Rallye an der Wall Street Dow Jones knackt 30.000 Punkte, Teslas Börsenwert steigt über 500 Milliarden Dollar

Die Risikofreude an der Börse nimmt zu. Der Dow Jones übersteigt erstmals die Marke von 30.000 Punkten, Tesla ist jetzt fünfmal so viel wert wie Volkswagen. Aber auch der Dax bekommt Schub für den höchsten Schlusskurs seit neun Monaten.
Börsenturbo: Aufnahme aus dem chinesischen Tesla-Werk nahe Shanghai

Börsenturbo: Aufnahme aus dem chinesischen Tesla-Werk nahe Shanghai

Foto: Ding Ting / imago images/Xinhua

Die Börsen weltweit haben am Dienstag von der zunehmenden Risikofreude der Anleger profitiert. Die Wall Street eröffnete mit weiteren Kursgewinnen. Der Dow Jones  ließ erstmals in seiner Geschichte die Marke von 30.000 Punkten hinter sich. Zum europäischen Börsenschluss stand ein Plus von 1,5 Prozent auf 30.020 Punkte zu Buche. Der marktbreite S&P 500  gewann 1,4 Prozent auf 3629 Punkte. Der Technologiewerteindex Nasdaq 100  gewann 1 Prozent auf 11.996 Zähler.

Besonders die Tesla-Aktie  geriet in den Blick. An der Nasdaq stieg der Kurs um bis zu 5 Prozent auf ein Rekordhoch von 548,53 Dollar. Der Börsenwert des Herstellers von Elektroautos erreichte damit 517 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa dem Fünffachen der Marktkapitalisierung von Volkswagen . Zuvor hatte die Rallye schon dafür gesorgt, dass Tesla-Chef und Großaktionär Elon Musk (49) im globalen Milliardärsranking Microsoft-Gründer Bill Gates (65) überholte und zum zweitreichsten Mann der Erde hinter Amazon-Chef Jeff Bezos (56) aufstieg. Am Dienstag sorgte Musk für weiteres Aufsehen: Er erklärte, das deutsche Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide solle die größte Batteriefabrik der Welt werden.

Tesla-Aktie

Höchster Schlusskurs des Dax seit neun Monaten

In Frankfurt schloss der Dax  mit dem höchsten Kurs seit neun Monaten. Der deutsche Leitindex gewann 1,3 Prozent auf 13.292,44 Punkte. Der MDax  der 60 mittelgroßen Werte legte hingegen nur 0,1 Prozent zu auf 29.029,42 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  ging es um 1,3 Prozent aufwärts auf 3507,56 Punkte.

Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Absturz in der Corona-Krise kräftiger in Schwung gekommen als zunächst angenommen. Für Freude bei den Anlegern sorgte zudem die Nachricht, dass US-Präsident Donald Trump (74) seine Blockadehaltung mittlerweile aufgeweicht hat, sodass nach einer wochenlangen Hängepartie der Übergang zum gewählten Präsidenten Joe Biden (78) beginnen kann. Positiv aufgenommen wurde auch Bidens Nominierung der früheren Zentralbankchefin Janet Yellen (74) als künftige Finanzministerin.

Am Abend deutscher Zeit trat Trump kurz vor die Kameras - aber nur, um zu betonen, dass er den Börsenrekord seinem eigenen Wirken zurechne. Die 30.000 Punkte des Dow Jones seien eine "heilige Zahl". Das lang erwartete Eingeständnis seiner Niederlage brachte der Präsident auch in diesem einminütigen Auftritt nicht über die Lippen. Kurz zuvor hatten auch die Staaten Pennsylvania und Nevada Bidens Sieg amtlich bestätigt, wie zuvor auch Georgia und Michigan.

Dax

Neuigkeiten gibt es auch von der künftigen Zusammensetzung der wichtigsten deutschen Indizes: Die Deutsche Börse stockt den Dax von 30 auf 40 Mitglieder auf. Zugleich kappt sie die Zahl der MDax-Werte von 60 auf 50. Zudem werden nur noch Unternehmen in den deutschen Leitindex Dax aufgenommen, die in den vergangenen zwei Geschäftsjahren profitabel waren.

Bisherige Corona-Verlierer wie MTU , Lufthansa , Fraport , Airbus  und Tui  legten am Dienstag weiterhin zu. Papiere von Airbus kletterten im MDax auf das höchste Niveau seit März, Lufthansa, Fraport und Tui schafften es zurück auf den Stand vom Juni. Die Aktien von Continental  und MTU waren mit rund 6 Prozent plus die größten Gewinner im Dax.

Fotostrecke

Das sind die möglichen Dax-Aufsteiger

Foto: dpa

Auf der Verkaufsliste hingegen standen defensive Werte wie der Immobilienkonzern Vonovia  mit minus 2,4 Prozent. Die im MDax notierte Hellofresh-Aktie  verlor 7,5 Prozent. Eine negative Studie verdarb den Anlegern von Varta  die Laune. Die Papiere des Batterieherstellers verloren 5,8 Prozent auf 108 Euro.

Euro stabilisiert sich

Wegen der wachsenden Risikofreude zogen sich Investoren aus "sicheren Häfen" wie der Weltleitwährung Dollar zurück. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel um 0,3 Prozent. Auch Bundesanleihen mussten Federn lassen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Titel auf bis zu minus 0,558 Prozent.

Der Euro hat sich am Dienstag nach wilder Berg- und Talfahrt zum Wochenbeginn vorerst wieder stabilisiert. Am späten Nachmitag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,186 US-Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1865 Dollar fest.

EUR/USD

Gold auf Viermonatstief

Gleichzeitig sank der Preis für die "Antikrisen-Währung" Gold  um fast 2 Prozent auf ein Viermonatstief von 1838,53 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Langfristig werde es aber wieder aufwärtsgehen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Die wegen der Corona-Krise kräftig gestiegene Verschuldung ist nicht plötzlich verschwunden. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Regierungen und Zentralbanken ihre Unterstützung für die Wirtschaft vorschnell zurückfahren werden."

Gold in Euro

Bitcoin nahe Rekordhoch

Ungebrochen war dagegen der Hunger der Anleger auf Bitcoin . Die älteste und wichtigste Cyberdevise stieg um 5,5 Prozent auf 19.441,51 Dollar und lag damit nur noch rund 3 Prozent unter ihrem Rekordhoch von Ende 2017. 

Ölpreise springen an

Die Ölpreise sind am Dienstag gestiegen und haben damit an die Gewinne vom Wochenauftakt angeknüpft. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 47,76 US-Dollar. Das waren 3,7 Prozent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 4,6 Prozent auf 45,04 Dollar.

Ölpreis

Brent

ak/mg/cr/dpa-afx/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.