Börse Leichte Dax-Verluste, Brenntag und Telekom Favoriten

Der Dax schließt mit leichten Verlusten und der Dow Jones bleibt im Plus. Bei den Anlegern waren vor allem die Aktien von Brenntag und Telekom gefragt.
Kursverluste: Der Dax ist wieder unter Druck geraten

Kursverluste: Der Dax ist wieder unter Druck geraten

Foto: A3602 Frank Rumpenhorst/ dpa

Der Dax  hat am Mittwoch leichte Verluste verzeichnet. Der deutsche Leitindex gab um 0,34 Prozent nach auf 14.074 Punkte. Tags zuvor war er mit 13 887 Punkten auf das tiefste Niveau seit vier Wochen abgesackt, bevor ihm eine deutliche Stabilisierung gelang. Anschlusskäufe fehlten nun allerdings vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Der MDax schloss prozentual unverändert bei 30.406 Punkten. Ähnlich wenig Bewegung gab es in anderen wichtigen europäischen Indizes: Der EuroStoxx 50 sank um 0,1 Prozent auf knapp 3828 Punkte.

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Der Euro fiel in der Spitze um 0,2 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief von 1,0809 Dollar. "Der Krieg in der Ukraine belastet weiterhin die Stimmung der Anleger und wirft einen Schatten auf die Einheitswährung, was das Vertrauen der Wirtschaftsakteure beeinträchtigt und den Handlungsspielraum der EZB einschränkt", sagten die Analysten vom Handelshaus ActivTrades. "Die Inflation, die durch die Energiekrise verschärft wird, steigt auf dem gesamten Kontinent weiter an, während der Krieg die Aussichten auf Wirtschaftswachstum verringert."

Am Donnerstag tritt die EZB zu ihrer Ratssitzung zusammen. Viele Anleger in Frankfurt hielten sich deswegen lieber zurück, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets. An den Rohölmärkten gingen die Preise wegen der Sorgen vor Lieferengpässen durch die Sanktionen des Westens gegen Russland weiter nach oben. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent zog knapp zwei Prozent auf 106,56 Dollar pro Barrel an.

Brenntag Gewinner im Dax

Bester Dax-Wert waren die Papiere des Chemikalienhändlers Brenntag, die um 2,4 Prozent zulegten. Ebenfalls gefragt waren Telekom-Aktien mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent. Die Bonner haben wie erwartet ihren Anteil an der US-Tochter T-Mobile US aufgestockt und verfolgen damit weiter ihr Ziel, sich über kurz oder lang die Mehrheit an den Amerikanern zu schnappen.

Wenig erfreulich lief der Tag für Adidas-Anleger, deren Papiere unter den schwächsten Dax-Werten 2,3 Prozent verloren. Analyst Volker Bosse von der Baader Bank befürchtet, dass das erste Quartal der Herzogenauracher schwach gelaufen ist und hält eine Kürzung der Jahresziele für möglich.

Im MDax setzten mit K+S (plus 5,0 Prozent) und Rheinmetall (plus 1,1 Prozent) die beiden besten Indexwerte des laufenden Jahres ihre rasante Rally fort – K+S mit einem weiteren Höchststand seit 2015 und Rheinmetall mit einem neuerlichen Rekord. Beide haben sich 2022 bereits deutlich mehr als verdoppelt. K+S hob an diesem Mittwoch nun seine Ziele für das Gesamtjahr an aufgrund der hohen Düngerpreise, die zuletzt durch die Sanktionen des Westens gegen Belarus und Russland zusätzlichen Auftrieb bekommen haben. Rheinmetall bleibt derweil als Rüstungshersteller in der aktuellen Lage bei den Anlegern en vogue.

Im Nebenwertesegment SDax waren Dermapharm mit einem Plus von 4,5 Prozent ganz oben und Auto1 mit einem Minus von 3,9 Prozent ganz unten zu finden. Beim Arzneimittelhersteller war tags zuvor eine deutlich höhere Dividendenankündigung noch nicht recht honoriert werden. Der Online-Autohändler schnitt derweil zwar im ersten Quartal solide ab. Von den eigenen Langfristzielen ist man laut dem JPMorgan-Analysten Marcus Diebel aber noch weit entfernt.

US-Anleger halten sich zurück

Der US-Aktienmarkt hat am Mittwoch zum Start der Quartalsberichtssaison ohne klare Richtung eröffnet. Nach dem Handelsstart taxierte der Broker IG den Leitindex Dow Jones Industrial rund plus 0,3 Prozent bei 34.330 Punkten. Den technologielastigen und sehr schwankungsanfälligen Nasdaq 100 lag rund 0,2 Prozent im Plus.

Nasdaq

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JPMorgan Aktie sackt ab

Eingeläutet wird die US-Berichtssaison traditionell mit den Geschäftszahlen einiger großer Geldhäuser. Am Mittwoch informierte die größte US-Bank JPMorgan über die jüngste Entwicklung, die am Markt weniger positiv ankam. Im vorbörslichen Handel sackte die Aktie um 3,4 Prozent ab. JPMorgan ist wegen höherer Rückstellungen für Kreditausfälle mit deutlich weniger Gewinn in das Jahr gestartet als gedacht. Weil sich zudem die besonders hohen Erträge von Anfang 2021 nicht wiederholten, fiel der Überschuss im Jahresvergleich kräftig. Analysten hatten vor allem im Investmentbanking mit einer besseren Entwicklung gerechnet. Unterdessen will die Bank für 30 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen.

Die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines sieht sich nach einem Auftaktquartal mit tiefroten Zahlen wieder im Aufwind. "Wir sind im März zur Profitabilität zurückgekehrt", betonte Vorstandschef Ed Bastian. Das Geschäft habe sich nach dem Dämpfer durch die zu Jahresbeginn grassierende Omikron-Variante des Coronavirus rasch wieder erholt. Der Ausblick kam bei Anlegern gut an. Die Aktie legte vorbörslich um 5,4 Prozent zu.

Die Papiere von Sierra Oncology schossen vorbörslich um 38 Prozent nach oben. Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline will den Krebsforscher für 1,9 Milliarden Dollar übernehmen. Die Analysten von JPMorgan halten den Deal im Hinblick auf die Medikamenten-Pipeline von Sierra für sinnvoll und den Kaufpreis nicht für unangemessen hoch.

Tesla-Chef Elon Musk droht nach seinem Einstieg als Großinvestor bei Twitter rechtlicher Ärger. Ein Aktionär des Unternehmens startete wegen angeblichen Wertpapierbetrugs eine potenzielle Sammelklage gegen den Multimilliardär bei einem Gericht in New York. Das teilte die zuständige Anwaltskanzlei in Boston mit. Der Kläger beschuldigt Musk, sein Twitter-Investment nicht innerhalb der gesetzlichen Meldefrist öffentlich gemacht zu haben. Dadurch sei eine Börsenreaktion hinausgezögert und der Aktienkurs künstlich niedrig gehalten worden, während er seinen Anteil weiter ausbaute.

Fed unter Zugzwang

Die Inflation in den USA ist im März auf den höchsten Stand seit über 40 Jahren gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, was vor allem den höheren Benzinpreisen geschuldet war. Die US-Notenbank Fed hatte signalisiert, die Zinsen aggressiv anheben zu wollen, um die steigende Inflation unter Kontrolle zu bringen. "Es ist zwar unwahrscheinlich, dass dies die Fed davon abhalten wird, die Zinsen im Mai um 50 Basispunkte zu erhöhen, aber wenn die Inflation so weitergeht, wird der Druck auf die Fed, in der zweiten Jahreshälfte übermäßig aggressiv vorzugehen, geringer", stellte Clara Cheong, Strategin bei JPMorgan Asset Management, in Aussicht. Die Inflationsdaten stoppten vorübergehend den Ausverkauf bei US-Staatsanleihen und ließen am Markt zunächst die Hoffnung aufkeimen, dass der Höhepunkt der Inflationswelle nach der Pandemie überwunden ist. "Der Bericht wird die US-Notenbank ein wenig beruhigen, aber es bleibt noch viel zu tun, um die Preisstabilität wiederherzustellen", sagte Sal Guatieri, Wirtschaftsexperte bei BMO Capital Markets.

Bitcoin wieder über 40.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin steht weiter unter Druck. Die Cyberdevise rutschte zuletzt wieder über die Marke von 40.000 Dollar. Am Mittwochmorgen notierte der Bitcoin auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 40.970 Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seit Ende März, als der Bitcoin zeitweise bei 48.000 US-Dollar notierte, hat die weltweit wichtigste Kryptodevise rund 20 Prozent an Wert verloren.

Bitcoin

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Adidas gaben im vorbörslichen Handel auf Tradegate um 0,9 Prozent zum Xetra-Schluss nach. Eine Abstufung durch die Baader Bank auf "Reduce" wirkte negativ. Das erste Quartal des Herstellers von Sportartikeln und Lifestyle-Produkten dürfte schwach verlaufen sein und es drohten niedrigere Jahresprognosen, schrieb Analyst Volker Bosse. Ein Händler verwies am Morgen als zusätzlichen Belastungsfaktor für Adidas auch auf jüngste Aussagen des französischen Luxuskonzerns LVMH , wonach gegenwärtig die Nachfrage nach Luxusgütern durch die Lockdowns in China beeinträchtigt wird.

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Der Finanzdienstleister Hypoport startete mit kräftigen Zuwächsen in das neue Jahr. Im ersten Quartal stieg das Transaktionsvolumen auf der hauseigenen Kreditplattform Europace im Jahresvergleich um 26 Prozent. Auch in den übrigen Sparten legten die Geschäftsvolumina um zweistellige Prozentsätze zu. Vorbörslich verteuerten sich die im MDax notierten Anteile auf Tradegate um 4,2 Prozent.

Für die Papiere des Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 ging es nach Absatz- und Ankaufszahlen für das erste Quartal um 0,6 Prozent auf Tradegate hoch.

Ölpreise steigen weiter

Die Ölpreise haben am Mittwoch auf erhöhtem Niveau etwas weiter zugelegt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  105,13 US-Dollar. Das waren 49 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 30 Cent auf 100,91 Dollar.

Brent

Am Dienstag hatten die Ölpreise stark angezogen. Auftrieb erhielten sie vor allem durch Lockerungen der ansonsten scharfen Corona-Maßnahmen in der chinesischen Finanzmetropole Shanghai. Die Volksrepublik ist eines der größten Ölnachfrageländer der Welt.

Neben der Aussicht auf eine wieder stärkere Nachfrage nach Rohöl stützte angesichts des Ukraine-Kriegs auch die Sorge über eine Verknappung des Angebotes die Preise. Russlands Präsident Wladimir Putin zeigte sich kurz vor der erwarteten Großoffensive in der Ostukraine siegessicher. Ein Embargo russischen Rohöls ist laut dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrel noch nicht vom Tisch.

Mit Nachrichtenagenturen