Börse Dax und Fresenius unter Druck, Kursrutsch in den USA

Trotz erfreulicher Konjunkturdaten treten Dax-Anleger erneut den Rückzug an. Die Papiere von Fresenius geraten wegen hoher Verschuldung unter Druck, Finanzchefin Sara Hennicken rechtfertigt sich. In den USA belastet der Ausblick von Microsoft die Indizes.
In Turbulenzen: Fresenius-Finanzchefin Sara Hennicken kämpft gegen die hohe Verschuldung des Konzerns

In Turbulenzen: Fresenius-Finanzchefin Sara Hennicken kämpft gegen die hohe Verschuldung des Konzerns

Foto: Fresenius SE

Die Risikobereitschaft der Anleger ist am Mittwoch bei deutschen Aktien trotz verbesserter Konjunkturaussichten gedämpft geblieben. Der Dax  sackte zeitweise unter die Marke von 15.000 Punkten, stabilisierte sich dort aber schnell wieder. Aus dem Handel ging er nur knapp im Minus, indem er 0,08 Prozent auf 15.081 Punkte verlor. Der MDax gab um 0,48 Prozent auf 28.429 Zähler nach. Der EuroStoxx50 ging mit 4148 Zählern nur knapp im Minus aus dem Handel.

Zwar besserte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zu Jahresbeginn erneut, doch stieg das Ifo-Geschäftsklima im Januar nicht ganz so stark wie erwartet. Der Index stieg im Januar auf 90,2 Zähler von 88,6 Punkten im Vormonat, wie das Münchener Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte.

Das Ifo-Geschäftsklima liege noch immer auf einem Niveau, auf dem es in der Vergangenheit regelmäßig Rezessionen gegeben habe, warnte Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank. Sein Kollege Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg kommentierte: "Den Anstieg des Geschäftsklimas kann man schon fast routiniert zur Kenntnis nehmen. Viele Frühindikatoren legen derzeit zu. Dass sich die Lage der Unternehmen eingetrübt hat, passt dagegen nicht ganz ins hoffnungsfrohe Bild der Konjunkturerholung. Man sollte jetzt nicht zu schnell zu optimistisch werden, nur weil der befürchtete Absturz ausgeblieben ist."

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Rheinmetall auf Rekordhoch

Die beschlossene Lieferung deutscher Panzer für die Ukraine trieb die Aktien von Rheinmetall mit 232 Euro im frühen Handel auf ein Rekordhoch. Am Ende blieb davon aber nichts übrig, das Papier sackte mit einem Prozent ins Minus ab. Am Markt habe man zuvor bereits begonnen, das nun eintretende Szenario im Kurs einzupreisen, schrieb Analyst Sven Weier von der UBS.

Überraschend starke Geschäftszahlen des US-Lkw-Herstellers Paccar vom Vortag hielten im Nutzfahrzeugsektor weiter die Stimmung hoch. Der Kurs von Daimler Truck zog an der Dax-Spitze um 2,9 Prozent an und näherte sich so seinem Dezember-Hoch. Dem folgten auch die Papiere der beiden Branchen-Zulieferer Jost Werke und SAF-Holland um bis zu 3 Prozent nach oben.

Zweiter im Dax wurde RWE nach veröffentlichten vorläufigen Zahlen, die die bisherigen Unternehmensziele übertrafen. Nach einigen Schwankungen goutierten die Anleger die Resultate, die Händlern zufolge auch die Erwartungen übertrafen, mit einem Anstieg um 1,4 Prozent. Zeitweise näherten sich die Papiere mit 43,55 Euro dem höchsten Niveau seit 2011.

Fresenius wegen hoher Verschuldung unter Druck

Dagegen fielen die Titel von Fresenius um 2 Prozent. Der Krankenhaus- und Medizinkonzern steht mitten in seinem strategischen Überprüfungsprozess vor dem Problem einer hohen Verschuldung. Die Verschuldung liege über dem Zielkorridor, weshalb der finanzielle Spielraum nicht so groß sei, "wie wir ihn uns für volle strategische Flexibilität wünschen würden", sagte Finanzchefin Sara Hennicken der "Börsen-Zeitung".

Die Papiere von Jungheinrich verteuerten sich an der MDax-Spitze um 4,9 Prozent. Sie stiegen damit auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr. Der Gabelstapler-Hersteller baut mit der Übernahme der Storage-Solutions-Gruppe sein Geschäft mit Lagerautomatisierung aus. Der Zukauf sei eine "großartige Ergänzung", kommentierte ein Börsianer.

Microsoft-Ausblick belastet US-Börsen

Die US-Börsen haben am Mittwoch nachgegeben. Den Anlegern verdarb vor allem der Ausblick des Softwarekonzerns Microsoft die Laune. Auch der Flugzeugbauer Boeing konnte nicht überzeugen. Der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial, der sich in den drei vergangenen Handelstagen von seinen jüngsten Verlusten erholt hatte, gab nun um 0,6 Prozent nach. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,9 Prozent. Der technologielastige Nasdaq 100 büßte 1,2 Prozent auf 11.580 Punkte ein.

Microsoft und Texas Instruments hatten bereits am Vorabend nach US-Börsenschluss über ihre Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal Rechenschaft abgelegt. Microsoft verbuchte vor dem Hintergrund einer hohen Inflation und Rezessionssorgen das schwächste Umsatzwachstum seit mehr als sechs Jahren. Auch die Gewinne gingen deutlich zurück, was insgesamt aber im Rahmen der Erwartungen lag. Enttäuschend fiel allerdings der Ausblick auf das laufende Quartal aus. Insbesondere die angekündigte Verlangsamung des Wachstums in der zuletzt starken Cloud-Sparte Azure vergrätzte die Anleger. Mit minus 3,5 Prozent waren die Microsoft-Aktien Schlusslicht im Dow.

Die Anteilsscheine von Texas Instruments gaben im Einklang mit der sehr schwachen Nasdaq-Börse um 2,5 Prozent nach. Wegen einer gesunkenen Nachfrage gingen bei dem Chiphersteller Umsatz und Nettogewinn im vierten Quartal 2022 zurück. Das dürfte sich auch im laufenden Quartal fortsetzen, wie Texas Instruments mitgeteilt hatte.

Boeing mit viertem Jahresverlust in Folge

Um 2,3 Prozent gaben die Papiere von Boeing nach. Teure Probleme mit mehreren Flugzeugtypen brockten dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern 2022 das vierte Verlustjahr in Folge ein. Dabei fiel das Minus dieses Mal noch höher aus als im Jahr zuvor.

Asiens Börsen legen zu

Auch die asiatischen Börsen haben am Dienstag weiter zugelegt. Die Gewinne an der Wall Street sorgten für Auftrieb. Zudem stützten neue Konjunkturdaten. Wegen der Neujahrsfeierlichkeiten waren die Börsen in China, Südkorea und anderen Ländern abermals geschlossen.

Die Marktstrategen der Deutschen Bank begründeten die deutlichen Gewinne in Japan mit den jüngsten Einkaufsmanagerindizes. Dank des deutlichen Anstiegs der Dienstleistungskomponente sei die Expansionsmarke von 50 wieder überschritten worden. Der japanische Nikkei-Index  zog um 1,5 Prozent auf 27.299 Punkte an.

Bitcoin hält sich bei 23.000 Dollar

Die Stimmung am Kryptomarkt ist weiterhin vergleichsweise gut. Nach deutlichen Kursverlusten im vergangenen Jahr setzt sich die Erholung seit Jahresbeginn fort. Am Wochenende war der Kurs der ältesten und nach Marktwert größten Digitalwährung Bitcoin auf der Handelsplattform Bitfinex bis auf rund 23.300 US-Dollar gestiegen. Das war der höchste Stand seit etwa fünf Monaten. Am Mittwoch lag der Kurs etwas unter der Marke von 23.000 Dollar.

Bitcoin

Ölpreise ziehen leicht an

Die Ölpreise sind am Mittwoch leicht gestiegen. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  zur Lieferung im März 86,52 US-Dollar. Das waren 32 Cent mehr als am Tag zuvor. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 22 Cent auf 80,35 Dollar.

Von ihrem schwachen Jahresstart haben sich die Ölpreise mittlerweile erholt. Unterstützung leistete dabei auch der schwache US-Dollar, der Erdöl für Investoren außerhalb des Dollarraums wechselkursbedingt vergünstigt und damit deren Nachfrage antreibt. Auch die weniger trüben Konjunkturaussichten für Europa tragen zu einer besseren Stimmung am Markt bei.

Mit Nachrichtenagenturen
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