Dax über 16.000 Punkten Rekordjagd im Dax - wie lange noch?

14.000, 15.000, 16.000 Punkte: Der Dax hat in diesem Jahr bereits drei Tausender-Schwellen überschritten und rund 17 Prozent zugelegt. Wie lange geht die Kursrally noch weiter? Viele Anleger rechnen mit einem rauen Herbst.
Der Bulle ist obenauf: Der deutsche Leitindex Dax hat in diesem Jahr bereits die dritte Tausender-Marke überwunden -

Der Bulle ist obenauf: Der deutsche Leitindex Dax hat in diesem Jahr bereits die dritte Tausender-Marke überwunden -

Foto: DPA

Rekordlauf an der deutschen Börse: Der deutsche Leitindex Dax  hat am Freitag ein Rekordniveau erreicht und die runde Marke von 16.000 Punkten geknackt. Es ist bereits die dritte Tausenderschwelle, die der Dax in diesem Jahr hinter sich lässt: Seit Jahresbeginn ist der deutsche Leitindex von 13.719 Zählern bereits um knapp 17 Prozent gestiegen, ähnlich stark wie der US-Leitindex Dow Jones.

Die Ausbreitung der Delta-Variante, erneute Lockdown-Befürchtungen sowie eine anziehende Inflation haben Anleger nicht davon abhalten können, bei Aktien zuzugreifen: Vor allem die Geldschwemme der US-Notenbanken sowie die deutlich steigenden Gewinne der Unternehmen im Vergleich zum ersten Corona-Jahr 2020 haben dafür gesorgt, dass Investoren trotz der deutlich gestiegenen Bewertungen am Aktienmarkt immer noch mehr Chancen sehen als Risiken. Doch nun naht der Börsenmonat September, und nach Einschätzung von einigen Börsianern könnte es ein rauer Herbst werden.

Dax

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Mit der Herde mitrennen

Einige Investoren hätten sich in der Hoffnung auf günstigere Kaufkurse zuletzt zurückgehalten und stünden nun unter Zugzwang, erklärte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. So können Fondsmanager gegenüber ihren Kunden schnell in Erklärungsnot geraten, wenn sie nicht mit dem Markt Schritt halten. Andere sähen den Ausbruch des Dax auf Höchststände nach der Richtungssuche der vergangenen Wochen als grundsätzlich positives Signal. Daher stockten sie ihre Aktienpositionen weiter auf.

So war der Dax  zuvor seit Anfang Juni unter dem Strich nicht vom Fleck gekommen. Zu groß waren die Sorgen angesichts der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sowie hoher Inflationsraten. Umfangreiche Corona-Lockdowns und eine starke Teuerung könnten die globale Konjunkturerholung abwürgen, lautete die Befürchtung. Zumindest in den USA und vielen Ländern Europas gehen die Behörden mittlerweile aber entspannter mit der Corona-Situation um.

Inflation: Notenbanker nennen steigende Preise "vorübergehendes Phänomen"

Und auch die Inflation ist - zumindest derzeit - kaum noch ein Störfaktor in den Köpfen. Ihr Anstieg wird hingenommen. Dieser sei schließlich nur vorübergehend und den Verzerrungen dem Pandemiejahr 2020 geschuldet, so lautet zumindest die These der Notenbanken. Ob sich recht haben, werden die kommenden Monate zeigen - dies wird einer der entscheidenden Faktoren sein, ob die Kursrally an den Aktienmärkten weitergeht oder abrupt stoppt.

Viele Unternehmen bekommen die anziehenden Preise schon seit einer Weile zu spüren, reichen sie aber so weit möglich an ihre Kunden weiter. Insgesamt liefen die Geschäfte zuletzt denn auch gut, wie eine Analyse der Berichtssaison zum zweiten Quartal durch die US-Bank JPMorgan zeigt: "Die Umsatzentwicklung in den USA und Europa ist robust." Der Anteil von Unternehmen, die die Erwartungen übertroffen hätten, sei in beiden Regionen nach oben geschossen und habe in den USA den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt erreicht.

Behutsame Worte der Fed

Die Notenbanken, allen voran die Federal Reserve (Fed) in den USA, versuchen die Märkte mit behutsamen Worten auf eine zumindest leichte Straffung der Geldpolitik vorzubereiten, die sie zuletzt wegen der Corona-Krise nochmals gelockert hatten. Dass Samthandschuhe durchaus angebracht sind, zeigt ein Blick auf das Jahr 2018. Damals hatte Fed-Chef Jerome Powell eine Normalisierung der Geldpolitik ins Spiel gebracht. Die Börsenkurse waren daraufhin zum Jahresende hin stark gefallen.

Nach Ansicht von Fed-Kritikern wie dem Marktstrategen Albert Edwards von der französischen Bank Societe Generale befinden sich die Aktienmärkte schon lange in einer Abhängigkeit vom ultrabilligen Geld. "Die Zentralbanken sind Sklaven der von ihnen geschaffenen Blasen", schrieb Edwards erst jüngst in seiner viel beachteten Reihe "Global Strategy Weekly". Die Märkte - gemeint ist das Verhalten der Investoren - zwängen die Fed im Grunde, Straffungen der Geldpolitik rasch wieder zurückzunehmen.

So fließt - auch mangels Alternativen - seit Jahren viel billiges Geld in die Aktienmärkte. Falls steigende Zinsen den Geldfluss drosseln oder andere Anlagen wie Kontoguthaben attraktiver machen, dürften Investoren zumindest einen Teil ihrer Gelder vom Aktienmarkt abziehen. Geschieht dies in großem Umfang, können die Kurse auch stark abrutschen - mit Folgen auch für Konsum und die reale Wirtschaft.

Bitcoin steigt wieder über die Marke von 46.000 US-Dollar

Auch am Kryptomarkt greifen spekulative Anleger seit einigen Wochen wieder verstärkt zu. Die Risiken durch "Staking" geraten zunehmend aus dem Blick . Die Kryptowährung Bitcoin hat sich am Freitag wieder deutlich erholt. Zuletzt pendelte die Cyberdevise knapp über der Marke von 46.000 US-Dollar. In den vergangenen vier Wochen hat sich Bitcoin jedoch spürbar erholt, Mitte Juli war die Kryptowährung unter die Marke von 30.000 US-Dollar gefallen, hatte danach aber zu einer Kursrally angesetzt und binnen 5 Wochen rund 50 Prozent zugelegt.

Bitcoin

la/dpa-afx
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