Börse Dax steigt trotz Sorgen um Konjunktur und Zinsen

Notenbank-Chef Jerome Powell hat für die USA schnellere Zinserhöhungen avisiert. Anleger lassen sich davon nicht abschrecken. Dax und Dow Jones steigen.
Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Anleger greifen wieder zu

Deutsche Börse in Frankfurt am Main: Anleger greifen wieder zu

Foto: Frank Rumpenhorst/ DPA

Nach dem verhaltenen Start in die Woche hat der Dax  am Dienstag wieder an seine jüngste Erholung angeknüpft. Die Anleger gingen ungeachtet des Ukraine-Kriegs und trotz Zins- und Rezessionssorgen wieder mehr ins Risiko und schoben den deutschen Leitindex bis Handelsschluss um 1,02 Prozent auf 14.473 Punkte an. Stellenweise war es im Handelsverlauf erneut über die psychologisch wichtige Marke von 14.500 Zählern gegangen.

Nach den jüngsten Signalen von US-Notenbankchef Jerome Powell in Richtung einer womöglich noch schnelleren Straffung der Geldpolitik waren am Dienstag europaweit Finanzwerte äußerst gefragt. Für etwas Entspannung sorgte zudem, dass die Ölpreise nach ihrer jüngsten Rally zumindest vorerst nicht weiter stiegen. Der MDax  der mittelgroßen Börsenkonzerne, der tags zuvor anders als der Dax leicht zugelegt hatte, ging nun mit plus 0,74 Prozent bei 31.915 Zählern aus dem Handel.

Gewinne verzeichneten auch die wichtigsten europäischen Handelsplätze: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  schloss mit 1,14 Prozent Aufschlag bei 3926 Zählern. In Paris und London waren die Vorzeichen ebenfalls positiv.

Dax

Nach einem Anstieg um bis zu 17 Prozent in anderthalb Wochen war die rasante Dax-Erholung Mitte der Vorwoche bei 14.553 Punkten ins Stocken geraten. Ohne neue Perspektiven im Ukraine-Krieg war der Leitindex in eine leichte Konsolidierung übergegangen.

Einen zusätzlichen Dämpfer gab US-Notenbankchef Jerome Powell, der am Montagabend angesichts der "viel zu hohen" Inflationsrate die Möglichkeit schnellerer Leitzinserhöhungen avisierte. Zudem warnte Powell, der russische Angriffskrieg in der Ukraine könnte "bedeutende Folgen" für die globale Wirtschaft und auch das Wachstum in den USA haben. Das Ausmaß dieser Effekte sei derzeit noch "hochgradig unsicher".

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Adidas und Puma gefragt

Die Aktien der Deutschen Bank setzten sich mit einem Kursplus von 5,0 Prozent an die Dax-Spitze. Die Papiere der Commerzbank gewannen 4,3 Prozent und waren zweitbester MDax-Wert.

Noch besser im MDax waren nur noch die Titel von Nemetschek mit einem Kurssprung um 7,6 Prozent. Der auf Bau- und Designsoftware spezialisierte Anbieter rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus zwischen 12 und 14 Prozent. Nach unerwartet guten Zahlen des Konkurrenten Nike legten die Papiere von Adidas und Puma um 2,3 beziehungsweise 2,9 Prozent merklich zu.

US-Börsen setzen Erholungskurs fort

US-Anleger haben den ersten Schreck über eventuell aggressivere Zinserhöhungen der Notenbank Fed überwunden. Sie kehrten am Dienstag an die Wall Street zurück und bescherten den Leitindizes Dow Jones und S&P 500 Kursgewinne von jeweils etwa einem Prozent auf 34.824 beziehungsweise 4510 Punkte. Der technologielastige Nasdaq rückte fast zwei Prozent vor.

Bereits am Vortag hatte Notenbankchef Jerome Powell angesichts der "viel zu hohen" Inflationsrate die Möglichkeit schnellerer Erhöhungen des Leitzinses ins Spiel gebracht. Die Fed könnte den Leitzins bei den kommenden Sitzungen des Zentralbankrats bei Bedarf auch jeweils um mehr als 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Die Äußerungen Powells hatten jedoch nur kurz Verunsicherung ausgelöst und wurden am Dienstag positiv interpretiert.

"Bei den Aktienanlegern überwiegt weiterhin das Vertrauen in die Fed", sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hier gingen alle davon aus, dass die Fed den Leitzins nur so stark erhöhen wird, dass es der Wirtschaft nicht schadet.

Analyst Jeffrey Halley von Broker Oanda aber warnte vor zu viel Sorglosigkeit. Neben den Zinserhöhungen verweist er auf Überlegungen der Fed, auch die durch Corona-Hilfsprogramme angeschwollene Bilanz zu reduzieren, was in der Wirkung etwa einem weiteren Zinsschritt entspräche. Da komme die Frage auf, ob die Wachstumsprognosen der Fed für die Wirtschaft in diesem Umfeld stimmten. Der abrupte Wechsel von einer lockeren zu einer straffen Geldpolitik, während der Ukraine-Krieg eine weitere kostentreibende Inflationswelle über die Welt schicke, erwecke kein Vertrauen. Gleichzeitig sei ein Ende des Krieges nicht erkennbar.

Nike-Aktien springen um 5 Prozent nach oben

An der Dow-Spitze schnellten die Aktien von Nike um rund fünf Prozent in die Höhe. Der Konzern beschleunigte sein Umsatzwachstum im dritten Geschäftsquartal. Analysten reagierten mit höheren Kurszielen. Expertin Kate McShane von der Bank Goldman Sachs lobte insbesondere das China-Geschäft, das sich gegenüber dem Vorquartal unerwartet stark verbessert habe.

Unter den Finanzwerten zogen die Anteilsscheine von Goldman Sachs um knapp zwei und die von JPMorgan um fast drei Prozent an. Höhere Zinsen würden die Ertragskraft der Großbanken stärken.

Für die in New York gelisteten Papiere des chinesischen Internet-Riesen Alibaba ging es sogar um gut 12 Prozent nach oben, nachdem dieser weitere, milliardenschwere Aktienrückkäufe angekündigt hatte.

Die Anteilsscheine des englischen Fußballclubs Manchester United profitierten mit einem Plus von mehr als ein Prozent auf knapp 14 US-Dollar von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Analyst Connor Murphy sieht deutliches Kurspotenzial bis 18 Dollar. Die im Vergleich zur Branche niedrige Aktienbewertung sei nicht angebracht. Manchester United sei eines der weltweit bekanntesten und wertvollsten Sport-Franchises.

Nasdaq

Asiens Börsen im Plus

Die Leitindizes in Asien verbuchten Gewinne. Der Nikkei stieg um 1,4 Prozent auf 27.192 Punkte. Die Börse Shanghai notierte kaum verändert bei 0,3 Prozent und 3263 Zählern, während der Hang Seng um 2,1 Prozent auf 21.665 Zähler zulegte.

Sorgen bereitete Börsianern allerdings die Coronavirus-Ausbrüche in China. Das Vertrauen vieler ausländischer Investoren in die Regierung sei erschüttert, sagte Dan Wang, Chef-Volkswirt der Hang Seng Bank China. Das müsse sie zurückgewinnen, indem sie nicht nur die Pandemie bekämpfe, sondern auch die Regulierung für die heimischen Technologiefirmen lockere.

Bitcoin auf höchstem Stand seit Anfang März

Die Digitalwährung Bitcoin hat am Dienstag den höchsten Stand seit Anfang März erreicht. In der Spitze stieg der Kurs der ältesten und nach Marktwert größten Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp  auf rund 42.621 Dollar.

Bitcoin

Die zweitgrößte Digitalanlage Ether stieg auf rund 3000 Dollar. Der Wert aller rund 18.000 Kryptowerte betrug nach Angaben von Coinmarktetcap rund 1,9 Billionen Dollar. Das Rekordhoch vom vergangenen November von gut 2,9 Billionen Dollar liegt damit noch weit entfernt. Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben Cyberdevisen wieder zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise haben am Dienstag den starken Anstieg der vergangenen Handelstage vorerst nicht fortgesetzt. Nach starken Preisschwankungen im Handelsverlauf ging es mit den Notierungen zuletzt leicht nach unten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 115,13 US-Dollar. Das waren 49 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 67 Cent auf 111,45 Dollar.

Brent

Wie stark die Preisschwankungen ausfielen, zeigte die Entwicklung beim Brent-Preis, der sich zwischen einem Tageshoch bei 119,48 Dollar und einem Tagestief bei 112,64 Dollar bewegte. Nach wie vor bleibt der Krieg in der Ukraine das beherrschende Thema. Zuletzt hatten Spekulationen auf weitere Sanktionen gegen Russland die Ölpreise stark nach oben getrieben. An den Märkten wird es für möglich gehalten, dass die Europäische Union (EU) ein Importstopp auf russisches Erdöl in Erwägung ziehen könnte.

Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Carsten Fritsch von der Commerzbank ist es aber nicht klar, ob es tatsächlich zu einem Importverbot der EU für russisches Öl kommen könnte. "Die Abhängigkeit einiger EU-Mitgliedsländer von russischem Öl ist zu hoch, um dieses kurzfristig problemlos ersetzen zu können", sagte Fritsch.

Der Commerzbank-Experte verwies auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Demnach hätten die europäischen OECD-Länder im vierten Quartal 2021 knapp vier Millionen Barrel Rohöl pro Tag aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingeführt. Davon dürfte der größte Teil auf Russland entfallen sein.

Mit Nachrichtenagenturen