Börse Wall Street schiebt Dax an

Dank einer festen Wall Street schließt der Dax am Mittwoch im Plus. Papiere von RWE setzen sich mit satten Gewinnen an die Spitze des Index. Die Ölpreise geben deutlich nach. Der Bitcoin notiert unter 19.000 Dollar.
Gewinne in den USA: Dax schließt am Mittwoch fest im Plus

Gewinne in den USA: Dax schließt am Mittwoch fest im Plus

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Dax hat nach einem über weite Strecken verlustreichen Handel am Mittwoch im Plus geschlossen. Dabei half ab der zweiten Handelshälfte der Rückenwind von den positiven US-Aktienmärkten. Der deutsche Leitindex stieg um 0,35 Prozent auf 12.915,97 Punkte, nachdem er im Tagesverlauf noch bis zu 1 Prozent verloren hatte. Vor der erwarteten Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) hätten viele Anleger zunächst kein großes Wagnis mehr eingehen wollen, hieß es dazu aus dem Markt.

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Auch der MDax  der mittelgroßen Unternehmen arbeitete sich nach den jüngsten Verlusten bis zum Abend auf positives Terrain vor und schloss mit einem Aufschlag von 0,45 Prozent auf 24.996,30 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  stand 0,9 Prozent tiefer. Etwas verhaltener verlief zur Wochenmitte der Handel auf europäischer Bühne. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  schloss nahezu unverändert mit plus 0,06 Prozent bei 3502,09 Punkten.

US-Börsen mit Gewinnen

An der New Yorker Wall Street notierten die wichtigsten Aktienindizes deutlich im grünen Bereich. Nach dem jüngsten Kursrutsch nutzen Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg. Die Leitindizes Dow Jones rückte gegen 18.40 Uhr (MEZ) um 0,92 Prozent auf 31.432 Zähler vor. Der marktbreitere S&P 500 gewann rund 1 Prozent auf 3951 Zähler und der Technologie-Index Nasdaq 100 verbesserte sich um rund 1,2 Prozent auf 12.154 Punkte.

Unternehmensseitig sind die Blicke auf Apple gerichtet: Wenn der Technologiekonzern am Abend zu einer Neuheiten-Präsentation geladen hat, wird damit gerechnet, dass darunter eine neue iPhone-Generation sein wird. Erwartet werden auch neue Modelle der Computer-Uhr Apple Watch sowie der kabellosen Airpods-Ohrhörer. In Präsenz vor Ort ist es Apples erstes großes Neuheiten-Event seit Beginn der Corona-Pandemie. Anleger positionierten sich abwartend, der Kurs bewegte sich vorbörslich nicht groß.

Konstantin Oldenburger von CMC Markets beschrieb die Stimmung am deutschen Aktienmarkt als recht ruhig vor der mit großer Spannung erwarteten Sitzung der Europäischen Zentralbank. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die EZB am Donnerstag mit einer Zinserhöhung von 0,75 Prozentpunkten auf die sehr hohe Inflation reagieren wird. Die Zentralbank sei zum Handeln gezwungen, mit zögerlichen Zinsschritten sei die enorme Preissteigerung nicht in den Griff zu bekommen, konstatierte Analyst Christian Henke vom Handelshaus IG.

An der Dax-Spitze schnellten Aktien von RWE um rund 7,2 Prozent hoch nach einem möglichen Vorschlag aus der EU-Kommission. Dieser sieht laut einem Entwurf vor, Einnahmen aus Strom, der nicht aus Gas produziert wird, auf 200 Euro pro Megawattstunde zu begrenzen. Summen, die darüber hinausgehen, sollen etwa an Verbraucher umverteilt werden, wie aus einem ersten Entwurf für ein Gesetz hervorgeht.

Die Analysten von Goldman Sachs stuften die genannte Obergrenze als recht hoch ein und werteten dies als eine gute Nachricht für die Branche. Dies bescherte auch dem Solar- und Windparkbetreiber Encavis Kursgewinne von 10 Prozent und damit den ersten Platz im MDax. Die Aktien des von Gaslieferungen besonders abhängigen Uniper-Konzerns reduzierten nach einem weiteren Rekordtief ihren Verlust auf rund ein halbes Prozent.

Deutsche Bank-Aktie am Dax-Ende

Aktien der Deutschen Bank verloren am Dax-Ende knapp 2 Prozent. Vorstandschef Christian Sewing hält einen Wirtschaftsabschwung für unvermeidlich und rechnet in den nächsten Monaten mit Kreditausfällen in der Branche, jedoch seien diese verkraftbar.

Thyssenkrupp-Aktien sprangen kurz vor Handelsschluss kräftig an und verteuerten sich um mehr als 5 Prozent. Börsianer verwiesen auf einen Pressebericht, wonach der zuletzt noch auf Eis gelegte Börsengang für das Wasserstoffgeschäft Nucera bald erfolgen könnte. Bereits in der kommenden Woche könnte der Konzern den formellen Prozess eines Börsengangs einleiten, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Fachportals "Dealreporter".

Spekulationen treiben Thyssenkrupp-Aktie

Um 3,3 Prozent nach unten ging es für die Anteile des Energietechnikkonzerns Siemens Energy, der für die geplante vollständige Übernahme seiner Windkrafttochter Gamesa den Kapitalmarkt mit einer Wandelanleihe angezapft hat.

Bitcoin fällt unter 19.000 Dollar

Der Bitcoin notierte der Handelsplattform Bitstamp  weiter knapp unter der Marke von 19.000 Dollar, unter die die weltweit bekannteste Digitalwährung in der Nacht zu Mittwoch gefallen war. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise fallen auf mehrmonatige Tiefstände

Die Ölpreise haben am Mittwoch angesichts wachsender Konjunktursorgen deutlich nachgegeben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  sank auf 89,38 US-Dollar. Das waren 3,46 Dollar weniger als am Vortag. Mit 88,92 Dollar fiel der Brent-Preis erstmals seit Februar zeitweise unter die Marke von 89 Dollar. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) gab um 3,74 Dollar auf 83,17 Dollar nach. Hier wurde mit 82,76 Dollar sogar der niedrigste Stand seit Januar erreicht. Beide Ölpreise notieren damit unter Niveaus, die sie vor Kriegsbeginn in der Ukraine am 24. Februar hatten.

Derzeit lasten vor allem die weltweit trüben Konjunkturaussichten auf den Ölpreisen. Dies dämpft die Nachfrage nach Rohöl. Die Leitzinserhöhungen wichtiger Notenbanken belasten die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich. Hinzu kommt die harte Corona-Politik Chinas, die weiter die Lieferketten stört und die Nachfrage aus China dämpft. Der starke Wechselkurs des Dollar belastet die Nachfrage nach Rohöl in anderen Währungsräumen, da Rohöl in der US-Devise gehandelt wird.

Der Ölverbund Opec+ hat auf die fallenden Preise bereits reagiert. In dieser Woche drosselten die rund 20 Förderländer ihre Produktion, wenn auch nur leicht. Analysten interpretierten den Schritt als Bekenntnis zu weiteren Kürzungen, falls diese erforderlich werden sollten. Der Schritt hat die Märkte offenbar nicht dauerhaft überzeugt.

Mit Nachrichtenagenturen
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