die Quere

Aus Verunsicherung über den geldpolitischen Kurs der Notenbank Fed halten sich Anleger mit Engagements am US-Aktienmarkt zurück. Nach dem verlängerten Wochenende in den USA bröckelte der US-Standardwerteindex Dow Jones um 0,2 Prozent auf 33.144 Punkte ab. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq kamen ebenfalls kaum vom Fleck.

Das Fed-Führungsmitglied Christopher Waller hatte sich dafür ausgesprochen, die Zinsen über den Sommer hinaus um jeweils einen halben Prozentpunkt anzuheben. Zuvor hatten Investoren darauf gesetzt, dass die Notenbank dank einer Entspannung bei der Inflation im September eine Pause einlegen könnte. Der Teuerungsdruck habe seinen Höhepunkt aber noch nicht wirklich überschritten, sagte Anlagestratege Max Kettner von der HSBC Bank. Technisch gesehen, sei die Spitze zwar erreicht. In den kommenden Monaten komme es darauf an, wie sich die Preise in verschiedenen Bereichen entwickelten.

Vor diesem Hintergrund warteten Börsianer gespannt auf das Treffen zwischen US-Präsident Joe Biden und Fed-Chef Jerome Powell am Abend (MESZ). Die beiden wollen die Inflation und ihre Folgen erörtern. Biden verwies auf die Verantwortung der Fed bei der Bekämpfung des Preisauftriebs und betonte, keinen unangemessenen Einfluss auf Notenbank-Entscheidungen nehmen zu wollen.

Damit könnten sich die Hoffnungen auf eine positive Kursbilanz für den sonst eher schwachen Börsenmonat Mai doch noch zerschlagen. Dabei war dem US-Leitindex erst in der vergangenen Woche das größte Wochenplus seit 2020 gelungen. Schnäppchenjäger hatten erneut zugegriffen und die vermeintlich günstigeren Kurse nach dem Rutsch von Ende April bis Mitte Mai zum Einstieg genutzt. Hier halfen zuletzt auch Signale der US-Notenbank Fed, die die Anleger als Beleg für eine nur graduelle Straffung der US-Geldpolitik gewertet hatten.

Doch auch in der Fed gibt es kontroverse Meinungen: Zu Wochenbeginn sprach sich Fed-Governeur Christopher Waller für größere Zinsschritte aus, womit er die Bedenken vieler Börsianer erneut anstachelte. Die Zinspolitik der US-Notenbank dürfte nunmehr auch am Dienstag im weiteren Handelsverlauf im Rampenlicht stehen, wenn sich Fed-Chef Jerome Powell mit US-Präsident Joe Biden treffen wird.

Neben einigen Konjunkturdaten auf der Agenda wie etwa dem US-Verbrauchervertrauen dürften bei den Anlegern branchenseitig Ölwerte wegen des Preisanstiegs im Blick stehen. Die bereits stark gelaufenen Aktien von Branchenmitglied Chevron etwa verteuerten sich ebenso wie die von Konkurrent ConocoPhillips vorbörslich um rund ein Prozent. Für Marathon Oil ging es um mehr als drei Prozent hoch.

Wirtschaftsdaten stützen Asien-Börsen

Asiens wichtigste Aktienmärkte haben am Dienstag ein uneinheitliches Bild geboten. Während der Handel an der japanischen Börse einen Teil der Kursgewinne vom starken Wochenauftakt wieder einbüßte, ging es vor allem an den chinesischen Handelsplätzen aufwärts. Dafür sorgten insbesondere überraschend robuste Konjunkturdaten, die Hoffnung auf eine Erholung der von den Corona-Lockdowns gebremsten chinesischen Wirtschaft machten.

Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen des chinesischen Festlands kletterte um 1,54 Prozent auf 4091,08 Punkte. Nach dem Rückfall im April stand damit für Mai wieder ein Zuwachs zu Buche. Für den Hongkonger Hang-Seng-Index ging es am Dienstag um 1,3 Prozent auf 21.392,12 Zähler hoch. Der japanische Leitindex Nikkei 225 schloss mit einem Abschlag von 0,3 Prozent auf 27.279,80 Punkte. Für Mai ergibt sich damit ein Plus von 1,6 Prozent.

Bitcoin deutlich über 31.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 31.570 US-Dollar und damit rund 2000 Dollar höher als am Freitagabend. Die Kryptowährung hatte am Montagabend nach ihrem jüngsten Kursrutsch eine Erholungsrallye gestartet und gewann im Vergleich zum Vortag rund 8 Prozent. Der Bitcoin ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Einigung auf Öl-Embargo befeuert Ölpreise

Sorgen bereitete Investoren der erneute Ölpreis-Anstieg. Die US-Sorte WTI gewann bis zu 4,3 Prozent und war mit 119,98 Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie zuletzt vor drei Monaten. Durch das EU-Embargo eines Großteils russischer Öllieferungen müsse die Staatengemeinschaft rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag anderweitig beschaffen, rechnete Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM vor. Dies verhalf Ölkonzernen wie Exxon und Chevron zu Kursgewinnen von bis zu 2,2 Prozent.

Die Aussicht auf ein vermindertes Angebot aus Russland infolge neuer Sanktionen der Europäischen Union wegen des Ukraine-Kriegs treibt die Ölpreise. Die EU-Staaten haben sich im Streit um das geplante Öl-Embargo gegen Russland auf einen Kompromiss verständigt. Auf Drängen Ungarns sollen vorerst nur russische Öl-Lieferungen über den Seeweg unterbunden werden. Per Pipeline erfolgende Transporte werden zunächst weiter möglich sein.

Börsianer verwiesen als Antrieb für die Ölpreise insbesondere auf die Aussage von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63), wonach die Öl-Importe der Europäischen Union aus Russland trotz der Ausnahme für Pipeline-Lieferungen bis Ende des Jahres um rund 90 Prozent reduziert werden. Hintergrund dieser Zahl ist, dass Deutschland und Polen bereits deutlich gemacht haben, dass sie nicht von der Ausnahme für Pipeline-Öl profitieren wollen.

Mit Nachrichtenagenturen