Börse Dax setzt Talfahrt fort, Kurssturz an der Nasdaq

Der Dax hat am Donnerstag Verluste eingefahren und konnte die Marke von 12.000 Punkten nicht halten. Die Kurse wurden auch dadurch belastet, dass die Inflationsrate in Deutschland auf 10 Prozent gestiegen ist. Kräftig bergab ging es an der Nasdaq.
Händlerin an der Frankfurter Börse: Der Dax verlor am Donnerstag 1,71 Prozent

Händlerin an der Frankfurter Börse: Der Dax verlor am Donnerstag 1,71 Prozent

Foto: DPA

Nach der Stabilisierung vom Vortag hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag wieder kräftig verloren. Der Dax  rang erneut um die viel beachtete Marke von 12 000 Punkten, konnte sie aber nicht halten. Letztlich verlor der Leitindex 1,71 Prozent auf 11.976 Punkte. Der MDax  büßte 2,40 Prozent auf 21.791 Zähler ein. Belastend wirkte unter anderem die schwache Entwicklung der Wall Street. Der EuroStoxx 50  fiel um 1,69 Prozent auf 3279 Punkte.

"Dem Dax wird derzeit fast börsentäglich ein dicker Brocken nach dem anderen serviert", bemerkte Marktexperte Andreas Lipkow. So zeigten die Inflationsdaten für Deutschland eine zweistellige Steigerung der Verbraucherpreise für September. Die Dynamik der Preissteigerung nehme zwar ab, aber die Preise stiegen insgesamt weiter. Dies sei kein gutes Vorzeichen für die weitere Entwicklung und setze die Europäische Zentralbank weiter unter Zugzwang, so Lipkow.

Die Inflation in Deutschland ist auf den höchsten Stand seit etwa 70 Jahren gesprungen. Angetrieben von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen legten die Verbraucherpreise im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,0 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im August war noch ein Anstieg um 7,9 Prozent verzeichnet worden.

Porsche-Aktie debütiert an der Börse

Im Fokus steht vor allem der Börsengang der Porsche AG – der Sportwagentochter von Volkswagen. Inmitten angespannter Finanzmärkte gab es den größten deutschen Börsengang seit der Telekom im Jahr 1996. Volkswagen hatte die Papiere dank einer großen Nachfrage am oberen Ende der Angebotsspanne zugeteilt. Zum Ausgabepreis wird Porsche mit 75,2 Milliarden Euro bewertet. Mit einem Emissionsvolumen von 9,4 Milliarden Euro ist es der größte Börsengang in Deutschland seit mehr als 25 Jahren.

Die Titel des Sportwagenbauers erschienen mit 84,00 Euro erstmals auf der Kurstafel, fielen dann aber binnen Minuten auf den Ausgabepreis von 82,50 Euro zurück. Im Verlauf des Vormittags arbeiteten sie sich auf ein Tageshoch von über 86 Euro vor und fielen dann auf den Ausgabepreis von 82,50 Euro zurück. Für Aktionäre von VW und ihres Großaktionärs Porsche SE gab es dabei wenig Anlass zur Freude. Papiere von Porsche SE erwischte es mit minus 10,9 Prozent am Dax-Ende dabei besonders heftig. Die Volkswagen-Vorzüge büßten 6,9 Prozent ein.

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Zalando nach H&M-Prognose unter Druck

Auch im Einzelhandelsbereich mussten Anleger europaweit wieder heftige Kursverluste hinnehmen. Nach schwachen Geschäften im dritten Geschäftsquartal ist der Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) zwar besser in den September gestartet. Nichtsdestotrotz seien die Aussichten auf die kommenden Monate sehr negativ, auch weil Beschaffungskosten wegen des anziehenden US-Dollar weiter stiegen. Die Anteilscheine des Branchenkollegen Zalando verloren 6,2 Prozent.

Einen Kursgewinn von 12,6 Prozent gab es dagegen bei Rational. Der Großküchenausstatter schaut nach einem stark verlaufenen Quartal optimistischer in die Zukunft und erhöhte seine Ziele für das Jahr.

Gefragt waren zudem die tags zuvor schwachen Rückversicherer. Munich Re legten um 2,4 Prozent zu und Hannover Rück gewannen an der Dax-Spitze 3,0 Prozent. Ihnen half, dass sich Hurrikan "Ian" auf seinem Weg durch den US-Bundesstaat Florida mittlerweile abgeschwächt hat.

US-Börsen unter Druck, Nasdaq stürzt ab

Auch die kräftige Kurserholung an der Wall Street vom Mittwoch ist einen Tag später schon wieder verpufft. Am Donnerstag schürten robuste Konjunkturdaten einmal mehr die Sorge, dass die Leitzinsen im Kampf gegen die hohe Inflation weiter steigen dürften. So sank die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend und deutlich. Damit sackten die wichtigsten Börsenbarometer am US-Aktienmarkt wieder ab.

Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 2,23 Prozent auf 29.021 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500  ging es um 2,82 Prozent auf 3614 Zähler nach unten. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 sackte um 3,80 Prozent auf 11.057 Punkte ab. Der Tech-Sektor enthält viele hoch bewertete Aktien; entsprechend sensibel reagiert die Branche auf steigende Zinsen, denn künftige hohe Unternehmensgewinne sind dann zum heutigen Zeitpunkt weniger wert.

Nasdaq 100

Unter den größten Verlierern in Dow büßten die Aktien des iPhone-Herstellers Apple fünfeinhalb Prozent ein und fielen damit auf das Niveau von Anfang Juli zurück. Als Belastung erwies sich eine skeptische Studie der Bank of America. Die Papiere hätten in dem aktuell schwierigen Umfeld quasi als sicherer Hafen gedient, doch inzwischen hielten sich Chancen und Risiken wieder in etwa die Waage, schrieb Analyst Wamsi Mohan. Dabei verwies der Experte auf die Abschwächung im Bereich der Inhalte und Services sowie die recht maue iPhone-Nachfrage, die auf sinkende Ausgaben der Verbraucher hindeuteten.

Auch fast alle anderen Dow-Werte verzeichneten Verluste. An der Dow-Spitze schafften die Anteilscheine des Versicherers Travelers ein Plus von knapp einem Prozent. Anleger reagierten erleichtert darauf, dass sich der Hurrikan "Ian" auf seinem Weg durch den US-Bundesstaat Florida abgeschwächt hat. Meteorologen stuften den Hurrikan damit zu einem Tropensturm herab.

Bitcoin wieder über 19.000 US-Dollar

Die Digitalwährung Bitcoin notierte auf der Handelsplattform Coinbase  zuletzt bei 19.300 US-Dollar. Im November vergangenen Jahres erreichte die bekannte Kryptowährung noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise haben sich am Donnerstag nur wenig bewegt. Sie konnten damit die starken Gewinne vom Vortag überwiegend halten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostet am Abend 89,24 US-Dollar. Das waren acht Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg hingegen um 6 Cent auf 82,22 Dollar.

Am Markt wird nach Einschätzung von Beobachtern auf eine mögliche Kürzung der Fördermenge durch die Staaten des Ölverbunds Opec+ spekuliert. Laut Bloomberg hätten in dem Gremium bereits Diskussionen über eine Verringerung begonnen. Es werde noch über das Ausmaß diskutiert, hieß es unter Berufung auf Delegierte. Das nächste Treffen des Ölkartells findet am 5. Oktober statt. Dies habe die Ölpreise etwas gestützt, sagten Händler. Zuvor waren sie wegen der trüben Konjunkturaussichten stark gefallen und hatten erst zur Wochenmitte eine Erholung gestartet.

Mit Nachrichtenagenturen
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