Börse Dax mit Gewinnen – Spekulationen über EZB-Zinserhöhung

Der Dax legt am Dienstag kurzzeitig stark zu. Am Markt kursieren Gerüchte über die Europäische Zentralbank, die im März ihr Zinserhöhungstempo verlangsamen könnte. Der Bitcoin steigt auf den höchsten Stand seit vier Monaten.
Börse Frankfurt: Der Dax legt am Dienstag weiter zu

Börse Frankfurt: Der Dax legt am Dienstag weiter zu

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Dax  hat am Dienstag an seinen starken Jahresstart angeknüpft und ist etwas weiter nach oben geklettert. Der deutsche Leitindex legte um 0,35 Prozent auf 15.187 Punkte zu. Für den MDax  der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,63 Prozent auf 28.635 Punkte nach oben. Der EuroStoxx 50 , der Leitindex der Eurozone, gewann 0,6 Prozent auf 417 Punkte.

Stützend wirkte, dass sich die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten in Deutschland im Januar deutlich stärker als erwartet verbessert haben. Erstmals seit elf Monaten signalisieren sie zudem eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

Für zumindest kurzen Auftrieb hatte im Handelsverlauf ein Agenturbericht gesorgt, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Zinserhöhungstempo im März verringern könnte. Demnach dürfte die EZB den Leitzins zunächst wie allgemein erwartet im Februar um 0,50 Prozentpunkte erhöhen. Für den März erhalte jedoch ein kleiner Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten mehr Zustimmung im EZB-Rat, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf nicht genannte EZB-Kreise. Für Aktienanleger wären das positive Aussichten, da ein allzu starker Zinsanstieg Aktien im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv erscheinen lassen würde. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es in dem Bericht weiter.

Im Blick stehen außerdem Daten zum Wirtschaftswachstum aus China. Nach offiziellen Angaben legte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal wegen der Corona-Situation nur noch um 2,9 Prozent zu. Das ist zwar mehr als von Experten erwartet, das Wachstumsziel der Regierung für das Gesamtjahr wurde aber deutlich verfehlt.

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Wacker Chemie und K+S gefragt

Unter den Einzelwerten standen vor allem Aktien aus der zweiten und dritten Reihe im Blick. So zählten Wacker Chemie mit plus 5,3 Prozent zu den Spitzentiteln im MDax. Auftrieb dürfte der neue Industrieplan der Europäischen Union (EU) geben, mit dem Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Europas Wirtschaft zum Weltmarktführer für saubere Technologien und Innovationen machen will. Analyst Sebastian Satz von der britischen Bank Barclays hatte bereits vor einigen Tagen auf eine mögliche finanzielle Unterstützung der EU zur Rückverlagerung der Solar-Fertigung nach Europa hingewiesen.

Favorit im Index waren die Anteilsscheine von K+S, die um 7,8 Prozent in die Höhe schnellten. Der Vorstandsvorsitzende des Salz- und Düngemittelproduzenten, Burkhard Lohr, hatte auf einer Konferenz des Analysehauses Kepler Cheuvreux von einer weltweit soliden Nachfrage gesprochen.

Hugo Boss überzeugt mit Quartalszahlen

Der Modeanbieter Hugo Boss veröffentlichte am Morgen besser als erwartete Quartalszahlen. Trotz der hohen Inflation steigerte er Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr und verzeichnete damit nochmals eine starke Dynamik im Schlussviertel. Dass die Aktie dennoch rund ein Prozent nachgab, dürfte dem sehr starken Lauf des Papiers seit Anfang November geschuldet sein. Erst in der vergangenen Woche war der höchste Stand seit Mai 2019 erreicht worden.

Für United Internet ging es dagegen um 1,9 Prozent nach oben. Die Cloud-Dienstleistungstochter Ionos des Internetdienstleisters und Telekomkonzerns soll im ersten Quartal an die Börse gehen, wie sie am Morgen bekannt gab. United Internet wird nach Abschluss eine Mehrheitsbeteiligung behalten.

LVMH-Aktien auf Rekordhoch

Die Aktien des Luxusgüterkonzerns LVMH steigen in Paris auf einen neuen Rekordwert. Die Wertpapiere gewinnen bis zu 0,4 Prozent auf 795,70 Euro und erreichten damit ein Allzeithoch. Die Marktkapitalisierung des in Paris gelisteten Unternehmens überschreitet damit zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte die Marke von 400 Milliarden Euro und festigt seine Führung als wertvollstes Unternehmen in Europa. Eine Umstrukturierung sowie China-Hoffnungen treiben Analysten zufolge die Aktien der Firma an.

Konjunkturdaten und Goldman Sachs belasten US-Börsen

Enttäuschende Zahlen der Investmentbank Goldman Sachs und anderer Unternehmen haben den US-Aktienmärkten am Dienstag einen Dämpfer verpasst. Zudem überwog bei Stimmungsdaten aus der Industrie offenbar die Angst vor einer Konjunkturabkühlung. Die Erleichterung darüber, dass sie einer stärkeren geldpolitischen Straffung keinen Vorschub leisteten, konnte sich demgegenüber nicht durchsetzen.

Nach dem feiertagsbedingt langen Wochenende baute der Dow Jones Industrial am Dienstag sein moderates Minus vom Handelsstart aus und fiel unter die vielbeachtete Marke von 34.000 Punkten. Zuletzt notierte der US-Leitindex 0,96 Prozent tiefer bei 33.976 Zählern. Aktien aus der zweiten Reihe und Technologiewerte zeigten sich am Dienstag hingegen in besserer Verfassung. So stieg der marktbreite S&P 500 um 0,05 Prozent auf 4000 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 0,33 Prozent auf 11.535 Punkte.

Der Gewinn von Goldman Sachs war im vergangenen Quartal trotz einer florierenden Handelssparte um zwei Drittel eingebrochen und damit noch deutlicher als befürchtet. Verluste im Privatkundengeschäft und eine höhere Risikovorsorge für Kredite, die bei einer Wirtschaftskrise platzen könnten, drückten auf die Bilanz. Die Anleger reagierten wenig begeistert: Die Goldman-Aktien sackten um 6,1 Prozent ab und waren damit Schlusslicht im Dow.

Dagegen stieß Morgan Stanley mit einem Zwischenbericht auf ein positives Echo. Die Investmentbank übertraf trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs die Analystenprognosen. Die Morgan-Stanley-Papiere schnellten als bester Wert im S&P-100-Index zuletzt um 6,3 Prozent nach oben.

Chinesische Wirtschaft belastet asiatische Aktien

Die wichtigsten Aktienmärkte in Asien haben am Dienstag keine einheitliche Richtung eingeschlagen. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  schloss nach den Verlusten zum Wochenstart 1,2 Prozent höher. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten chinesischen Unternehmen an den Festlandbörsen sank hingegen um 0,3 Prozent und der Hang-Seng-Index der Sonderverwaltungszone Hongkong büßte 1,3 Prozent ein. Die Wirtschaft in China wuchs im vierten Quartal stärker als von Experten erwartet. "Chinas Wirtschaft hat die steigenden Covid-Zahlen bislang überraschend gut weggesteckt", schrieb Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Dass die Börsen dort trotzdem negativ reagierten, müsse nicht an den Zahlen liegen. Denn zuletzt seien die Indizes besonders stark angestiegen und positive Nachrichten würden nun für Gewinnmitnahmen genutzt.

Bitcoin auf Vier-Monats-Hoch

Die Digitalwährung Bitcoin ist am Dienstag auf der Handelsplattform Bitstamp  auf 21.594 US-Dollar gestiegen und notierte damit auf dem höchsten Stand seit dem 13. September. Zuletzt notierte die Cyberdevise bei 21.148 US-Dollar. Im November 2022 war die Währung unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der Kryptobörse FTX von über 21.000 US-Dollar auf rund 16.000 US-Dollar eingebrochen. Ein Jahr zuvor erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat der Bitcoin bereits fast 30 Prozent an Wert gewonnen.

Bitcoin

Ölpreise stagnieren

Die Ölpreise haben am Dienstag mit der Hoffnung auf eine steigende Nachfrage zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete zuletzt 85,18 US-Dollar. Das waren 72 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) zur Februar-Lieferung stieg um 11 Cent auf 79,97 Dollar.

Für positive Stimmung am Rohölmarkt sorgten Konjunkturdaten aus China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wuchs im vierten Quartal 2022 stärker als erwartet. Die Volksrepublik zählt zu den weltweit größten Energieverbrauchern.

Auch in anderen Ländern und Regionen hellen sich die Konjunkturperspektiven derzeit auf. Für Europa deutet immer mehr darauf hin, dass eine schwere Rezession trotz des Ukrainekriegs vermieden werden kann. Ein wichtiger Grund ist die Entwicklung der Erdgaspreise, die nach einem dramatischen Anstieg mittlerweile wieder niedriger liegen als vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Die Erdölpreise waren zwischenzeitlich ebenfalls stark gestiegen.

Mit Nachrichtenagenturen
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