Aktienmarkt Dax erholt sich, Lira auf Rekordtief

Am Abend gelang dem Dax eine Erholung. Die türkische Lira befindet sich im Sturzflug – mit historischen Tiefständen.
Rekord: Die türkische Lira sinkt auf einen Tiefstand.

Rekord: Die türkische Lira sinkt auf einen Tiefstand.

Foto: ERDEM SAHIN / EPA

Eine leichte Erholung der US-Technologiebörse hat am Freitag dem deutschen Aktienmarkt positive Impulse gegeben. Der Dax verringerte seine Tagesverluste im späten Handelsverlauf deutlich. Auf der Stimmung der Anleger lastete allerdings nach wie vor die sich weiter verschlechternde Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Wie das Ifo-Geschäftsklima für Dezember an diesem Freitag sichtbar machte, belastet die aktuelle Corona-Welle die Stimmung in der deutschen Wirtschaft erheblich. Der wichtigste deutsche Konjunktur-Index gab den sechsten Monat in Folge nach und fiel auf den tiefsten Stand seit Februar. Der Dax ging am Freitagabend mit einem Minus von 0,67 Prozent auf 15.531,69 Punkten aus dem Handel. Auf Wochensicht büßte das Börsenbarometer damit 0,6 Prozent ein.

Dax

Zeitweise hatte der Dax am Freitag im Zuge des Verfalls der Index-Optionen und Futures an den Terminbörsen seine Verluste um die Mittagszeit ausgeweitet. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel schloss nach einer Berg- und Talfahrt mit minus 0,04 Prozent auf 34.460,77 Punkten fast unverändert. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  verlor 0,96 Prozent auf 4161,35 Zähler.

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Auf dem Dax lastete vor allem die Autobranche. Daimler sackten als Schlusslicht um 4,2 Prozent ab. Volkswagen und die Beteiligungsgesellschaft Porsche büßten jeweils mehr als dreieinhalb Prozent ein und BMW gaben um 3,0 Prozent nach.

Daimler

Nach Startschwierigkeiten am Morgen drehten die Airbus-Papiere ins Plus und stiegen letztlich um 1,2 Prozent. Der Flugzeugbauer erhielt von Air France-KLM einen Auftrag über 100 Mittelstreckenjets.

Türkische Lira stürzt auf Rekordtief

Im Sturzflug befindet sich die türkische Lira. Am Freitag wurden zu Dollar und Euro abermals historische Tiefstände markiert. Für einen Dollar mussten im Gegenzug erstmals mehr als 17 Lira gezahlt werden, für einen Euro waren erstmalig mehr als 19 Lira fällig. An der türkischen Börse brachen die Aktienkurse so stark ein, dass der Handel zeitweise ausgesetzt wurde. Hintergrund ist das rapide schwindende Vertrauen in die Geld- und Wirtschaftspolitik des Landes.

Am Donnerstag hatte die Notenbank des Landes ihre Zinssenkungen trotz hoher Inflation fortgesetzt. Zugleich kündigte sie ein vorläufiges Ende der Lockerungen an, um ihre geldpolitische Strategie zu prüfen. In Reaktion auf den starken Kursverfall am Freitag interveniert die Notenbank das fünfte Mal innerhalb eines Monats am Devisenmarkt, ohne nennenswerten Erfolg.

Dow Jones schwach

Belastet von Kursverlusten konjunkturabhängiger Werte gibt die Wall Street nach. Der US-Standardwerteindex Dow Jones und der breit gefasste S&P 500 verloren am Freitag jeweils rund ein Prozent auf 35.476 beziehungsweise 4637 Punkte. Der technologielastige Nasdaq lag nur knapp im Minus.

Institutionelle Anleger betrieben zum Abschluss der letzten vollen Handelswoche des Jahres Bilanzkosmetik, sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Spartan. So trennten sich einige aus steuerlichen Gründen von Beteiligungen. "Die Grundstimmung zum Jahreswechsel ist gut, allerdings hängt alles von den Konjunkturaussichten ab. Die US-Notenbank Fed erwartet für 2022 ein robustes Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft und möchte daher die Zinsen in den kommenden Monaten dreimal anheben.

Nasdaq

Fedex steigt gegen den Trend

Optimistischer blickt Fedex in die Zukunft. Der Paketzusteller kehrt zu seinen ursprünglichen Geschäftszielen zurück, obwohl Personalengpässe und dadurch entstandene Zusatzkosten die Margen schmälerten. Die Ertragskraft liege aber immer noch leicht über den Erwartungen, lobte Analyst Matthew Young vom Research-Haus Morningstar. Das Wachstum habe sogar 14 Prozent über seinen Prognosen gelegen. Fedex-Aktien stiegen daraufhin um bis zu 9,2 Prozent, so stark wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Der Rivale UPS gewann 0,4 Prozent.

AMC gefragt

Gefragt waren auch die Papiere von AMC, die sich um 22 Prozent verteuerten. Dem Unternehmen zufolge strömten über eine Million Besucher in seine US-Kinos, um den neuen Film "Spider-Man: No Way Home" zu sehen. Dies sei der größte Ansturm der seit Anfang 2021. Lediglich "Avengers: Endgame" habe am Tag der Kino-Premiere mehr Geld eingespielt. AMC betreibt auch zahlreiche Lichtspielhäuser in Deutschland.

Oracle-Aktien stark gefallen

Die Aktien von Oracle fielen dagegen um fast sechs Prozent. Dem "Wall Street Journal" zufolge will der SAP-Rivale den IT-Dienstleister Cerner für 30 Milliarden Dollar kaufen. Verglichen mit anderen Übernahmen in dem Sektor sei der Preis mehr als fair, sagte Analyst Charles Rhyee vom Vermögensverwalter Cowen. Strategisch sei es ebenfalls sinnvoll. Cerner-Titel stiegen zeitweise um gut 16 Prozent auf ein Rekordhoch von 92,34 Dollar. Das ist der größte Kurssprung seit neun Jahren.

Asien auf Tauchstation

Die Furcht vor einer schnellen Straffung der Geldpolitik hat die asiatischen Börsen zum Wochenschluss auf Talfahrt geschickt. Eine Reihe von Zentralbanken hatte in den vergangenen Tagen die wachsende Bedrohung durch einen Anstieg der weltweiten Inflation unterstrichen und angekündigt, ihre Krisenprogramme auslaufen zu lassen. Angesichts der jüngsten Zentralbankpläne dürfte zum Jahresende bei den Anlegern nun die Vorsicht überwiegen, sagte Tomoichiro Kubota vom Broker Matsui Securities.

In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index am Freitag 1,8 Prozent auf 28.545 Punkte, der breiter gefasste Topix-Index gab 1,4 Prozent nach. An der Börse im chinesischen Shanghai ging es ebenfalls bergab – sie verlor 1,2 Prozent. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gab 1,6 Prozent nach. Für Unsicherheit sorgte auch erneut die neue Coronavirus-Variante Omikron. Investoren fürchten einen konjunkturellen Rückschlag, sollten die Infektionszahlen noch einmal deutlich in die Höhe schnellen

Bitcoin unter Druck

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte am Freitagabend auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 41.500 Dollar. Das war etwas weniger als am Vortag.

Bitcoin

Ölpreise geben nach

Die Ölpreise haben nachgegeben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 73,64 US-Dollar. Das waren 1,38 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,18 Dollar auf 71,20 Dollar.

Brent

Am Ende einer Woche mit teils widersprüchlichen Konjunktursignalen überwogen am Rohölmarkt die pessimistischen Töne. Nach wie vor machen sich die Anleger Sorgen über die wirtschaftlichen Auswirkungen der besonders ansteckenden Corona-Variante Omikron. In vielen Ländern werden die Gegenmaßnahmen wieder verschärft, was die ökonomische Aktivität und damit die Erdölnachfrage dämpfen dürfte.

Mit Nachrichtenagenturen