Ausverkauf an der Börse Dow und Nasdaq brechen ein – Kurssturz nach der Rallye

Auf die Kursrallye nach der Fed-Entscheidung folgt am Donnerstag der erneute Kurssturz: Der Dow Jones verliert am Abend mehr als 1000 Punkte, der Tech-Index Nasdaq bricht um mehr als 5 Prozent ein. Der Dax verliert binnen weniger Stunden mehr als 400 Punkte.
Kursrutsch: An der Wall Street stürzt der Dow Jones am Donnerstag um mehr als 1000 Punkte ab

Kursrutsch: An der Wall Street stürzt der Dow Jones am Donnerstag um mehr als 1000 Punkte ab

Foto: Richard Drew/ picture alliance/dpa

Der Kursrutsch an den US-Börsen beschleunigt sich. Der Dow-Jones-Index verliert bis 19 Uhr mehr als 1000 Punkte und steht 3,6 Prozent tiefer bei 32.828 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq verliert am Abend mehr als 5 Prozent an Wert.

Die deutlichen Verluste an den US-Börsen haben am Donnerstag im späten Handel dazu geführt, dass der deutsche Leitindex Dax seine frühen Gewinne komplett wieder abgegeben hat und unter die Marke von 14.000 Zählern gestürzt ist.

Nasdaq

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Der Dax  büßte bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) 0,49 Prozent auf 13 902 Punkte ein. Am Abend baute der Dax seine Verluste dann weiter aus und fiel bis auf 13.850 Punkte zurück. Am Morgen hatte er noch 2,5 Prozent auf 14.300 Punkte zugelegt - binnen weniger Stunden hat der Dax also mehr als 400 Punkte verloren. Der MDax verlor 1,08 Prozent auf 29 374,37 Zähler.

An den US-Börsen war am Donnerstag auch schnell wieder Ernüchterung einkehrt, nachdem dort am Vorabend als mild aufgefasste Notenbank-Äußerungen zur künftigen Geldpolitik eine späte Rally entfacht hatten. Der Umschwung in New York galt auch hierzulande als wichtigste Bremse des Aktienmarktes. Begründet wurde die wieder getrübte Stimmung mit anziehenden Anleiherenditen und anhaltenden Konjunktursorgen. Am Abend notierte der Tech-Index Nasdaq 100 mehr als 4 Prozent im Minus.

Dax

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Börsianer betonten, dass sich der Dax erneut nicht aus seinem seit Januar geltenden Abwärtstrend habe befreien können. Mit 14 315 Punkten im Frühhandel hatte es so ausgesehen, als ob dies dem Leitindex vielleicht gelingen könnte. Bislang hat er in diesem Börsenjahr geprägt vom Ukraine-Konflikt, der hohen Inflation und Zinsangst etwa 12,5 Prozent verloren. Anlegern stehen weiterhin raue Wochen bevor.

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Bärenmarkt: Der Abwärtstrend bleibt intakt

Die Fed hatte am Vorabend wegen der hohen Inflation den Leitzins wie erwartet um 0,50 Prozentpunkte angehoben. Entgegen einigen Befürchtungen betonte Notenbank-Chef Jerome Powell aber, dass noch größere Zinsschritte derzeit nicht in Erwägung gezogen würden. Die Anleger reagierten darauf jedoch nur kurzfristig erleichtert. Am Markt hieß es, für wieder erhöhte Nervosität sorge die über drei Prozent gestiegene Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen. Zudem brach die Produktivität in der US-Wirtschaft im ersten Quartal deutlicher ein als befürchtet.

Airbus gegen den Trend fest

Neben den geldpolitischen Perspektiven sorgte die weiter laufende Bilanzsaison der Unternehmen für viel Gesprächsstoff. Airbus legten an der Dax-Spitze um 6,1 Prozent zu. Der Flugzeughersteller habe starke Ergebnisse vorgelegt, hieß es am Markt. Auch die Produktionsziele für 2025 kamen gut an.

Zalando verliert zweistellig

Das andere Extrem im Dax waren die Aktien von Zalando , für die es um 10,6 Prozent in den Keller ging. Die Anleger stellten sich nach dem Quartalsbericht noch stärker als zuvor auf Zeiten moderateren Wachstums ein, und so begab sich der Kurs im Verlauf so richtig auf Talfahrt. Benjamin Kohnke von Stifel Research sieht den andere Zeiten gewohnten Online-Händler angesichts "glanzloser Zahlen" nun in einer äußerst kritischen Lage.

BMW gibt Gewinne wieder ab

Während die Aktien von BMW nach Zahlen gemeinsam mit dem ganzen Autosektor ins Minus rutschten, strichen die Aktionäre des Immobilienkonzerns Vonovia ein Kursplus von 1,8 Prozent ein. Zahlenwerk und Ausblick zeichneten ein gemischtes Bild, seien aber gut genug für steigende Kurse, sagte dazu ein Händler. Im MDax gerieten die Titel des Chemiekonzerns Lanxess nach Quartalszahlen besonders deutlich mit 7,2 Prozent unter Druck.

Der Euro kostete 1,0507 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zwischenzeitlich auf 1,0568 (Mittwoch: 1,0531) Dollar festgesetzt.

Der Rentenindex Rex stieg um 0,18 Prozent auf 135,66 Punkte, während die Umlaufrendite im Gegenzug von 0,87 Prozent am Vortag auf 0,86 Prozent sank. Der Bund-Future drehte deutlich mit 0,8 Prozent ins Minus auf 152,35 Punkte

US-Börsen: Dow Jones taucht ab, Ausverkauf an der Nasdaq

An den US-Börsen ist die Erholung einen Tag nach dem Zinsentscheid der Notenbank Fed bereits wieder beendet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab am Donnerstag zeitweise um mehr als 3 Prozent nach. Der breiter gefasste S&P 500 fiel um 1,6 Prozent auf 4230 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq 100 verlor sogar mehr als 4 Prozent an Wert. Tech-Schwergewichte wie Tesla, Amazon oder Alphabet gerieten jeweils stark unter Druck.

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Etsy mit Kursrutsch, Twitter legt zu

Investoren mussten am Donnerstag zudem eine Flut von Firmenbilanzen verarbeiten. Ein enttäuschender Ausblick brockte Etsy den größten Kurssturz seit neun Monaten ein. Die Aktien des auf Kunsthandwerk spezialisierten Online-Marktplatzes rutschten um mehr als vierzehn Prozent ab.

Twitter zogen um 3,4 Prozent an. Tesla-Chef Elon Musk kommt bei der Finanzierung der insgesamt 44 Milliarden Dollar teuren geplanten Übernahme des Kurznachrichtendienstes voran. So hat er den Angaben zufolge von einer Gruppe von Investoren 7,14 Milliarden Dollar zugesichert bekommen.

Asien tendiert freundlich

Die wichtigsten Aktienmärkte in Asien haben am Donnerstag überwiegend freundlich tendiert. In Japan blieben die Märkte wegen eines Feiertages erneut geschlossen. An der Börse in Hongkong wurde dagegen gehandelt. Dort legte der Leitindex Hang Seng zuletzt um 0,7 Prozent zu. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland gewann 0,5 Prozent. Die freundliche Stimmung der US-Aktienmärkte sorgte auch in Asien für Rückenwind.

Bitcoin unter 39.000 US-Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte zuletzt bei rund 38.800 US-Dollar. Die Kryptowährung ist allerdings seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise haben vor der Sitzung des Ölverbunds Opec+ ihre deutlichen Aufschläge vom Vortag leicht ausgeweitet. Am Donnerstagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  110,69 US-Dollar. Das waren 55 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 35 Cent auf 108,16 Dollar.

Brent

Auftrieb erhalten die Ölpreise auch durch die Aussicht auf ein EU-Embargo gegen russisches Rohöl. Allerdings sind nach einem Vorschlag der EU-Kommission generelle Übergangsfristen vorgesehen. Darüber hinaus müssen dem Plan alle EU-Länder zustimmen, was ungewiss ist. Die mittelfristige Preisreaktion auf den Erdölmärkten dürfte laut Experten vor allem davon abhängen, ob Russland sein Öl anderweitig absetzen kann und ob weltweit ausreichende Kapazitäten vorhanden sind, um ausfallendes russisches Öl zu ersetzen.

Mit Nachrichtenagenturen