Börse Dax rutscht ab, Nasdaq legt wieder zu

Apple hebt die Stimmung im US-Techsektor. Doch der deutsche Leitindex Dax rutscht trotz der Apple-Kursrallye weiter ab. Besonders hart erwischt es die Henkel-Aktie.
Börse: Die Schwankungen nehmen zu

Börse: Die Schwankungen nehmen zu

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Die Talfahrt des deutschen Aktienmarktes geht weiter. Der Dax gab am Freitag erneut nach und baute seine Verluste zeitweise auf mehr als 2 Prozent aus. Zum Handelsschluss auf Xetra grenzte der deutsche Leitindex seine Verluste etwas ein und schloss dann 1,3 Prozent tiefer bei 15.318 Punkten. Im Wochenverlauf steht nun ein Verlust von 1,8 Prozent zu Buche.

Aus Angst, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, scheuten Investoren längerfristige Engagements, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Starke Rücksetzer werden zu Käufen genutzt. In Erholungen hinein werden aber auch schnell Gewinne mitgenommen." Jetzt schon von Einstiegskursen zu sprechen, sei riskant.

Der MDax büßte am Freitag 0,46 Prozent auf 33 074,81 Zähler ein und auch europaweit ging es erneut abwärts, während die Indizes in den USA zum europäischen Börsenschluss leichte Gewinne verbucht wurden. Der EuroStoxx 50 gab um 1,15 Prozent auf 4136,91 Punkte nach. In den USA gewann der Dow Jones Industrial zuletzt 0,6 Prozent, der Nasdaq 100 legte um knapp 2 Prozent zu.

Große Schwankungen dürften das Börsengeschehen laut dem Marktanalysten Edward Moya vom Broker Oanda noch einige Zeit prägen. Denn die Schnäppchenjäger hätten neben "buy the dip" - ein neues Motto, nämlich "sell the rally". Sie suchten also bei gefallenen Kursen immer wieder ihre Chance, aber eher nicht für längerfristige Anlagen. Die Schwankungen am Aktienmarkt bleiben hoch, nachdem die Fed ihre Pläne für Zinserhöhungen ab März vorgestellt hatte.

Dax

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Henkel-Aktie stürzt nach Zahlen ab, Sartorius startet Erholungsversuch

Bei den Dax-Unternehmen rückte Henkel  ins Rampenlicht. Der Konsumgüterkonzern steigerte den Umsatz 2021 um 7,8 und den Gewinn um 9,2 Prozent. Für 2022 stellte der "Persil"-Anbieter ein Erlös-Wachstum von zwei bis vier Prozent in Aussicht. Die Zahlen für das abgelaufene Jahr seien in Ordnung, sagte ein Börsianer, der Ausblick enttäusche aber. Henkel-Aktien fielen um fast 12 Prozent, so stark wie zuletzt beim Corona-Börsen-Crash vom März 2020. Sie waren damit größter Verlierer im Dax 40.

Dagegen starteten die zuletzt eingebrochenen Corona-Gewinner nach ihrem Kursrutsch einen Erholungsversuch. Die Aktie von Sartorius  legte rund 4 Prozent zu und gehörte damit zu den größten Gewinnern im Dax 40. Damit sind sie nun im noch jungen Jahr 2022 auch nicht mehr der größte Verlierer im Dax. Die rote Laterne hält nun Delivery Hero mit einem Minus von rund 35 Prozent, während die Sartorius-Aktie den Verlust seit Jahresbeginn auf rund 22 Prozent verringern konnte.

Infineon machten im zeitweise besonders schwachen europäischen Branchenindex Stoxx 600 Technology keine Ausnahme. Letztlich sackten sie um 3,6 Prozent ab, während SAP um 2,4 Prozent nachgaben und Delivery Hero um 3,8 Prozent. Im MDax büßten Aixtron 2,4 Prozent ein. Im Bernecker Börsenbrief an diesem Tag hieß es: "Die Rotation von Tech zu Value läuft." Die "Chipadressen" seien nun die nächsten, und davon seien auch Infineon und STMicro betroffen.

Der Euro kostete am frühen Abend 1,1160 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1138 (Donnerstag: 1,1160) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8978 (0,8961) Euro. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite auf minus 0,18 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 143,49 Punkte.Der Bund-Future verlor am Abend 0,12 Prozent auf 170,00 Zähler.

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Asiens Börsen überwiegend im Plus

Ermutigende Bilanzen einiger Technologiekonzerne locken Anleger an die asiatischen Aktienmärkte zurück. Der japanische Nikkei-Index und der südkoreanische Kospi stiegen am Freitag um jeweils etwa zwei Prozent auf 26.717 beziehungsweise 2663 Punkte.

Die chinesische Börse Shanghai konnte dagegen ihre anfänglichen Gewinne nicht halten und büßte ein knappes Prozent ein. Gefragt waren vor allem Technologiewerte, nachdem Apple einen Rekord-Quartalsumsatz vorgelegt hatte.

USA: Dow dreht ins Plus, Apple stützt Nasdaq

Die New Yorker Börsen setzen ihre Berg- und Talfahrt am Freitag mit weiteren Schwankungen fort. Starke Apple -Zahlen waren den Anlegern in Zeiten der Zinssorgen ein gewisser, aber nicht ausreichender Trost. Der Dow Jones Industrial hatte schon etwa ein Prozent verloren, drehte dann aber ins Plus und notierte am Abend zuletzt 0,6 Prozent fester. "Die Volatilität und die Risiken sind gestiegen und das wird erst einmal so bleiben", hieß es am Freitag vom Commerzbank-Anlagestrategen Chris-Oliver Schickentanz auch wegen des Ukraine-Konflikts.

Während Apple mit einem Rekordquartal und klaren Kursgewinnen aufwarten konnte, schaffte es der technologielastige Nasdaq 100 zuletzt mit 1,7 Prozent ins Plus auf 14.241 Zähler. Mit mehr als drei Prozent hat er in dieser Woche bislang besonders deutlich nachgegeben. Die Aktie von Apple verbuchte unterdessen mit einem Plus von 5 Prozent das größte Kursplus seit fast einem Jahr. Apple hat im vierten Quartal trotz der globalen Chip-Knappheit erneut Rekordzahlen eingefahren.

Nasdaq 100

Nasdaq

Visa nach Gewinnsprung gefragt

Mit etwa sechs Prozent zum größten Dow-Gewinner wurden die Aktien von Visa. Der Kreditkartenkonzern erwirtschaftete im vierten Quartal einen Gewinn- und Umsatzsprung. Stützend wirkte aber auch die Aussage, dass die Ausgaben der Verbraucher wieder anziehen. Auch beim Konkurrenten Mastercard hatte es dafür zuletzt Anzeichen gegeben, dessen Aktien stiegen nun nochmals um 3,2 Prozent.

Am unteren Dow-Ende versammelten sich neben den Aktien von Boeing und 3M, die jeweils ihren Abwärtstrend mit erreichten Tiefs seit mindestens einem Jahr fortsetzten, auch einige Unternehmen nach Zahlenvorlagen. Nach einem Rekordhoch am Vortag und einer enttäuschenden Gewinnentwicklung sacken die Papiere von Chevron besonders deutlich um 4,5 Prozent ab.

Die rote Laterne hielt im Dow aber Caterpillar mit einem Kursrutsch um 5,4 Prozent. Nach dem Gewinneinbruch im ersten Jahr der Pandemie lief es für den Baumaschinenhersteller 2021 wieder besser. Am Markt hieß es aber, es werde kritisch gesehen, dass der Konzern mit einer nachlassenden Nachfrage wegen einer Abkühlung im Bausektor rechne.

Netflix erholt sich von Absturz: Hedgefonds Pershing ist nun größter Einzelaktionär

Bei den Technologiewerten zählte Netflix mit einem Kursplus von zeitweise fast zehn Prozent zu den Favoriten. Das ist der größte Kurssprung seit einem Jahr. Am Handelsende reichte es noch zu einem Aufschlag von 7,5 Prozent. In einem Brief an Klienten teilte der Hedgefonds Pershing Square des Milliardärs William Ackman mit, er habe die jüngsten Kursverluste der Online-Videothek genutzt, um Anteile im Volumen von fast einer Milliarde Dollar zu kaufen. Pershing sei nun mit 20 Prozent größter Aktionär von Netflix. In den vergangenen Tagen waren die Papiere wegen eines düsteren Ausblicks zeitweise um rund 30 Prozent eingebrochen.

Dollar-Index auf 18-Monats-Hoch

Dem Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gaben die Aussichten auf eine Straffung der US-Geldpolitik Auftrieb. Er stieg zeitweise auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 97,299 Punkten. Parallel dazu entspannte sich die Lage am Anleihemarkt. Investoren griffen wieder bei US-Bonds zu und drückten die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Treasuries auf 1,785 Prozent.

Bitcoin fällt unter 37.000 US-Dollar

Kryptowährungen gaben am Freitag gegenüber Vortag wieder nach. So kostete ein Bitcoin am Morgen rund 36.500 US-Dollar, nachdem er am Vortag noch bei 38.000 Dollar notiert hatte. Seit seinem Rekordhoch bei 67.000 Dollar hatte Bitcoin damit zeitweise mehr als die Hälfte seiner Marktkapitalisierung eingebüßt, bevor am Dienstag eine erste Erholung einsetzte. Der Handel bleibt volatil.

Bitcoin

Bitcoin

Die Erzählung, dass Kryptowährungen wie Bitcoin wie ein Inflationsschutz funktionierten, da die Anzahl von Bitcoin begrenzt sei, hat sich unterdessen als Irrtum erwiesen. Während Anleger Zuflucht in Gold suchen, hat sich der Verkaufsdruck auf Bitcoin und andere Cyberwährungen in den vergangenen Wochen stark erhöht – sie haben noch stärker nachgegeben als die Kurse am Aktienmarkt.

Ölpreise nahe Siebenjahreshoch

Am Rohölmarkt erreichte die Nordsee-Sorte Brent Oil mit 90 Dollar das höchste Niveau seit sieben Jahren. Die US-Sorte WTI blieb je Barrel (159 Liter)ebenfalls auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten Siebeneinhalb-Jahres-Hoch. Grund hierfür seien die anhaltenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Es besteht weiterhin die Sorge, dass es im Falle einer militärischen Eskalation zu einer Beeinträchtigung der russischen Öl- und Gaslieferungen kommen könnte." Vor diesem Hintergrund gewannen Aktien von Ölkonzernen wie Exxon und Chevron bis zu zwei Prozent.

Brent

Zu Wochenbeginn wurden die Erdölpreise erheblich durch die schlechte Stimmung an den Aktienmärkten belastet. Ungeachtet dessen haben sich die Ölpreise zuletzt etwas von ihren siebenjährigen Höchstständen entfernt, die sie in der vergangenen Woche markiert hatten. Für prinzipiellen Preisauftrieb sorgt ein knappes Angebot bei einer steigenden Nachfrage. Die aktuelle Omikron-Welle dämpft die Entwicklung zwar, allerdings weit weniger als frühere Corona-Wellen. Ausschlaggebend ist, dass die kurzfristigen gesundheitlichen Folgen der Omikron-Variante des Virus in der Regel weniger drastisch sind.

Mit Nachrichtenagenturen