Corona-Angst an der Börse Dax fällt weiter, Dow und Nasdaq knicken ein

Der Kursrutsch wegen der Omikron-Variante setzt sich fort. Der Dax stürzt nahe 15.000 Punkte. In den USA knicken die Indizes erneut ein - Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell belasten zusätzlich.
Kursrutsch im Dax: An der Börse hält die Omikron-Variante des Coronavirus die Anleger in Atem

Kursrutsch im Dax: An der Börse hält die Omikron-Variante des Coronavirus die Anleger in Atem

Foto: Niklas Rüge/ dpa

Die neue Corona-Variante Omikron hat den Aktienmarkt fest im Griff. Der Dax droht erstmals seit Anfang Oktober unter die runde Marke von 15 000 Punkten zu fallen. Am Nachmittag grenzte der Dax  seine Verluste zwar kurzfristig etwas ein, jedoch wurde der Erholungsversuch dann durch Äußerungen des US-Notenbankchefs Jerome Powell ausgebremst.

So steuert die Fed offenbar auf eine schnellere Rückführung ihrer immensen Wertpapierkäufe, die sie zur Konjunkturunterstützung in der Corona-Krise aufgelegt hatte, zu. Die Wirtschaft entwickle sich sehr robust und der Inflationsdruck sei hoch, erklärte Powell vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Daraufhin drehten auch die US-Börsen wieder tief ins Minus.

Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) stand für den Dax  ein Minus von 1,2 Prozent auf 15 100 Zähler zu Buche. Damit hat der Dax in den vergangenen sechs Sitzungen gut 1000 Punkte eingebüßt. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel hielt sich am Dienstag mit minus 0,47 Prozent auf 33 890,75 Punkte etwas besser. In den USA notierten Dow Jones und Nasdaq nach den Powell-Äußerungen jeweils 1,5 Prozent im Minus.

Dax

"Die Omikron-Variante ist bereits in vielen Ländern vorzufinden. Vieles ist Stand heute noch unklar, insbesondere bezüglich der Schwere der von ihr ausgelösten Erkrankungen", schrieb Analyst Thomas Meißner von der Landesbank LBBW. Es gebe daher viele Szenarien ihrer Auswirkungen. "Die Unsicherheit ist hoch".

Der Chef des Impfstoffherstellers Moderna, Stephane Bancel sagte in der "Financial Times", bestehende Impfstoffe dürften mit der Omikron-Variante ihre Probleme haben. Es werde wohl länger dauern, bis angepasste Vakzine in ausreichendem Umfang hergestellt werden könnten. Erfreuliche Wirtschaftsdaten aus China, wo der staatliche Einkaufsmanagerindex für die Industrie im November stärker stieg als erwartet, gerieten damit in den Hintergrund.

Corona-Gewinner profitieren, Sartorius-Aktie auf Rekordhoch

Ausnahmen waren Aktien von Pandemie-Profiteuren, allen voran jene des Laborausrüsters Sartorius mit einem Plus von fast sieben Prozent an der Dax-Spitze.

Hinter Sartorius waren die Papiere des Online-Händlers Zalando , des Diagnostikers Qiagen , des Essenslieferdienstes Delivery Hero , des Kochboxen-Lieferanten Hellofresh und des Corona-Test-Profiteurs Siemens Healthineers die besten Werte im 1,6 Prozent schwächeren Leitindex, indem sie sich entweder nur knapp im Minus, auf Vortagesniveau oder mit bis zu einem Prozent im Plus bewegten. Im SDax zählte außerdem die Shop Apotheke zur Gruppe der positiven Ausnahmen: Ein besonders deutlicher Anstieg um 2,3 Prozent stand bei der Online-Apotheke auch mit einem optimistischen Analystenkommentar der Credit Suisse in Zusammenhang.

US-Börsen: Dow Jones und Nasdaq nach Powell-Äußerungen unter Druck

Den US-Börsen haben am Dienstag erneut deutlich nachgegeben. Sowohl der Dow Jones als auch der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 gaben bis 18 Uhr MEZ um jeweils 1,5 Prozent ab. Grund sind die Corona-Sorgen sowie Äußerungen von Fed-Chef Powell: Die amerikanische Notenbank Fed steuert laut Powell offenbar auf eine schnellere Rückführung ihrer immensen Wertpapierkäufe zu.

Die Wirtschaft entwickle sich sehr robust und der Inflationsdruck sei hoch, erklärte Fed-Chef Jerome Powell am Dienstag vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Daher sei es möglicherweise angemessen, die Rückführung der Wertpapierkäufe vielleicht einige Monate früher abzuschließen. Darüber hinaus gab Powell Hinweise darauf, dass die Fed den starken Inflationsanstieg nicht mehr als "übergangsweise" bezeichnen könnte. Der US-Dollar legte daraufhin gegenüber dem Euro zu.

Nasdaq

Trotz der unterschiedlichen Einschätzung der neuen Coronvirus-Variante zeichneten sich am Dienstag klare Kursverluste von drei beziehungsweise sechseinhalb Prozent für die Anteilsscheine von Moderna sowie Biontech ab. Beide haben in der zweiten Novemberhälfte eine beachtliche Erholungsrally hingelegt. Dagegen winkt den Titeln von Novavax eine gut dreiprozentige Erholung von ihrem gestrigen, heftigen Rückschlag. Die Amerikaner haben vor knapp zwei Wochen eine Marktzulassung für ihren proteinbasierten Corona-Impfstoff in der EU beantragt.

Die Aktien von Meta - immer noch besser bekannt unter dem früheren Namen Facebook - dürften indes mit einem Minus von 0,8 Prozent etwas schwächer als der Nasdaq 100 in den Handel starten. Britische Wettbewerbshüter wollen das Online-Netzwerk zwingen, die im vergangenen Jahr übernommene Clip-Plattform Giphy wieder zu verkaufen. Der Zusammenschluss schwäche den Wettbewerb zwischen Online-Diensten in Großbritannien, stellte die Kartellbehörde CMA fest. Der Konzern könne damit seine führende Marktposition stärken und Konkurrenten unter Druck setzen, argumentierte sie. Der Verkauf sei der einzige Weg, die Bedenken auszuräumen. Meta erwäge, Widerspruch gegen die Anordnung einzulegen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Erholung in Asien

Die asiatischen Aktienmärkte notieren am Dienstag im Plus. Die Anleger sind in Bezug auf die neue Omikron-Variante vorsichtig optimistisch, dass sie keine weitreichenden Störungen der Erholung der Weltwirtschaft verursachen wird. "Natürlich gibt es noch diese weitere neue Variante, aber solange es nicht zu erneuten und weit verbreiteten Lockdowns kommt, ist der V-förmige Aufschwung ungebrochen, insbesondere in den USA. Die Gewinnprognosen sind stabil und die Haushalte verfügen über viel Geld", sagte John Milroy, Anlageberater bei Ord Minnett in Sydney.

Gestützt wurden die Hoffnungen der Anleger durch positive Konjunkturdaten aus China. Chinas Industrietätigkeit hat sich im November überraschend belebt und ist zum ersten Mal seit drei Monaten wieder gewachsen. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,5 Prozent höher bei 28.430 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 1 Prozent und lag bei 1967 Punkten.

Bitcoin erneut im Minus

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin bleibt unter Druck. Am Dienstag notierte die Kryptowährung mit einem Minus von 3,7 Prozent bei 56.146 Dollar.

Bitcoin

Ölpreise rutschen ab

Die Ölpreise sind am Dienstag kräftig gefallen und haben damit an die rasante Talfahrt vom vergangenen Freitag angeknüpft. Damit konnten sich die Notierungen zu Beginn der Woche nur vorübergehend ein Stück weit erholen. Nach wie vor wird der Handel am Ölmarkt durch die Sorge vor einer als besorgniserregend eingestuften neuen Omikron-Variante des Coronavirus belastet.

Brent

Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Januar 71,01 US-Dollar. Das waren 2,43 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI), ebenfalls mit Lieferung im Januar, fiel um 2,36 Dollar auf 67,59 Dollar.

Mit Nachrichtenagenturen
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