Börse Dax fällt, Dow fällt, Tesla fällt

Sorgen um die US-Wirtschaft verschrecken Investoren, der Dax schließt im Minus, ebenso wie zum Handelsstart auch die Kurse an der US-Börse im roten Bereich notieren. Der bevorstehende Jobabbau bei Tesla schickt die Aktie auf Talfahrt.
Dicke Backen: An der Börse geht die Verunsicherung um

Dicke Backen: An der Börse geht die Verunsicherung um

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag mit Verlusten auf die Bekanntgabe des US-Arbeitsmarktberichts reagiert. Der zuvor gut behauptete Dax notierte zuletzt 0,2 Prozent niedriger bei 14.460 Punkten. Im frühen Handel hatte er noch bei 14.600 Zählern notiert. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen notierte kaum verändert. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  ging es um rund 0,1 Prozent nach oben.

Alle Augen waren am Freitag auf die US-Wirtschaft gerichtet, die im Mai mehr Arbeitsplätze geschaffen hat als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft seien 390.000 Stellen hinzugekommen, teilte das Arbeitsministerium mit. Analysten hatten nur mit 318.000 neuen Stellen gerechnet. Da zudem die Stundenlöhne weiter steigen, stehe der Arbeitsmarktbericht den Plänen der US-Notenbank nicht im Wege, die Leitzinsen im Juni und Juli um jeweils 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen, betonte Ulrich Wortberg von der Helaba. Auch an der Wall Street startete der Handel angesichts der Jobdaten mit negativen Vorzeichen.

"In einem Umfeld deutlich steigender Zinsen im Kampf gegen die Inflation und drohenden Lohn-Preis-Spiralen halten sich viele Anleger bedeckt", erklärte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets.

Beiersdorf und Rheinmetall vor Aufstieg in den Dax

Die Deutsche Börse überprüft heute die Zusammensetzung ihrer Indizes und dürfte das Dax-Comeback des Kosmetik-Herstellers Beiersdorf verkünden. Außerdem wird wohl der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall in die erste deutsche Börsenliga aufsteigen. Weichen müssen wohl der Bau-Zulieferer HeidelbergCement und der Essenslieferant Delivery Hero. Die Aktie von Rheinmetall erreichte mit plus 4 Prozent auf 205,50 Euro das höchste Niveau seit drei Wochen. Warburg-Analyst Christian Cohrs stockte sein Kursziel auf 240 Euro auf. Er sieht damit noch Kurspotenzial für den mit weitem Abstand besten MDax-Wert des laufenden Jahres.

Die Aktien von Adidas profitierten von positiven Signalen des nordamerikanischen Sportwarenhändlers Lululemon und verteuerten sich um 1,9 Prozent. Lululemon stellte den Anlegern für das Gesamtjahr höhere Umsätze und Ergebnisse in Aussicht, als Analysten bislang im Schnitt erwartet hatten. Auch die Perspektiven für das zweite Quartal sind positiv.

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Die Titel von Fresenius kletterten um 1,1 Prozent nach oben. Der Medizin- und Krankenhauskonzern will laut einem Pressebericht in seiner Flüssigmedizinsparte Kabi zahlreiche Jobs streichen. Geplant sei der Abbau von 2000 Stellen, darunter 250 in Deutschland, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Schon im Herbst war bekannt geworden, dass die Dialysetochter FMC den Abbau von weltweit 5000 Stellen plant.

US-Börse im Minus

Die starken Arbeitsmarktdaten lasten auch auf den Aktienkursen an der Wall Street. Zudem entmutigten skeptische Konjunkturaussagen von Tesla-Chef Elon Musk die Anleger. Der Dow-Jones-Index verlor 0,9 Prozent auf 32.961 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 1,2 Prozent auf 4125 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 1,8 Prozent auf 12.092 Punkte.

Tesla-Aktien gingen mehr als fünf Prozent in die Knie. Musk will die Belegschaft bei dem Elektroautobauer um rund zehn Prozent reduzieren, er habe ein "super schlechtes Gefühl", was die Wirtschaftsentwicklung angehe. Tesla versuche, in diesem Jahr einer langsameren Auslieferung voraus zu sein und die Margen vor einer wirtschaftlichen Abschwächung zu wahren, sagte Dan Ives, Aktienexperte bei Wedbush Securities.

Auch die geplante Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter durch Musk war am Freitag wieder Thema in den Handelsräumen. Nach Ablauf einer kontrollrechtlichen Warteperiode für die geplante 44 Milliarden Dollar schwere Übernahme lagen Twitter-Papiere knapp zwei Prozent im Plus.

Bitcoin etwas höher

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin pendelt weiter um die Marke von 30.000 US-Dollar. Zuletzt notierte die Cyberdevise auf der Handelsplattform Bitstamp  etwas höher bei 30.423 US-Dollar. Die Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise geben leicht nach

Die Ölpreise haben am Freitagmorgen einen kleinen Teil ihrer deutlichen Aufschläge vom Vortag abgegeben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  117,22 US-Dollar. Das waren 30 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) fiel um 54 Cent auf 116,33 Dollar.

Am Vortag hatten die Erdölpreise deutlich zugelegt, obwohl der Ölverbund Opec+ seine Förderung im Juli und August stärker ausweiten will als in den Monaten zuvor. Analysten zeigten sich jedoch skeptisch, ob das zusätzliche Rohöl ausreicht, um das knappe Weltmarktangebot auszugleichen. Vor allem die russische Produktion stand zuletzt wegen scharfer Sanktionen des Westens unter Druck.

Auf einen Ausschluss Russlands von den Förderzielen der Opec+ wurde unterdessen verzichtet. Derartige Spekulationen waren vor der Opec-Sitzung durch Presseberichte angeheizt worden, die sich jedoch nicht bewahrheiteten. Bisher scheint der Krieg Russlands gegen die Ukraine keine nennenswerten Auswirkungen auf den Zusammenhalt des Ölverbunds zu haben.

Mit Nachrichtenagenturen
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