Börse Dax verliert, Goldman Sachs drückt Wall Street

Der Dax entfernt sich weiter von der Marke von 16.000 Punkten. Einmal mehr drückt die Erwartung steigender Zinsen auf die Kurse. Besonders unter Druck stehen Tech-Aktien. Die US-Investmentbank Goldman Sachs enttäuscht die Anleger mit ihren Zahlen.
Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Der Dax gibt wieder nach

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse: Der Dax gibt wieder nach

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Rupert Oberhäuser/ imago images

Der Dax  hat am Dienstag in Erwartung bald steigender Zinsen wieder deutlich Federn gelassen. Anziehende Anleiherenditen waren im Gegenzug Ausdruck der neuerdings spürbaren Zinsangst. Nach einem am Vormittag erreichten Tief seit Weihnachten, das unter 15.700 Punkten lag, konnte der Leitindex seine Verluste im Verlauf aber etwas reduzieren. Über die Ziellinie ging der Dax 1,01 Prozent tiefer bei 15.772,56 Punkten. Der MDax  verlor am Dienstag letztlich 1,25 Prozent auf 34.155,36 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  sank um 0,8 Prozent.

Dax

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten hellten sich im Januar überraschend deutlich auf. Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW stieg gegenüber dem Vormonat wesentlich stärker als von Analysten erwartet. Auftrieb bekam der Aktienmarkt davon jedoch nicht.

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Infineon mit Kursrutsch

Europaweit gerieten angesichts der erwarteten Zinserhöhungen die Aktien der auf Wachstum getrimmten Technologiekonzerne abermals stark unter Druck. Im Dax rutschten Infineon um fast zwei Prozent ab. Delivery Hero sackten trotz eines optimistischen Analystenkommentars um fast zweieinhalb Prozent ab. Im MDax waren Bechtle mit einem Abschlag von viereinhalb Prozent besonders schwach.

Mit Geschäftszahlen stand der Modehersteller Hugo Boss im Blick. Der MDax-Konzern übertraf dank eines starken vierten Quartals seine Jahresziele. Die Aktien schwankten recht stark, zuletzt notierten sie wieder mit plus 1,3 Prozent erheblich fester. Die Anteilsscheine des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 sackten nach Verkaufszahlen auf ein weiteres Rekordtief, sie lagen mit einem Minus von 6,3 Prozent am MDax-Ende.

Die Anteilsscheine des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 sackten nach Verkaufszahlen auf ein weiteres Rekordtief, zuletzt lagen sie mit einem Minus von über 6 Prozent am MDax-Ende.

Zinssorgen und Goldman-Zahlen drücken Wall Street

Zinserhöhungsängste und enttäuschende Firmenbilanzen setzen der Wall Street zu. Nach dem verlängerten Wochenende fielen die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 zur Eröffnung am Dienstag um jeweils rund 1,5 Prozent.

Wegen der anhaltend hohen Inflation befürchteten Anleger raschere Zinserhöhungen der US-Notenbank, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Selbst eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt sei nicht mehr völlig ausgeschlossen. "Liest man die jüngsten Kommentare der US-Notenbanker und ihres Chefs Jerome Powell, ist nach Einschätzung der Fed die größte Gefahr für die Wirtschaft und damit den Arbeitsmarkt die Inflation."

Mit Blick auf die beginnende Berichtssaison sei das Enttäuschungspotenzial angesichts der steigenden Inflation nicht unerheblich und die anziehenden Renditen am Anleihemarkt schlügen den Anlegern zunehmend auf den Magen, erläuterte Analyst Christian Henke vom Broker IG. Es überrasche nicht, dass die Anleger an der Seitenlinie erst einmal abwarteten. Henke verwies auf die bislang veröffentlichten Quartalszahlen der großen US-Banken, die nicht überzeugt hätten. Am Freitag hatte JPMorgan enttäuscht, an diesem Dienstag ging es im vorbörslichen US-Handel auch für Goldman Sachs nach dem Quartalsbericht klar nach unten.

Bei den Aktienwerten gehörte Goldman Sachs mit einem Kursminus von 6,5 Prozent zu den Verlierern. Der Gewinn des Geldhauses sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, monierte Analyst Daniel Fannon von der Investmentbank Jefferies. Grund hierfür seien unter anderem höhere Kosten und Rückstellungen für faule Kredite. In den drei Monaten bis Ende Dezember verdiente der Finanzkonzern nach eigenen Angaben vom Dienstag unter dem Strich 3,9 Milliarden US-Dollar (3,4 Milliarden Euro) und damit 13 Prozent weniger als vor einem Jahr. Analysten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.

Dank starker Zuwächse im klassischen Investmentbanking, zu dem die Betreuung von Unternehmen bei Börsengängen sowie Übernahmen und Fusionen zählt, legten Goldmans Erträge insgesamt zwar um acht Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar zu. Doch die wichtige Handelssparte musste mit dem Abklingen des Börsenbooms in der Corona-Krise Abstriche machen. Vor allem der Handel mit Aktien spielte deutlich weniger Geld ein.

Microsoft steht vor Mega-Übernahme

Für insgesamt 68,7 Milliarden Dollar will der Softwarekonzern das Computer- und Videospiel-Unternehmen Activision Blizzard kaufen, wie Microsoft am Dienstag mitteilte. Es wäre der größte Deal in der Branche überhaupt. Die Nachfrage nach Videospielen hat seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich zugenommen.

Microsoft bietet 95 Dollar je Activision-Blizzard-Aktie, was einem Aufschlag von 45 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs von Freitag entspricht. Der Produzent von "Call of Duty" steht zur Zeit im Fokus eines Sexismus-Skandals. Im Zuge von Ermittlungen wurden 37 Mitarbeiter entlassen, wie Activision Blizzard am Montag mitteilte. 44 weitere hätten eine schriftliche Verwarnung bekommen.

Nasdaq

Überwiegend Verluste in Asien

Die asiatischen Aktienmärkte haben am Dienstag mehrheitlich geschwächelt. Dabei hielten sich die Verluste aber zumeist in Grenzen. In China knüpften unterdessen einige Indizes an ihre vorangegangenen Gewinne an. Angesichts des US-Feiertags am Montag hätten den asiatischen Börsen richtungsweisende Vorgaben gefehlt, so die Marktstrategen der Deutschen Bank. Daher habe man sich an den nachgebenden US-Futures orientiert. Zudem belasteten negative Signale vom US-Anleihemarkt, wo die Renditen weiter anzogen.

Keine großen Überraschungen brachte die geldpolitische Entscheidung der japanischen Notenbank. Die Währungshüter halten angesichts eines rasanten Wiederanstiegs der Corona-Infektionen an ihrem lockeren geldpolitischen Kurs fest. Zudem rechnet Japans Notenbank mit einem Anziehen der Preise und der Konjunktur. Die Wirtschaft ziehe nach den schweren Einbrüchen infolge der Corona-Krise offensichtlich an, hieß es.

Der japanische Leitindex Nikkei-Index  verlor 0,27 Prozent auf 28.257 Punkte. Der chinesische CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland stieg dagegen um 0,97 Prozent auf 4813 Punkte. Der Hang-Seng-Index in der Sonderverwaltungsregion Hongkong gab zuletzt um 0,75 Prozent auf 24.035 Punkte nach. Der australische S&P/ASX 200 büßte 0,12 Prozent auf 7408 Punkte ein.

Bitcoin kaum verändert

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin macht derzeit keine großen Sprünge. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn latent unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte der Bitcoin zuletzt schwächer bei knapp 42.000 Dollar.

Bitcoin

Ölpreise auf höchstem Stand seit 2014

Die Ölpreise haben am Dienstag ihre jüngste Rallye fortgesetzt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  stieg dabei auf den höchsten Stand seit 2014. Ein Fass der Nordseesorte kostete zuletzt 87,34 Dollar und damit knapp ein Prozent oder 86 Cent mehr als am Montag. In der Nacht war der Kurs bis auf 87,55 Dollar gestiegen. Auch die amerikanische Sorte West Texas Intermediate  (WTI) verteuerte sich weiter.

Brent

Die Ölpreise befinden sich seit einiger Zeit auf einem Höhenflug. So stieg der Brent-Preis allein in den ersten Wochen in diesem Jahr um rund 12 Prozent, nachdem der Kurs im vergangenen Jahr um rund die Hälfte angezogen hatte. Seit dem Tief im Corona-Crash im Frühjahr 2020 summiert sich das Plus auf fast 450 Prozent.

Mit Nachrichtenagenturen