Börse Dax verliert mehr als 2 Prozent

Inflationssorgen würgen die Erholung an den Aktienmärkten ab. Der Dax schließt 2 Prozent leichter. Uniper-Aktien brechen drastisch ein, Händler sprechen von katastrophalen Zahlen. Die US-Börsen notieren zum Handelsschluss in Europa ebenfalls im roten Bereich.
Auf Abwärtskurs: Der Dax hat die 14.000 Punkte-Marke aus den Augen verloren

Auf Abwärtskurs: Der Dax hat die 14.000 Punkte-Marke aus den Augen verloren

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Vor den erwarteten geldpolitischen Signalen der US-Notenbank sind zur Wochenmitte erneut Inflationssorgen an den Aktienmärkten hochgekocht. Anleger fürchteten, dass weitere große Zinsschritte die Wirtschaft in eine Rezession stürzen könnten und warteten mit Spannung auf die Sitzungsprotokolle der US-Notenbank am Abend (MESZ), um sie nach Hinweisen zum weiteren Kurs der Fed zu durchforsten.

Der Dax  rutschte nach einem freundlichen Start schnell ins Minus und weitete dann seine Verluste aus. Zum Handelsende notierte der deutsche Leitindex 2,04 Prozent oder 283 Punkte tiefer bei 13.626 Zählern. Für den MDax  der mittelgroßen Unternehmen ging es am Mittwoch um 2,01 Prozent auf 27.543 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  sank um 1,29 Prozent.

Auch angesichts "einer überraschend zweistelligen Teuerungsrate in Großbritannien im Juli (...) kehrt mit Inflations- und Zinssorgen ein altes Thema wieder an die Börse zurück, das die Anleger (...) vorläufig zumindest etwas verdrängt hatten", schrieb Marktanalyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets.

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Rote Vorzeichen auch an der New Yorker Börse. Zum Handelsschluss in Europa notierte der Dow Jones 0,77 Prozent niedriger bei 33.889 Punkten. Der marktbreite S&P 500 gab mehr als 1 Prozent ab auf 4260 Punkte. Der technologielastige und zinssensible Nasdaq 100 verlor zuletzt 1,63 Prozent auf 13.412 Zähler.

Auch in den USA trübt der starke Preisauftrieb die Kauflaune der Verbraucher. Die für die weltgrößte Volkswirtschaft wichtigen Einzelhandelsumsätze stagnierten im Juli. Sie trügen insgesamt wohl nicht zu mehr Konjunkturoptimismus bei, kommentierte die Landesbank Hessen-Thüringen. "Unabhängig davon wird die Fed wohl am Ziel festhalten, das Leitzinsband weiter zu erhöhen."

Uniper verliert kräftig nach pessimistischem Ausblick

Am deutschen Markt stand zur Wochenmitte einmal mehr Uniper im Fokus. Die Aktien büßten am MDax-Ende rund 12 Prozent auf 6,81 Euro ein, nachdem der angeschlagene Energiekonzern wegen ausbleibender russischer Gaslieferungen für das erste Halbjahr einen Milliardenverlust berichtet hatte. 2022 rechnet das Unternehmen daher mit einem negativen Ergebnis - die Gewinnschwelle sei erst im übernächsten Jahr wieder in Sicht. Ein Händler sprach von desaströsen Zahlen. "Noch schlimmer aber ist, dass sich sowohl in den Zahlen als auch im Ausblick nicht mal ein kleiner Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten findet", schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

Delivery Hero sanken im MDax nach ihrem hohen Vortagspuls um zweieinhalb Prozent. Hier neutralisierten sich ein kritischer Meiden-Bericht zu den Bewertungen von Lieferdiensten und Kurszielerhöhungen mehrerer Analysten nach den positiven Vortagsaussagen zur Profitabilität. Nach dem Einbruch von November bis Mai hatte sich der Aktienkurs zuletzt zudem wieder deutlich erholt, weshalb nun einige Anleger offenbar Kasse machten.

Bitcoin fällt unter 24.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist weiter unter Druck. Auf der Handelsplattform Bitstamp  notierte am Abend bei 23.391 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Viele Finanzfirmen wollen bei Kryptoanlagen mitmischen, doch die US-Notenbank Fed ruft zur Vorsicht auf. Das neu entstehende Geschäftsfeld biete zwar Gelegenheiten, könne jedoch Risiken hinsichtlich des Verbraucherschutzes und der Finanzmarktstabilität bergen, warnte die Fed am Dienstag (Ortszeit). Banken müssten unbedingt vorab prüfen, ob etwaige Kryptogeschäfte legal sind und die Finanzaufseher im Voraus über ihre Pläne informieren.

Bitcoin

Ölpreise steigen etwas

Die Ölpreise haben am Mittwoch nach deutlichen Vortagsverlusten ein wenig zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Mittwoch 92,71 US-Dollar. Das waren 37 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 60 Cent auf 87,13 Dollar.

Am Ölmarkt war zuletzt die Aussicht auf eine Rückkehr iranischen Öls an den Weltmarkt zu einem Belastungsfaktor geworden. Hintergrund sind die aktuellen Bemühungen zur Wiederbelebung des internationalen Atomabkommens von 2015. Dieses hat das Ziel, das iranische Atomprogramm einzuschränken. Im Gegenzug könnten die Erdölsanktionen fallen und somit das Angebot steigen. Analysten von Goldman Sachs zufolge ist es aber weiterhin unwahrscheinlich, dass die Verhandlungspartner kurzfristig eine Einigung erzielen.

Die US-Lagerbestände an Rohöl sind in der vergangenen Woche überraschend und deutlich gefallen. Die Vorräte sanken laut Energieministerium im Vergleich zur Vorwoche um 7,1 Millionen Barrel (159 Liter) auf 425,0 Millionen Barrel. Analysten hatten hingegen mit einem Anstieg um 0,8 Millionen Barrel gerechnet.

Die Öl-Exporte der USA stiegen unterdessen auf einen Rekordwert von 5,0 Millionen Barrel pro Tag. In der Vorwoche hatte der Wert noch bei 2,1 Millionen Barrel gelegen. Die Europäer ersetzen zunehmend russisches Rohöl durch US-Öl. Der deutliche Anstieg der Exporte dürfte auch zu dem Rückgang der Lagerbestände beigetragen haben. Die Ölpreise legten daher nur kurzzeitig zu und gaben dann ihre Gewinne rasch wieder ab.

Aussagen des neuen Generalsekretärs des Ölkartells Opec, Haitham al-Ghais, bewegten den Markt kaum. Er sehe die Gefahr eines Angebotsengpasses am Ölmarkt in diesem Jahr, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es gebe kaum noch freie Produktionskapazitäten. Die derzeit vorherrschenden Nachfragesorgen seien übertrieben. Er erwarte keine große Weltrezession. Auch könne der Ölmarkt zusätzliches Öl aus dem Iran gut verkraften.

Mit Nachrichtenagenturen
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