Börse Dax hält sich stabil, US-Börsen stützen

Der Dax schließt mit einem kleinen Minus. Unterstützung kam am Nachmittag von den US-Börsen, die freundlich in den Handel starteten.
Aktienhändlerin in Frankfurt: Der Dax hat sich von seinem jüngsten Rückschlag etwas erholt

Aktienhändlerin in Frankfurt: Der Dax hat sich von seinem jüngsten Rückschlag etwas erholt

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Der Dax  hat am Donnerstag kaum verändert geschlossen. Im gesamten Handelsverlauf war der deutsche Leitindex zwischen moderaten Gewinnen und Verlusten gependelt. Unterstützung kam am Nachmittag von den US-Börsen, die freundlich in den Handel starteten. Vor allem die überwiegend mit Technologie-Aktien bestückte Nasdaq-Börse legte im Verlauf immer weiter zu.

Der Dax gab zum Handelsschluss minimale 0,07 Prozent auf 14.274 Punkte nach. Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte sank um 0,62 Prozent auf 31.347 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,15 Prozent auf 3863 Punkte abwärts.

Im Mittelpunkt stehen weiter der Krieg in der Ukraine und dessen wirtschaftliche Folgen. Am Vortag hatte der russische Diktator Wladimir Putin bekannt gegeben, dass Gaslieferungen nach Europa künftig in Rubel bezahlt werden müssten. Damit rückt ein Lieferstopp russischen Gases näher, was die Energiepreise weiter in die Höhe treibt.

Dax

Die Marktexperten der Credit Suisse begründeten den gestrigen Rückschlag vor allem mit dem weiter gestiegenen Ölpreis, der die Inflationssorgen verstärkt habe. Russland hatte am Mittwoch mit seiner Reaktion auf die Rubel-Schwäche im Zuge der Sanktionen für Aufregung am Energiemarkt gesorgt. Das Land verlangt nun von "unfreundlichen Staaten" für Gaslieferungen die Zahlung in russischer Währung. Die Preise für Öl der Sorte Brent sprangen um 5 Prozent und für Erdgas in Europa gar um 30 Prozent nach oben.

An der Londoner Metallbörse LME steigt der Preis für Nickel erneut um die maximal möglichen 15 Prozent. Zuletzt kostete die Tonne 37.235 Dollar. Spekulationen auf Lieferausfälle Russlands und einem dadurch noch stärker verknappten Angebot des zur Stahl-Herstellung benötigten Metalls treiben Händlern zufolge die Kurse.

Daimler Truck nach Zahlen gefragt: Lkw-Hersteller bleibt optimistisch

Unter den Einzelwerten machten die Aktien von Daimler Truck einen Kurssprung um 7,1 Prozent nach oben und setzten sich mit Abstand an die Dax-Spitze. Der im Dezember vom ehemaligen Daimler-Konzern abgespaltene Nutzfahrzeughersteller hatte sich zuvor zuversichtlich für 2022 geäußert.

Am Dax-Ende standen die Aktien von Heidelbergcement mit einem Verlust von 4,4 Prozent. Der Baustoffkonzern will nach einem Milliardengewinn zwar mehr an seine Aktionäre ausschütten, Analysten hatten aber mehr erwartet.

Die Papiere von Rheinmetall gingen mit plus 8,9 Prozent als MDax-Spitzenreiter aus dem Tag. Auch die Aktien des Rüstungselektronik-Herstellers Hensoldt legten mit plus 3,6 Prozent deutlich zu.

Dagegen drückte Jungheinrichs Eingeständnis, die Markterwartungen für 2022 nicht erfüllen zu können, die Laune der Aktionäre des Gabelstaplerherstellers weiter. Mit einem Minus von 17 Prozent waren die Aktien schwächster MDax-Wert, nachdem sie bereits in den Tagen zuvor nachgegeben hatten. Auch die Papiere des Wettbewerbers Kion verstärkten ihre Talfahrt und büßten 13,0 Prozent ein.

Anleger kehren an US-Börse zurück

Nach dem jüngsten Kursrutsch kehren einige Anleger an die Wall Street zurück. Der US-Standardwerteindex Dow Jones stieg am Donnerstag um 0,7 Prozent auf 34.612 Punkte. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq rückten jeweils rund ein Prozent vor.

Schnäppchenjäger seien wieder auf der Pirsch und pickten sich diejenigen Branchen heraus, die zuvor unter die Räder gekommen seien, sagte Art Hogan, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters National Securities. Hierzu gehörten die großen Technologiewerte. So legten die Aktien von Apple oder der Google-Mutter Alphabet jeweils mehr als ein Prozent zu. Noch beherzter griffen sie bei Chip-Herstellern zu: Die Titel von Intel und NVidia verbuchten Kursgewinne von bis zu zehn Prozent.

Gleichzeitig verfolgten Börsianer aufmerksam die Ukraine-Gipfel von Nato und G7-Staaten. Erstere verstärkt ihre Präsenz in Osteuropa und Letztere drohen Russland mit weiteren Sanktionen. Parallel dazu verschärften die USA ihre Strafmaßnahmen gegen russische Firmen und Personen.

Uber beflügelt

Zu den Gewinnern am US-Aktienmarkt zählte Uber mit einem Kursplus von 4,5 Prozent. Dem Fahrdienst-Vermittler zufolge können mit der App des Unternehmens künftig auch New Yorker Taxis gebucht werden.

Stark gefragt waren auch die Papiere von Nikola, die sich um bis zu 19,3 Prozent verteuerten. Der Anbieter von Elektro-Nutzfahrzeugen startete die Produktion seines Lasters Tre. Das Unternehmen will den Angaben zufolge 2022 bis zu 500 dieser Zugmaschinen ausliefern.

Die Aktien von Traeger ließen Investoren dagegen fallen wie eine heiße Kartoffel. Sie verbuchten einen Rekord-Kurssturz von gut 22 Prozent und waren mit 6,83 Dollar so billig wie noch nie seit dem Börsengang vor rund einem Dreivierteljahr. In ihrem Sog büßen die Titel des Rivalen Weber fast elf Prozent ein. Traeger peilt für 2022 Erlöse von 800 bis 850 Millionen Dollar an und bleibt damit hinter den Markterwartungen zurück. Dies stelle die Fähigkeit des Managements infrage, die aktuellen Lieferketten-Probleme zu meistern, warnt Analyst Randal Konik von der Investmentbank Jefferies. Er stuft die Papiere auf "Hold" von "Buy" herunter.

Nasdaq

Nasdaq

Neben dem Ukraine-Krieg beherrschte das Rätselraten um das Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen das New Yorker Börsengeschehen. "Die Inflation ist sehr hoch", sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. "Daher steigt das Risiko geldpolitischer Fehler, wenn die Fed zu aggressiv strafft und die Wirtschaft in eine Rezession stürzt."

Am Tag vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten (G7) sowie der Nato nahm die Diskussion um ein europäisches Embargo russischer Ölimporte erneut Fahrt auf. Öl verteuerte sich deutlich, dies verhalf Ölkonzernen wie Exxon und Chevron zu Kursgewinnen von bis zu 1,6 Prozent.

Bitcoin knapp über 43.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin legte in der Nacht um knapp 3 Prozent zu. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte der Bitcoin zuletzt bei rund 43.003 Dollar und damit auf dem höchsten Niveau seit drei Wochen. Im November 2021 hatte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar erreicht und war bis Ende Januar dann auf 35.000 US-Dollar abgestürzt. Seitdem hat sich die Cyberwährung wieder deutlich erholt. Sie spielt auch als Fluchtwährung für russische Oligarchen eine Rolle . Auch Moskau könnte versuchen, die Sanktionen des Westens mit Hilfe von Kryptogeld zu umgehen.

Bitcoin

Ölpreise unter Druck

Die EU verzichtete allerdings auf ein Embargo russischer Energieimporte. Bundeskanzler Olaf Scholz zufolge war dies eine bewusste Entscheidung. Ein Boykott sei für die deutsche Wirtschaft nicht verkraftbar. "Noch ist der Widerstand gegen ein komplettes Öl- und Gasembargo groß, aber Putins Forderung von Rubel-Zahlungen für diese Exporte könnte auch hier das Blatt sehr schnell wenden", warnte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets.

Zunächst ließ die Furcht vor Angebotsengpässen allerdings nach. Dies drückte den Preis für die US-Rohölsorte WTI 1,3 Prozent ins Minus auf 113,40 Dollar je Barrel (159 Liter).

Gleichzeitig gingen die Kurskapriolen bei Nickel weiter. Sein Preis stieg an der Börse LME den zweiten Tag in Folge um die maximal möglichen 15 Prozent auf 37.235 Dollar. Anleger befürchten, dass sich Russland seine Industriemetalle künftig auch nur in Rubel bezahlen lasse, schrieben die Analysten der ANZ Bank. Russland ist der weltweit wichtigste Lieferant dieses zur Stahl-Herstellung benötigten Metalls.

Brent

Brent

G7-Staaten werden mögliches Öl-Embargo diskutieren

Beim Treffen der G7 und der Nato-Mitglieder dürfte sich die Diskussion voraussichtlich unter anderem um einen europäischen Importstopp für russisches Öl drehen. Ein rasches Embargo scheine aber unwahrscheinlich, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Der Widerstand in einigen EU-Ländern mit hoher Abhängigkeit von russischem Öl ist noch beträchtlich. Eine weitere Eskalation der russischen Kriegsführung in der Ukraine gegen die dortige Zivilbevölkerung könnte diese Länder aber doch noch zum Einlenken bewegen."

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Die Veröffentlichung der Barometer für die Stimmung der deutschen und europäischen Einkaufsmanager steht unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs. Experten erwarten in Deutschland für März einen Rückgang auf 53,8 beziehungsweise 54,2 Punkte. In den USA stehen Auftragseingänge für langlebige Güter auf dem Terminplan. Hier sagen Analysten für Februar einen Rückgang um 0,5 Prozent voraus.

Parallel dazu startet nach rund vier Wochen Pause der Aktienhandel an der Moskauer Börse, allerdings in beschränktem Umfang. Zunächst können nur 33 Werte ge- oder verkauft werden. Ausländern sind Verkäufe bis zum 1. April untersagt.

Mit Nachrichtenagenturen