Börse Dax wieder auf Abwärtskurs

Zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) ducken sich die heimischen Aktienanleger weg – der Dax muss einen Teil seiner Gewinne vom Pfingstmontag wieder abgeben.
Händlerin in Frankfurt: Der Dax verliert am Dienstag 0,66 Prozent

Händlerin in Frankfurt: Der Dax verliert am Dienstag 0,66 Prozent

Foto: Niklas Rüge/ dpa

Nach dem starken Pfingstmontag hat der Druck auf den Dax am Dienstag wieder zugenommen. Aktienanleger befürchten schneller steigende Zinsen. Nachdem der deutsche Leitindex zu Wochenbeginn getrieben von Corona-Lockerungen in China noch das höchste Niveau seit Ende März erreicht hatte, ging es nun um 0,66 Prozent auf 14.557 Punkte abwärts. Auch der MDax verlor 0,49 Prozent auf 30.392 Zähler.

Gespannt warten die Anleger auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Bis dahin dürften sie keine großen Risiken eingehen, hieß es aus dem Handel. Es wird allgemein damit gerechnet, dass die EZB in dieser Woche die geldpolitische Wende einleitet. Zu einer ersten Zinsanhebung könnte es dann im Juli kommen.

Zalando und Infineon auf der Verliererseite

Auf Unternehmensseite blieb die Nachrichtenlage am Dienstag ähnlich ruhig wie am Pfingstmontag, vor allem bei deutschen Tech-Werten gingen die Schwankungen weiter. Die am Vortag angesprungenen Papiere des Online-Modehändlers Zalando rutschten um 4,8 Prozent ab. Im Chipsektor erwischte es Infineon mit einem Abschlag von 2,2 Prozent.

Rheinmetall gewannen an der MDax-Spitze 2,8 Prozent, abermals beflügelt von den Plänen des Westens, Milliarden in die Verteidigung zu stecken. Das Rekordhoch von 225 Euro aus dem April rückt wieder etwas näher.

Unter den größeren Dax-Verlierern waren auch die 1,2 Prozent tieferen Adidas-Aktien, die sich nach den deutlichen Kursverlusten der vergangenen Monate aus dem Stoxx Europe 50 verabschieden müssen. Den Platz im gesamteuropäischen Leitindex nimmt demnächst der Rohstoff- und Bergbaukonzern Glencore ein, dessen Papiere in diesem Jahr eine bislang starke Kursentwicklung zeigten.

Gefragt waren die Papiere von SGL, die im SDax um gut elf Prozent auf das Niveau vom Januar stiegen. Optimistischere Ziele für das Gesamtjahr waren dafür verantwortlich.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 0,83 Prozent auf 3807 Punkte. Schwächer schlossen auch die Leitbörsen in Paris und London.

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Wall Street dreht ins Plus

Die US-Börsen sind am Dienstag nach einem schwächeren Start ins Plus gedreht. Die Anleger sind allerdings nach wie vor sehr nervös und die Stimmung schwankt zwischen Optimismus und Pessimismus. Immer wieder flammen Sorgen auf, dass die Politik der Notenbanken zur Eindämmung der hohen Inflation über das Ziel hinausschießen und den wirtschaftlichen Aufschwung ausbremsen oder gar wieder zunichtemachen könnte, hieß es.

Der Leitindex Dow Jones Industrial legte zuletzt um 0,30 Prozent auf 33.014 Punkte zu. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,31 Prozent auf 4134 Punkte aufwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 0,39 Prozent auf 12.649 Zähler.

Im Fokus standen insbesondere die Aktien aus der Einzelhandelsbranche, nachdem Target binnen weniger Wochen seine Jahresziele erneut gesenkt hatte. Durch die Inflation und Lieferkettenstörungen steigende Kosten belasten den nach Walmart zweitgrößten Discounter der USA. Target versucht nun, die Probleme mit mehr Preisnachlässen, weniger Bestellungen und einem Lagerabbau in den Griff zu bekommen. Dennoch stellt der Einzelhändler eine weitaus geringere operative Marge für das zweite Quartal in Aussicht als Mitte Mai. Target büßten 1,9 Prozent ein und Walmart gaben im Gefolge am Dow-Ende um 2,0 Prozent nach. Vor Target hatte im Mai auch Walmart nach einem deutlichen Gewinnrückgang im Auftaktquartal 2022 seine Jahresziele gekürzt.

Die Aktien des US-Einzelhändlers KohlÆs sprangen dagegen um 10,1 Prozent hoch. Sie profitierten von der Aussicht auf eine Übernahme durch Franchise Group, deren Papiere sogar um 12,1 Prozent zulegten. Der Verwaltungsrat von KohlÆs hat exklusiven Verhandlungen zugestimmt.

Vom Handel ausgesetzt waren die Papiere des Impfstoff-Herstellers Novavax, die tags zuvor um 6,2 Prozent gestiegen waren. Wichtige Neuigkeiten stünden an, hieß es. Ein Gremium der Gesundheitsbehörde FDA berät über die Zulassung des Covid-19-Impfstoffs von Novavax.

Asiens Börsen geben nach

Die asiatischen Aktien haben am Dienstag leicht nachgegeben. Die Anleihemärkte schwankten, der japanische Yen erreichte einen 20-Jahre-Tiefststand. Die Investoren warten nervös auf die jüngsten Inflationszahlen aus den USA und die Ergebnisse der Zentralbank-Treffen. Auch die Lockerung der Covid-Beschränkungen in China trug wenig zu einer besseren Stimmung der Anleger bei.

"Selbst die tiefe Erleichterung in China wegen geringerer regulatorischer Risiken und die Lockerung von Covid-Beschränkungen wird durch die Risiken eines Liquiditätsabzugs und eines Schocks bei der Neubewertung von Risiken gelähmt werden", sagte Vishnu Varathan, Wirtschaftswissenschaftler bei der japanischen Bank Mizuho.

Bitcoin verliert erneut

Der Bitcoin verlor am Dienstag über 5 Prozent auf 29.800 US-Dollar. Die weltweit bekannteste Kryptowährung ist seit Jahresbeginn unter Druck. Im November vergangenen Jahres erreichte der Bitcoin ein Rekordhoch von 69.000 US-Dollar.

Bitcoin

Ölpreise schütteln Verluste wieder ab

Die Ölpreise haben am Dienstag in einem dünnen Handel wieder in die Gewinnzone gedreht. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 120,24 US-Dollar. Das waren 73 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 81 Cent auf 119,31 Dollar.

Im Handelsverlauf reagierten die Ölpreise besonders stark auf Wechselkursbewegungen. Der durchweg festere US-Dollar hatte zunächst noch leichten Druck am Ölmarkt erzeugt, weil sich Erdöl für Investoren außerhalb des Dollarraums verteuert hatte. Die Nachfrage von dort ging entsprechend etwas zurück. Anschließend schwächelte der Dollar wieder etwas, sodass die Ölpreise anzogen.

Rohöl ist wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine knapp und teuer. Zudem hoffen die Anleger auf eine weiter anziehende Nachfrage. Bereits im frühen Handel hatten die Rohölpreise von Lockerungen in der Corona-Politik Chinas profitiert. In den großen Metropolen Peking und Schanghai werden die sehr strengen Gegenmaßnahmen wegen rückläufiger Infektionen Zug um Zug gelockert. Dies sorgt nicht nur für Entspannung im Welthandel, der stark vom Export Chinas abhängig ist. Auch der Energieverbrauch der Volksrepublik dürfte steigen, was den Erdölpreisen zugutekommt.

Mit Nachrichtenagenturen