Kursrutsch an der Börse Dow und Nasdaq brechen erneut ein

Bullenfalle: In den USA stürzen der Tech-Index Nasdaq und der Standardwerte-Index Dow Jones erneut ab. Auch Bitcoin knickt ein. Für den Dax sind das dunkle Vorzeichen.
Börse in Frankfurt am Main: Der Kursrutsch in den USA setzt den Dax erneut unter Druck

Börse in Frankfurt am Main: Der Kursrutsch in den USA setzt den Dax erneut unter Druck

Foto: Arne Dedert / dpa

Erneuter Rückschlag: Der Dax hat den eher unbedeutenden Xetra-Handel am Dienstag mit einem kleinen Plus von 0,3 Prozent abgeschlossen, ist im späten Handel aber erneut deutlich abgerutscht. Grund für die erneute Kursschwäche sind die erneut schweren Verluste an der Nasdaq sowie im Dow Jones. Der Dax dürfte am Mittwoch klar im Minus eröffnen.

Der MDax  der mittelgroßen Werte rutschte ins Minus und gab auf Xetra um 0,13 Prozent auf 27.119 Zähler nach. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50  ging es um 0,3 Prozent nach oben. Auch dies ist nur eine Momentaufnahme, beide Indizes gerieten am Abend wieder stärker unter Druck.

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Aufhorchen ließen Aussagen von Notenbank-Vertretern. So sollte laut Martins Kazaks, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, im Juli eine größere Zinserhöhung um 0,5 Punkte in Betracht gezogen werden. Diese Aussage hatte am Vormittag die Kursgewinne vorübergehend etwas abschmelzen lassen. Zudem sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die Zentralbank könnte angesichts der Inflation das Tempo bei der Normalisierung der Geldpolitik erhöhen.

Luftfahrt-Aktien gefragt

Luftfahrtwerte waren vor dem Hintergrund der China-Lockerungen und des wieder auflebenden Tourismus gefragt. Zudem verwies JPMorgan-Analyst David Perry auf neue Prognosen des Dachverbands der Fluggesellschaften (IATA), die optimistisch erschienen. Sollte es mit den Pandemie-Lockerungen in Asien schneller als erwartet gehen, könnten laut Perry Luftfahrtzulieferer ihre Gewinnprognosen womöglich anheben. Im Dax gewannen MTU 3,2 Prozent und Airbus 2,2 Prozent. Im MDax verteuerten sich Fraport um 2,2 Prozent. Lufthansa reduzierten ihr Plus auf nur noch 0,7 Prozent. Die Lufthansa nimmt angesichts einer stark gestiegenen Ticketnachfrage nun auch den Großraumjet A380 von Airbus wieder in Betrieb.

Dow Jones und Nasdaq knicken erneut ein

In den USA hat nach einem freundlichen Start ein erneuter Ausverkauf eingesetzt. Zuletzt taxierte der Dow Jones Industrial 1,6 Prozent tiefer und fiel unter die Marke von 31.000 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 stürzte sogar um 3 Prozent auf 11.181 Punkte. Schwergewichte wie Tesla oder Amazon verloren am Dienstag 5 bzw. 5,2 Prozent an Wert.

Der Leitindex Dow Jones hatte sich nach der Startglocke noch auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Wochen aufgeschwungen, doch dann setzten Aktienverkäufe ein. Der Dow schloss mit einem Verlust von 1,56 Prozent auf 30 946,99 Punkte.

Kurz nach Handelsbeginn wurden Daten zur Stimmung der US-Verbraucher veröffentlicht. Diese hat sich im Juni stärker als erwartet eingetrübt und war so gedrückt wie zuletzt Anfang 2021. Die Konsumausgaben der Bürger sind mit Abstand das wichtigste Standbein der gesamten Wirtschaft in den USA. Daraufhin bröckelten die Kurse stetig ab, zuvorderst an der von Technologie-Aktien dominierten Nasdaq-Börse. Der Nasdaq 100 rutschte um 3,1 Prozent auf 11 637,77 Punkte ab. Der marktbreite S&P 500 verlor 2,01 Prozent auf 3821,55 Zähler.

«Eine Rezession ist mittlerweile eindeutig eine Möglichkeit», schrieb Ökonom Jeremy Schwartz von der Bank Credit Suisse. Das Wachstum werde den höheren Kreditkosten und einer schlechteren Stimmung Tribut zollen, vor allem in konjunkturabhängigen Branchen. Es passte ins Bild, dass Aktien aus dem Konsumsektor und der IT-Branche am Dienstag die größten Verlierer waren. Schwartz prognostizierte, dass die privaten Verbraucher bei Haushaltsgütern und beim Wohnen den Gürtel enger schnallen und gleichzeitig die Unternehmen die Investitionen drosseln müssten.

US-Banken planen Aktienrückkäufe und höhere Dividenden

Nach dem Bestehen des Stresstests der US-Notenbank Fed haben die ersten großen US-Geldhäuser neue Pläne zur Kapitalausschüttung an ihre Aktionäre vorgestellt. So will Morgan Stanley in den kommenden Jahren für bis zu 20 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen und die Dividende erhöhen. Morgan Stanley stiegen um knapp ein Prozent. Andere Bankenaktien wie Goldman Sachs, Bank of America und JPMorgan hielten sich deutlich besser als der sehr schwache Gesamtmarkt.

Größter Verlierer im Dow waren Nike mit minus sieben Prozent. Der Rivale von Adidas strich wegen der Covid-Lockdowns in China im vierten Geschäftsquartal deutlich weniger Gewinn ein. Das Quartal sei durchwachsen ausgefallen, urteilte Analyst Matthew Boss von JPMorgan. Im Sog von Nike verloren auch die Aktien von Under Armour drei Prozent.

Bitcoin fällt deutlich unter 21.000 Dollar

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin notierte am Abend auf der Handelsplattform Bitstamp  bei rund 20.200 Dollar. De Cyberdevise hatte im November vergangenen Jahres noch ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar markiert.

Bitcoin

Ölpreise legen wegen Angebotssorgen zu

Die Ölpreise sind am Dienstag gestiegen. Marktbeobachter verwiesen auf Sorgen vor einem sinkenden Angebot auf dem Weltmarkt. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  116,70 Dollar. Das waren 1,61 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,32 Dollar auf 110,89 Dollar.

Der Brent-Ölpreis legte damit den vierten Handelstag in Folge zu. Auf dem Markt wurde der Anstieg erneut mit einem Rückgang der Ölexporte in Libyen erklärt. In dem nordafrikanischen Land kam es zuletzt zu Ausfällen, weil die Produktion wegen politischer Proteste im Osten des Lands eingestellt wurde.

Seit Beginn des Jahres hat sich Rohöl aus der Nordsee um rund 50 Prozent verteuert. Als Preistreiber gelten die Folgen des Kriegs in der Ukraine und das Ende der Corona-Beschränkungen in vielen Ländern. Die Sorge vor einem Abflauen der Weltwirtschaft konnte die Ölpreise nur zeitweise belasten.

Mit Nachrichtenagenturen
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