Börse Starke Wall Street treibt Dax in die Höhe

Der deutsche Aktienmarkt befand sich bereits im Aufwärtstrend, als am Nachmittag die Wall Street erfreulich stark eröffnete. Folge: Mit Dax und Co ging es weiter nach oben. Auch Ölpreis und Bitcoin steigen deutlich.
Börsianer in Frankfurt: Am Aktienmarkt ist die Stimmung zur Wochenmitte gut

Börsianer in Frankfurt: Am Aktienmarkt ist die Stimmung zur Wochenmitte gut

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Am deutschen Aktienmarkt hat sich die jüngste Erholung am Donnerstag beschleunigt. Der Dax erklomm den höchsten Stand seit Ende September und wurde dabei am Nachmittag zusätzlich gestützt von starken US-Börsen. Diese erhielten zum einen Auftrieb durch eine Reihe erfreulich ausgefallener Quartalsberichte von US-Unternehmen. Zum anderen sanken die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nicht nur überraschend deutlich, sondern fielen auch erstmals in der Corona-Krise unter 300.000.

Dax

Mit einem Plus von 1,4 Prozent auf 15.462,7 Punkte ging der deutsche Leitindex knapp unter seinem kurz zuvor erreichten Tageshoch aus dem Geschäft. "In den kommenden Handelstagen muss sich nun zeigen, ob das Kursniveau oberhalb von 15.400 Punkten Bestand haben wird", blieb Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect vorsichtig. Denn das Thema Energiepreise und Inflation werde im Fokus bleiben. Aktuell werde gehofft, dass die Preissteigerungen nun den Hochpunkt ausbildeten und die Inflation wieder zurückgehe. Eine Entspannung an den Rohstoffmärkten könnte dann auch dem Wirtschaftswachstum in Europa wieder auf die Sprünge helfen.

Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte gewann 1,2 Prozent auf 34.169,5 Zähler und auch europaweit und in den USA legten die Aktienmärkte deutlich zu.

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Das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung vom Vorabend deute ein langsames Tempo für die erwartete Reduzierung der Anleihekäufe an, hieß es von den Experten der Credit Suisse. Das komme an den Börsen gut an. Die US-Notenbank kauft derzeit monatlich Staats- und Hypothekenanleihen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar zur Stützung der Wirtschaft in der Pandemie, und könnte das Volumen nun ab Mitte November zurückfahren.

Die Protokolle machten deutlich, dass die Fed bereit sei, aus dem Krisenmodus auszusteigen und dass sie die Risiken sehe, die mit den Anleiheverkäufen verbunden seien, sagte Analyst Edward Moya vom Online-Broker Oanda. Allerdings zeige sich auch, dass die Fed nach wie vor davon ausgehe, dass der Preisauftrieb temporär sei. "Das könnte sich als Trugschluss herausstellen und wir werden wahrscheinlich sehen, dass der Markt die Inflation als das größte Risiko betrachten wird."

Unter den Einzelwerten stachen die Papiere von Hannover Rück heraus, die mit einem Kursplus auf eine Dividendenankündigung reagierten. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer will die reguläre Ausschüttung je Aktie künftig auch im Fall eines Gewinnrückgangs mindestens stabil halten. Dabei sollen auch weiterhin Sonderdividenden möglich sein.

Der Lieferdienst Delivery Hero expandiert mit einer Übernahme in Mittelamerika. Konkret will Delivery Hero das Geschäft mit Essenslieferungen und Quick Commerce des Dienstleisters Hugo kaufen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Aktien von Delivery Hero stiegen um 0,4 Prozent.

Wall Street auf Erholungskurs

Die Wall Street ist am Donnerstag auf Erholungskurs gegangen. Nach einigen zuletzt trüben Tagen stiegen die wichtigsten Aktienindizes nun um jeweils gut ein Prozent. Als Antrieb erwiesen sich insbesondere robuste Konjunkturdaten.

Der Dow Jones Industrial zog im frühen Handel um 1,2 Prozent auf 34.794,4 Punkte an. Der S&P 500 gewann 1,3 Prozent auf 4418,5 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 1,4 Prozent auf 14.986,6 Punkte nach oben.

Am Arbeitsmarkt hat sich die Lage überraschend deutlich verbessert. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank erstmals in der Corona-Krise unter 300 000. Der Rückgang der Hilfsanträge fiel zudem überraschend deutlich aus.

Bitcoin nahe Rekordhoch

Nachdem der Bitcoin am Mittwoch noch auf rund 54.000 Dollar gefallen war, kreiste die volatile Cyberwährung am Donnerstag um die Marke von 58.000 Dollar. Die Analysten der DZ Bank gehen jedoch davon aus, dass Bitcoin schon bald sein Allzeithoch von knapp 65.000 Dollar ansteuern könnte. Am Dienstag war die Cyberdevise mit 57.868 Dollar auf den höchsten Stand seit Mai dieses Jahres gestiegen.

Bitcoin

"Sollte der Preisdruck mittelfristig erhöht bleiben und Zentralbanken nicht angemessen reagieren, dürfte der Bitcoin-Kurs hiervon profitieren", schreibt DZ-Bank-Experte Sören Hettler in einem Kommentar. Viele Anleger sähen die Kryptowährung als Schutzschild gegen eine übermäßige Geldentwertung bei den traditionellen Währungen Euro, Dollar & Co. Derzeit sorgen vor allem Energiepreise, aber auch coronabedingte Nachholeffekte für anhaltenden Inflationsdruck.

Ölpreise steigen Richtung Mehrjahreshoch

Die Ölpreise sind am Donnerstag im frühen Handel gestiegen. Die zu Wochenbeginn markierten mehrjährigen Höchststände kommen damit wieder in Reichweite. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 83,89 US-Dollar. Das waren 71 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 66 Cent auf 81,10 Dollar.

Brent

Am Montag war der Brentpreis mit mehr als 84 Dollar auf ein Dreijahreshoch gestiegen. WTI hatte mit gut 82 Dollar einen siebenjährigen Höchststand erreicht. Auslöser der Entwicklung sind die globale Knappheit an Energie und eine zugleich anziehende Nachfrage infolge der konjunkturellen Erholung vom Corona-Einbruch.

Am Donnerstag dürften die Marktteilnehmer vor allem Lagerdaten aus den USA im Blick haben. Die wöchentlichen Zahlen geben Auskunft über die Versorgungslage in der weltgrößten Volkswirtschaft. Sie werden wegen eines Feiertags zu Wochenbeginn einen Tag später als gewöhnlich veröffentlicht.

mit Nachrichtenagenturen