Kurssturz an der Börse Dax verliert 10 Prozent binnen einer Woche

Nach dem Angriff russischer Truppen auf Europas größtes Atomkraftwerk in der Ukraine stürzt der Dax auf das tiefste Niveau seit mehr als 12 Monaten. Verkauft werden vor allem Aktien des Versorgers Uniper, der Deutschen Bank sowie von Autoherstellern.
Börse Frankfurt: Der Kurssturz im Dax geht weiter

Börse Frankfurt: Der Kurssturz im Dax geht weiter

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Der Krieg in der Ukraine schickt die Börsen weltweit in die Tiefe. Der deutsche Leitindex Dax  rauschte auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 und ging 4,4 Prozent tiefer bei 13.094 Punkten aus dem Handel. Auf Wochensicht stürzte er 10,1 Prozent ab und damit so stark wie seit März 2020 nicht mehr.

Der EuroStoxx50 gab am Freitag 4,7 Prozent nach. Auch an den US-Börsen ging der Ausverkauf weiter, obwohl der US-Arbeitsmarktbericht überraschend stark ausgefallen war. Die Furcht vor einer nuklearen Katastrophe infolge der russischen Invasion in der Ukraine wachse, stellten Analysten fest. Örtlichen Angaben zufolge nahmen russische Streitkräfte das größte AKW Europas im Südosten der Ukraine ein. Für Verunsicherung sorgte vor allem ein Feuer auf dem Gelände, das laut den ukrainischen Behörden am Morgen jedoch gelöscht werden konnte.

Dax

Seit der Invasion Russlands in die Ukraine summieren sich die Verluste im Dax mittlerweile auf mehr als 8 Prozent. Seit Jahresbeginn - am 4. Januar notierte der Dax noch rund 3000 Punkte höher bei 16.150 Punkten - hat der Dax damit knapp 20 Prozent an Wert verloren. Damit ist das wichtigste deutsche Börsenbarometer inzwischen auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr. Auch technisch gesehen gibt es laut den Helaba-Experten "kaum noch Hoffnung" für den deutschen Leitindex. Zudem gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die den Dax unabhängig vom Krieg in der Ukraine derzeit belasten.

Deutsche Bank unter Druck, Uniper verliert zweistellig

Auf Unternehmensseite im Dax war die Liste der Gewinner entsprechend kurz. Merck KGaA knüpften mit mehr als vier Prozent Aufschlag an die jüngsten Gewinne an. Am Vortag hatte ein optimistischer Ausblick des Pharma- und Spezialchemiekonzerns dem bereits seit Jahresanfang schwächelnden Kurs Auftrieb gegeben.

Der Kursrutsch beim deutschen Versorger Uniper geht ungebremst weiter. Die im MDax notierten Aktien rauschen um bis zu 12,9 Prozent auf 17,86 Euro in die Tiefe und markieren damit den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren. Allein in den vergangenen fünf Handelstagen haben die Papiere des Unternehmens, das an der Finanzierung der umstrittenen russisch-deutschen Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligt ist, rund 28 Prozent an Wert verloren. Die Aktien der finnischen Uniper-Mutter Fortum geben am Freitag bis zu 5,6 Prozent nach.

Zu den Verlierern im Dax gehörten auch die Aktien der Deutschen Bank, die zuletzt um rund 7 Prozent nachgaben. Europaweit standen Bank-Aktien auf der Verkaufsliste.

Seit Tagen schon werfen die Anleger wegen des rasanten Ölpreisanstiegs auch die Papiere der Lufthansa aus den Depots, die Aktien der Fluggesellschaft verloren zuletzt fast fünfeinhalb Prozent. Auch die Autobauer und -zulieferer gaben weiter nach, mit Verlusten bis mehr als fünf Prozent für Porsche und Continental . Die Branche belastet neben den steigenden Preisen auch die Sorgen um mögliche Lieferstopps durch den Krieg in der Ukraine.

Alle Indizes, Fonds und Aktien auf einen Blick:
Hier geht es zu unserer Börsenseite 

Anleger verkaufen Auto-Aktien

Für den europäischen Autosektor geht es aufgrund der Sanktionen gegen Russland deutlich bergab. Der entsprechende Index fällt in der Spitze um 3,2 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Im Dax verlieren Porsche, Continental, Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz zwischen 5,5 und drei Prozent. Zahlreiche Unternehmen im Automobilsektor haben ihre Geschäfte in Russland eingeschränkt, auf Eis gelegt oder ziehen sich zurück.

Auf Unternehmensseite an der Börse bleibt es derweil weitgehend ruhig. Im Blick könnte das Stühlerücken in der Dax-Familie stehen. Wie bereits erwartet, rücken zum 21. März der vom ehemaligen Daimler-Konzern abgespaltene Lkw-Bauer Daimler Truck und die Hannover Rück in den Dax auf. Dafür müssen Beiersdorf und Siemens Energy aus der ersten Börsenliga in den MDax der mittleren Werte weichen.

Wall Street setzt Talfahrt fort

Die US-Aktienmärkte haben zum Ende einer turbulenten Börsenwoche weitere Kursabschläge zu verdauen. Im Anlegerfokus stehen vor allem Sorgen um eine Rezession der Weltwirtschaft wegen des anhaltenden Krieges in der Ukraine. Hintergrund ist der hohe Ölpreis, resultierend aus Befürchtungen um russische Rohöl-Lieferausfälle. Daneben gilt die Aufmerksamkeit der Anleger am Freitag dem US-Arbeitsmarktbericht und dessen Einfluss auf die US-Geldpolitik.

Der Dow Jones Industrial verlor am Freitag im frühen Handel 1,12 Prozent auf 33 417,32 Punkte. Damit deutet sich für den US-Leitindex ein Wochenverlust von rund 1,9 Prozent an. Der marktbreite S&P 500 fiel am Freitag um 1,18 Prozent auf 4311,81 Punkte. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 1,08 Prozent auf 13 883,51 Zähler nach unten.

Nasdaq

Nasdaq

Die Aussicht auf behutsame US-Zinserhöhungen hatte die Wall Street noch im frühen Geschäft gestützt. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte bei einer Kongress-Anhörung am Mittwoch für eine Zinserhöhung von einem Viertel Prozentpunkt plädiert. Damit nahm er Spekulationen auf einen doppelt so großen Schritt Wind aus den Segeln.

Ölpreise bleiben unter mehrjährigen Höchstständen

Die Ölpreise haben am Freitagmorgen leicht zugelegt, sind aber deutlich unter ihren jüngst markierten mehrjährigen Höchstständen geblieben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete im frühen Handel 110,92 US-Dollar. Das waren 46 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 94 Cent auf 108,61 Dollar.

Brent

Brent

Am Vortag hatten die Notierungen mehrjährige Höchststände von fast 120 Dollar (Brent) und rund 116 Dollar (WTI) erreicht. Hintergrund ist der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Furcht vor Lieferausfällen aus Russland, entweder aufgrund westlicher Sanktionen oder eines russischen Lieferstopps. Daneben dürften russische Verkäufer schon jetzt nur schwer Abnehmer für ihr Erdöl finden. Ein Grund dafür sind rechtliche Risiken wegen der Sorge möglicher weiterer Sanktionen.

In den vergangenen Tagen haben die Rohölpreise immer wieder mehrjährige Höchststände markiert. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht die globale Energiesicherheit bedroht, ihre Mitglieder geben Teile ihrer strategischen Ölreserve frei. Der Ölverbund Opec+ setzt seinen Kurs schrittweiser und moderater Förderausweitungen unbeirrt fort.

Bitcoin gibt weiter nach

Für Kryptowährungen geht es nach der jüngsten Kursrallye wieder leicht bergab: Bitcoin fällt auf der Handelsplattform Bitstamp  auf 37.800 Dollar. Seit Beginn des Kriegs haben Kryptowährungen allerdings knapp 20 Prozent zugelegt, da Kryptogeld als Fluchtwährung für russische Milliardäre gilt. Börsianer machten dafür vor allem ein gestiegenes Interesse russischer Anleger verantwortlich.

Bitcoin

Bitcoin

Mit Nachrichtenagenturen