Börse Dax und Bitcoin tauchen ab

Anleger fürchten ein rasche Zinswende in den USA. Der Dax schließt mehr als 300 Punkte niedriger. Die Wall Street verharrt zum Handelsschluss in Europa im roten Bereich. Hier trübt auch ein drastischer Kurssturz der Netflix-Aktie die Stimmung.
Abwärts: Der Dax steht am Freitag erheblich unter Verkaufsdruck

Abwärts: Der Dax steht am Freitag erheblich unter Verkaufsdruck

Foto: Boris Roessler / dpa

Die Furcht vor einer raschen Zinswende in den USA und einem eskalierenden Russland-Ukraine-Konflikt hat die Börsen am Freitag nach unten gezogen. Zum Abschluss der Börsenwoche gab der Dax  308 Punkte oder 1,94 Prozent auf 15.603 Zähler ab und konnte damit die Verluste des Tagesverlaufs noch ein wenig reduzieren. Das Tagestief hatte bei 15.446 Punkten gelegen. Der MDax beendete den Handel rund 2 Prozent leichter auf 33.642 Punkte. Der EuroStoxx 50 notierte zum Handelsschluss in Europa rund 1,7 Prozent leichter bei 4227 Zählern.

Dax

Offenbar fehlt den US-Börse auch nach dem heftigen Rücksetzer der vergangenen Tagedie Kraft zu einer Gegenbewegung: Der Leitindex Dow Jones notierte zum Börsenschluss in Europa 0,27 Prozent schwächer. Auf Wochensicht bahnt sich damit ein Verlust von etwa dreieinhalb Prozent an. Für den marktbreiten S&P 500  ging es um 0.5 Prozent weiter abwärts. An der Technologiebörse Nasdaq verlor der Nasdaq 100 rund 0,8 Prozent

Nasdaq

Mittlerweile rechnen Börsianer nicht nur damit, dass die US-Notenbank Fed an den Zinsschrauben dreht, sondern auch schneller, als bislang angenommen. Dafür wird die Fed in der kommenden Woche Experten zufolge den Grundstein legen. Problematisch könnte das irgendwann für höher verschuldete Unternehmen werden. Zudem zehren höhere Kosten für Material und Löhne an den Gewinnmargen der Unternehmen.

"Es gibt viele Spekulationen - vier, fünf, sechs US-Zinserhöhungen in diesem Jahr, eine Erhöhung um 50 Basispunkte im März - was die zugrunde liegende Angst der Märkte genährt hat", sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. "Wir dürfen die Dominoeffekte der USA auf die globalen Märkte niemals unterschätzen, und Europa steht mit der Omikron-Variante und der Energiekrise vor eigenen Herausforderungen", sagte Erlam.

Berlin erwartet nur noch 3,6 Prozent Wachstum

Darüber hinaus waren die Verbraucherpreise in der Eurozone im Dezember in einem Rekordtempo gestiegen, angetrieben durch einen Anstieg der Energiepreise und Engpässe in der Lieferkette. Die Inflation in Deutschland wird nach Einschätzung der Bundesregierung im Schnitt 2022 bei 3,3 Prozent liegen - nach 3,1 Prozent im vergangenen Jahr. Insidern zufolge geht die Regierung zugleich nur noch von einem Wirtschaftswachstum hierzulande von 3,6 Prozent statt zuvor 4,1 Prozent aus.

Für große Enttäuschung sorgte eine überraschend schwache Prognose von Netflix für die Nutzerzahlen, die die Netflix-Aktie einbrechen ließ. Mit einem Verlust von fast 23 Prozent waren Netflix mit Abstand größter Verlierer im technologielastigen Nasdaq 100. Zugleich verzeichneten Digtalwährungen wie Bitcoin deutlich Verluste.

Ein schwacher Ausblick des US-Streaminganbieters Netflix setzte der Stimmung weiter zu, die Netflix-Aktie brach ein. "Steigende Zinsen und dann noch niedrigere Wachstumserwartungen", kommentierte Stanzl. Seiner Ansicht nach könnte Netflix "symptomatisch sein für das, was dem Aktienmarkt in den kommenden Wochen und Monaten noch bevorsteht".

Siemens Energy-Aktie verliert mehr als 16 Prozent

Im Dax brachen Siemens Energy um 16,6 Prozent ein und fuhren damit ihren bislang größten Tagesverlust ein. Sie litten damit einmal mehr unter einer Gewinnwarnung der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa, in deren Folge auch der Dax-Konzern seine Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr senken musste. Die Papiere von Siemens Gamesa sackten in Madrid um 14,1 Prozent ab. Die Papiere der Rivalen Nordex und Vestas büßten bis zu neun Prozent ein.

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Oddo BHF stufte die Energy-Aktie ab mit dem Hinweis, diese Gewinnwarnung von Gamesa sei nun eine zu viel. Analyst Akash Gupta von JPMorgan bezeichnete den Windkraft-Anlagensektor wegen der Unsicherheiten als derzeit "nicht investierbar".

Positive Ausnahmen in der Dax-Familie waren rar. Anders als zuletzt konnten auch klassische Industriewerte, in die Anleger zuletzt vermehrt geflüchtet waren, den Leitindex nicht stützen. Auch die Titel von Autokonzernen kamen nun unter Druck. Die Titel des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf waren nach einer Kaufempfehlung durch die britische Bank HSBC mit einem Anstieg um 0,2 Prozent eine von zwei Dax-Ausnahmen mit positivem Vorzeichen.

Bitcoin fällt und fällt

Die jüngsten Kursverluste an der Wall Street machen Investoren nervös. Sie ziehen sich daher am Freitag auch aus anderen riskanten Anlageklassen wie Kryptowährungen zurück. Bitcoin und Ethereum gaben zweistelling nach. Experten sehen dafür vor allem drei Gründe.

Bitcoin

Ölpreise rutschen ab

Der jüngste Höhenflug der Ölpreise hat am Freitag einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Im frühen Handel gaben die beiden wichtigsten Rohölsorten Brent und WTI deutlich nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 86,88 US-Dollar. Das waren 1,50 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,66 Dollar auf 83,89 Dollar.

Brent

Druck auf die Erdölpreise übte die trübe Börsenstimmung aus. Rohöl gilt als riskante Anlageklasse, die durch fallende Aktienkurse häufig in Mitleidenschaft gezogen wird. Zudem verwiesen Beobachter auf US-Lagerdaten vom Vortag. Das amerikanische Energieministerium hatte einen deutlichen Aufbau der landesweiten Ölvorräte gemeldet.

Trotz der Abschläge halten sich die Ölpreise in Reichweite ihrer in dieser Woche erzielen mehrjährigen Höchststände. Für Auftrieb sorgen ein knappes Angebot bei einer zugleich soliden Nachfrage. Die derzeitige Corona-Welle scheint den Bedarf an Erdöl weniger stark zu beeinflussen als vorherige Wellen, da die Omikron-Variante häufig nicht ganz so starke Symptome hervorruft und die wirtschaftlichen Auswirkungen bisher weniger heftig ausfallen.

Mit Nachrichtenagenturen