Börse Dax schließt im Plus, auch US-Börsen auf Erholungskurs

Der Dax schließt zum Wochenauftakt 1,4 Prozent im Plus. Damit könnte er seinen zu Jahresanfang begonnenen Abwärtstrend beenden. Nach dem Einstieg von Daimler Truck bei Manz sprang die Aktie des Maschinenbauers um mehr als 20 Prozent. Entspannung mit China färbt auf die US-Börse ab, die Indizes legen deutlich zu.
Start der neuen Börsenwoche in New York: Starke Banken und Entspannung mit China treiben die Wall Street an

Start der neuen Börsenwoche in New York: Starke Banken und Entspannung mit China treiben die Wall Street an

Foto: Peter Morgan / dpa

Der Wochenauftakt am deutschen Aktienmarkt ist erfreulich ausgefallen. Der Leitindex Dax stieg am Montag um 1,4 Prozent auf 14.175 Punkte. Börsianer verwiesen auf eine extrem schlechte Stimmung unter den Investoren, die jedoch oftmals Auslöser einer Gegenbewegung nach oben sei. Auch die Aussicht auf ein Ende der US-Strafzölle auf Einfuhren aus China kam bei den Anlegern gut an.

Nun könnte dem Dax auch der Ausbruch aus dem zum Jahresanfang begonnenen Abwärtstrend nach oben gelingen. Laut der Landesbank Helaba verläuft dieser bei 14.130 Zählern, diese Marke konnte der Dax zum Schlusskurs überwinden. In den vergangenen Monaten war der Index mehrfach an diesem Widerstand gescheitert. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,9 Prozent auf 29.453 Punkte nach oben. Der EuroStoxx 50 stieg um 1,4 Prozent auf 3708 Punkte.

Rezessionsängste, Inflation und steigende Zinsen prägen weiter das Bild. Daran änderte auch das am Vormittag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklima nichts, das weiter stieg.

Anleger bleiben vorsichtig, auch weil in der Eurozone nun die Zinswende konkrete Formen annimmt. So ist laut der Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, ein Ende der Netto-Wertpapierkäufe "sehr früh" im dritten Quartal zu erwarten. Dies würde eine erste Zinsanhebung im Juli ermöglichen, so die Französin.

Die Geldpolitik müsse sich auf die Bekämpfung der hohen Inflation konzentrieren, sodass kein Raum mehr bleibe für die indirekte Unterstützung der Aktienmärkte, wie sie in den vergangenen Jahren stets in Schwächephasen erfolgt sei, erläuterten die Volkswirte der DekaBank. Kurzfristig dürften die Schwankungen an den Märkten erhöht bleiben, langfristig orientierte Anleger könnten ausgeprägte Schwächephasen aber für Zukäufe nutzen, hieß es weiter.

Übernahmepläne im Fokus: Siemens Gamesa, Deutsche Euroshop und Manz

Am Markt standen am Montag Übernahmepläne im Fokus. Der Energietechnikkonzern Siemens Energy will sich seine spanische Windkrafttochter Siemens Gamesa komplett einverleiben. Marktteilnehmer überraschte der Schritt nicht mehr, sie sehen ihn positiv. Siemens Energy stiegen im MDax zunächst deutlich, drehten dann aber ins Minus. Siemens Gamesa stiegen dagegen in Madrid um gut 6 Prozent. Nordex legten in ihrem Fahrwasser um 3,5 Prozent zu.

Die Deutsche Euroshop erhielt ein Übernahmeangebot der Hercules BidCo, hinter der eine gemeinsame Holdinggesellschaft des Finanzinvestors Oaktree und Cura, dem Family Office der Familie Otto, steht. Die Titel des auf Einkaufszentren spezialisierten Immobilienkonzerns, die in der Pandemie unter die Räder gekommen waren, schnellten um mehr als 40 Prozent hoch auf knapp 22 Euro. Die Berenberg Bank hält die Offerte von 22,50 Euro je Aktie aus fundamentaler Sicht für zu niedrig.

Kaufempfehlungen beflügelten die Aktien der beiden Kredithäuser Deutsche Bank und Commerzbank mit plus 7 beziehungsweise 6,6 Prozent. Die Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods stufte Deutsche Bank auf "Outperform" hoch. Die Societe Generale änderte ihr Votum für Commerzbank von "Hold" auf "Buy".

Der Einstieg von Daimler Truck bei Manz ließen die Papiere des Maschinenbaukonzerns um mehr als 20 Prozent nach oben schnellen. Der Lkw-Hersteller wird mit der Beteiligung von rund zehn Prozent nicht nur Kooperationspartner, sondern auch Ankeraktionär.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Wall Street erholt sich mithilfe von Banken

Nach Zeichen der Entspannung zwischen den USA und China hat die Wall Street ihre Gewinne im Handelsverlauf ausgeweitet. Als Stütze wurde am Montag gesehen, dass die US-Regierung angesichts der hohen Inflationsrate erwägt, manche unter der Trump-Regierung eingeführten Strafzölle auf Importe aus China wieder abzuschaffen.

Anleger sähen darin eine mögliche Deeskalation des Handelskrieges zwischen den beiden Wirtschafts-Supermächten, kommentierte der Börsianer Pierre Veyret vom Handelshaus ActivTrades. Der Leitindex Dow Jones Industrial baute seine Gewinne im Handelsverlauf auf ein Plus von 1,7 Prozent aus und notierte bei 31.805 Punkten. In der vergangenen Woche war er noch um 2,9 Prozent gefallen. "Trotz Lockdown-Angst nach Rekord-Infektionszahlen in Peking startet die Woche mit Risikofreude", schrieb die Landesbank BayernLB.

Der marktbreite S&P 500 kletterte am Montag um 1,3 Prozent auf 3951 Zähler nach oben. Ins Plus drehte nach anfänglichen Verlusten der technologielastige Nasdaq 100, der um 0,9 Prozent auf 11.944 Punkte zulegte.

Wie bereits auf den europäischen Handelsplätzen war der Bankensektor der Gewinner des Tages. Optimismus machte sich etwa bei dem Dow-Mitglied JPMorgan breit, dessen Papiere um gut sieben Prozent anzogen. Die Bank rechnet angesichts der steigenden Leitzinsen abseits des Handels mit Aktien und Anleihen mit einem diesjährigen Zinsüberschuss von mehr als 56 Milliarden US-Dollar – nach zuvor 53 Milliarden. Der Experte Jason Goldberg von der britischen Investmentbank Barclays kommentierte, bislang habe er "nur" mit 55 Milliarden gerechnet.

Im Kielwasser von JPMorgan verzeichneten auch andere Finanzwerte deutliche Gewinne. Citigroup und die Bank of America (Bofa) verzeichneten Gewinne von mehr als sechs Prozent. Goldman Sachs legte um 3,8 Prozent zu, während Papiere von American Express um 3,2 Prozent anzogen.

Die vor allem im Technologiesektor zuletzt schwer gedrückten Kurse locken offensichtlich aber wieder Übernahmeinteressenten an. Der Chipkonzern Broadcom erwägt laut Insidern den Kauf von VMware, einem Softwareanbieter für Cloudcomputing und die Virtualisierung von Rechenzentren. Über Gespräche beider Parteien berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Spekulation darüber trieb die VMware-Aktien 20 Prozent ins Plus, jene von Broadcom aber umgekehrt mit knapp vier Prozent ins Minus. Das Analysehaus Bernstein Research wertete den möglichen Deal derweil als positiv für Broadcom. Unternehmenschef Hock Tan könne bereits erfolgreiche Zukäufe im Softwarebereich vorweisen, schrieb der Experte Stacy Rasgon.

Gemischtes Bild an Asiens Börsen

Die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte haben am Montag ein gemischtes Bild ergeben. In Tokio gab es Kursgewinne, während die Tendenz in China schwächer war. Die Experten der Großbank ING sprachen aber von einem insgesamt vorsichtig positiven Wochenauftakt in einer Phase, in der Anleger nach dem Markttief Ausschau hielten.

Der japanische Nikkei-225 stieg um rund ein Prozent auf gut 27 000 Punkte und war damit der beste Vertreter unter den großen Länderindizes. Dabei schwappte etwas Kauflust über aus dem späten US-Handel: Der Dow Jones Industrial hatte am Freitag im Schlusshandel noch seine Verluste aufgeholt. Marktbeobachter gehen davon aus, dass ermäßigte Aktienkurse international wieder vermehrt die Schnäppchenjäger anlocken.

Bitcoin über 30.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  zuletzt bei 30.361 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind zu Beginn der neuen Handelswoche gestiegen. Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent im Mittagshandel 113,86 US-Dollar. Das waren 1,31 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,20 Dollar auf 111,48 Dollar.

Bis zum Mittag konnten die Ölpreise die frühen Gewinne ein Stück weit ausbauen. Auftrieb erhielten die Notierungen durch den schwächeren US-Dollar, der Erdöl für Interessenten außerhalb des Dollarraums rechnerisch günstiger macht und damit die Nachfrage belebt. Nach wie vor bewegen sich die Ölpreise auf hohem Niveau. Ein wichtiger Grund ist der Krieg Russlands in der Ukraine, der das Angebot an russischem Öl insbesondere in der westlichen Welt stark vermindert hat.

Ein bestimmendes Thema für den Handel mit Rohöl bleibt auch die Corona-Lage in China. In der Wirtschaftsmetropole Shanghai scheint die Situation aktuell zwar stabil zu sein. In der Hauptstadt Peking werden aber nach wie vor viele Infektionen gemeldet. Die strenge Corona-Politik Chinas lastet seit Längerem auf der Wirtschaft und der Ölnachfrage der Volksrepublik.

Mit Nachrichtenagenturen
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.